Ludwigshafen Zwei Tickets nach Mainz
Beim gestrigen Bezirksentscheid Rheinhessen-Pfalz des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels haben zehn junge Leseratten ihr Talent unter Beweis gestellt. Acht Mädchen und zwei Jungen trugen in der Ludwigshafener Stadtbücherei zuerst selbstgewählte Geschichten und dann den gefürchteten Fremdtext vor.
Die weiteste Anreise hatte Michelle Theobald von der Gesamtschule in Contwig. Sie war über 120 Kilometer gefahren, um vor Publikum vorzulesen. Dabei sitzt sie ruhig vor einem Mikro auf einer Bühne, was manchem Erwachsenen mehr als dem Mädchen zu schaffen machen würde. Maria Veliki, die Siegerin des Stadtentscheids Ludwigshafen vor vier Wochen, ist auch dabei. Endlich hat sie das Geheimnis gelüftet, welches Buch sie vorliest: „Gregs Tagebuch 9 – Böse Falle“. „Ich wollte mal etwas ganz anderes bringen, eben kein typisches Mädchenbuch“, sagt sie und grinst. Sie hat eine Woche intensiv geübt, neben ihrer Textpassage auch „querbeet alles Mögliche gelesen“. Zur Unterstützung hat sie ihre Freundinnen Rabia, Amelie und Leonie dabei, die ihr ganz fest die Daumen drücken. Auch Fabian Riemenschneider hat einen ganzen Fanclub mitgebracht. Neben Jason, Luke und Nico sind auch die kleine Schwester Julia und seine Eltern dabei. Die Kumpels finden es „cool“, dass ihr Mitschüler vom Albert-Einstein-Gymnasium in Frankenthal so weit gekommen ist. „Verdient“, wie sie finden. Fabian legt sich gerne nach der Schule auf die Couch und schmökert. „Witziges kommt bei Wettbewerben immer gut an“, das ist seine Überzeugung. Und wie sieht das die Jury? „Ich wünsche mir mal wieder einen Klassiker“, sagt Erich Eberts, ehemaliger Fachbereichsleiter der Volkshochschule, „so etwas wie Tom Sawyer oder ein Buch von Kästner.“ Die Sechstklässler haben sich für andere Bücher entschieden. Von einer Reisegeschichte quer durch Australien über einen Superhelden-Comic bis zu einer tragischen Flucht und einem superspannenden Krimi reicht die Auswahl. Auch einen fremden Text müssen die Kinder bewältigen. Annabell Huwig von der Stadtbibliothek hat „Die Schule der magischen Tiere – Top oder Flop!“ von Margit Auer ausgewählt. Daraus darf jedes Kind auch noch zwei Seiten lesen. Die haben es in sich, denn es kommen darin durchaus anspruchsvolle Worte vor, die alle Kinder bravourös meistern. Die Auswahl fällt der Jury schwer, „noch nie lagen die Vorleser so nah beieinander“, so Huwig bei der Preisvergabe. Gewonnen haben die Vorleser zweier Bücher, die zwar modern sind, aber durchaus das Zeug zum Klassiker haben. „Drachenreiter“ von Cornelia Funke, ein Fantasy-Roman, der zum Bestseller wurde, und „Wunder“ von Raquel J. Palacio aus dem Jahr 2013. Darin geht es um einen Jungen namens August, der aufgrund eines Gendefekts mit einem entstellten Gesicht zur Welt kommt. Dieses Buch hat Katharina Hollingshausen vom Leininger-Gymnasium Grünstadt ausgewählt, weil es „mich so sehr berührt hat“. Es hat ihr Glück gebracht. Sie ist nun im Mai nach Mainz zum Landesentscheid eingeladen. „Das ist ein tolles Gefühl“, sagt die Zwölfjährige erfreut. Auch ein Junge darf sich freuen: Jonathan Becker vom Europa-Gymnasium in Wörth hat es mit dem „Drachenreiter“ geschafft. Der Vielleser verschlingt viele Klassiker und ist mit seinem flüssigen und betonten Lesen in der nächsten Runde gelandet.