Ludwigshafen
Zweite Auflage des Blies-Festivals
Die Beats waren schon von weitem zu hören. Der Sound und die vielen jungen Leute im lässigen Sommer-Outfit, die man auf der Nibelungenallee sehen konnte, deuteten an, wo es hier zur Party ging. Die zweite Auflage des Blies-Festivals am gleichnamigen See zu Ludwigshafen ist am Samstag erfolgreich über die Bühne gegangen.Mehr als 2000 Freunde elektronischer Musik feierten dort und anschließend noch im Pfalzbau mehr als zwanzig Stunden lang. So lange ließen die DJs die Plattenteller kreisen.
Während bei der Premiere im vergangenen Jahr die Pandemie noch für viele Fragezeichen sorgte, war die zweite Auflage des „Blies-Festivals“ am Samstag eine stressfreie Angelegenheit. „Wir hatten diesmal keinerlei Beschränkungen, das fühlt sich natürlich ganz anderes an“, freute sich Daniel Jozic, der als kaufmännischer Leiter in der „Projektgruppe Blies“ für die Vorbereitung und Durchführung des Festivals mit verantwortlich zeichnete. Aufbau, Design und Finanzierung hatte er mit seinem Kollegen Karl Becker, dem künstlerischen Leiter des Festivals, in die Wege geleitet.
Die Planungen dafür fingen bereits vor einem halben Jahr an. Der Aufwand, das kann man nach dem jüngsten Rave im Blies-Park sagen, hat sich einmal mehr gelohnt. Die ersten jungen Gäste schlugen schon um zwölf Uhr Mittag auf dem mehrere Tausend Quadratmeter großen Gelände auf, um in der von der Hitze geschwängerten Luft zu feiern. Gesunde Speisen und kalte Getränke konnte man sich jederzeit an einem der Food-Trucks besorgen. Überall auf dem Rasen lagen Decken und Matten, auf denen man es sich alleine und mit Freunden gemütlich machen konnte. Das Festival punktet außer mit seiner Musik mit einer familiären und friedlichen Atmosphäre.
22 Stunden dauernde Party
Auch ein kurzer Regenschauer am späten Nachmittag hielt niemanden davon ab, zum Sound der internationalen DJ-Entourage zu tanzen. Vierzehn Künstler aus Deutschland, Groß-Britannien, den USA, Italien und der Ukraine standen bis in die frühen Morgenstunden hinein an den Reglern. Ihr Sound lieferte dem Publikum die Energie für eine 22 Stunden dauernde Party, die in Herz und Beine ging. „Als Veranstalter sind wir vornehmlich an aufstrebenden, innovativen Künstlern interessiert“, machte Daniel Jozic deutlich, worum es ihm und seinen Kollegen bei der Organisation des Lineups geht. Und in der Zukunft? „Wir wollen uns als ein internationales Kulturfestival etablieren“.
Die ersten Schritte auf diesem Weg scheinen gelungen zu sein, denn das Festival hat sich schon jetzt einen erstklassigen Ruf in der elektronischen Musikszene erworben. „Dazu haben in hohem Maße die DJs beigetragen, die bei uns im vergangenen Jahr aufgelegt haben“, berichtete Jozic bei einem entspannten Gespräch, während sich das Publikum ein paar Hundert Meter entfernt vor der Bühne zu sphärischen Klängen bewegte, mit denen die Berliner DJane CCL den Raum beschallte. „Sie haben nicht nur für tolle Musik gesorgt, sondern bei ihren Kollegen Werbung für das Festival gemacht“.
Auch im Zeitalter der digitalen Medien genießt die gute alte Mundpropaganda immer noch einen hohen Stellenwert. Der eine oder andere Künstler, der den Rave bereicherte, hatte auf den Tipp eines Kollegen gehört und sich bei den Verantwortlichen vor Ort gemeldet. Die setzten auch im zweiten Jahr auf die Bandbreite der musikalischen Qualität und nicht in erster Linie auf einen oder mehrere Headliner als Magneten. Ein Star genügt demnach vor diesem Hintergrund. In diesem Jahr war mit dem DJ Roman Flügel einer der legendären Namen der Szene in Ludwigshafen. Dieser hatte in den neunziger Jahren als ein Pionier im berühmten Omen-Club in Frankfurt aufgelegt.
Magie auf der Tonleiter
„Alle DJs sollen die Möglichkeit haben, einen kompletten Spannungsbogen zu erzeugen, der die unterschiedlichen Spektren der elektronischen Musik abbildet“, erläuterte Jozic die Philosophie beim Blies. Unter dem Sonnendach, das die Künstler an der Anlage schützte, bekamen alle die nötige Zeit, um Magie auf der Tonleiter zu erzeugen. Wenn es um das Erlebnis geht, investiert der Fan schon mal eine Menge. Nicht wenige Besucher reisten ihrem Lieblings-DJ am Samstag über eine weite Strecke hinterher. Eine große Gruppe war zum Beispiel dem Flieger aus Großbritannien entstiegen, um den Künstler Ben UFO aus London in Ludwigshafen zu erleben.
Was die Performance angeht, sind die Ansprüche mitunter hoch. Da wird schon mal genauer hingeschaut. Benutzt der DJ zum Beispiel einen „Magic Stick“, um der Anlage den perfekten Ton zu entlocken, oder greift er eher „Old School“ auf das gute alte Vinyl zurück. Fast alle Besucher seien mit der Musik aufgewachsen, erklärte Jozic. Sie seien im Schnitt um die dreißig Jahre alt und von der Ethik der frühen Techno-Bewegung geprägt worden, die auf Liebe, Harmonie und den respektvollen Umgang mit dem Planeten basiert. Dazu gehört auch, dass ein Euro von jedem verkauften Ticket diesmal als Spende an einen berühmten Techno-Club in Kiew in der Ukraine geht.
Bis zum nächsten Jahr
Je länger der Rave dauerte, umso mehr geriet der eine oder andere Tänzer in einen Flow. Der Tanz wurde zur Trance. Praktisch waren die Festival-Becher, die man an der Kasse erhielt und sich um den Hals hängen konnte, wodurch man Arme und Beine frei hatte. Den Becher konnte man jederzeit an einer zentralen Wasserstation kostenlos mit dem frischen Nass auffüllen. Dank einer Kooperation mit dem Wilhelm-Hack-Museum. Bei der schweißtreibenden Action am Wochenende eine gute Sache. Um Mitternacht bestiegen viele Besucher den Shuttle-Bus, der sie zur Aftershow-Party im Pfalzbau brachte. Dort wurde bis in den frühen Morgen hinein gefeiert. Um zehn Uhr war Schluss. Bis zum nächsten Jahr, wenn das Blies-Festival seinen dritten Akt begeht.