Alte Liebe rostet nicht
Zwei Oldtimer für ein Motorrad
Während der Goldjubilar geschont wird, hat der Youngster nur deshalb so wenig Kilometer auf dem Tacho, weil sein aktueller Besitzer bereits eine Menge Zeit und Geld in die Reparatur hat stecken müssen.
Weswegen Billo der Quattro aber nicht minder nah am Herzen liegt. Schon allein deswegen nicht, weil es sich bei diesem Typ um eine Rarität handelt. In den 80er-Jahren sind nur 11.452 Exemplare dieser Ur-Version gebaut worden. Zu einem stolzen Basis-Preis von knapp 50.000 Mark, wofür man sich damals auch einen Porsche 911 hätte zulegen können. Aber Image – in diesem Fall geformt durch Titel bei diversen Rallye-Weltmeisterschaften, etwa von Walter Röhrl – hat nun mal seinen Preis.
Der 68-Jährige hat seinen Ur-Quattro mit seinen 200 PS aus einem Fünfzylinder-Turbo zwar günstiger, weil gebraucht erstanden. Rechnet man die zig Reparaturen ein, in die der Oppauer hernach unerwarteterweise investieren musste, hätte es auch fast für einen Neuwagen gereicht. Doch damit hadert der Liebhaber nicht.
Er wollte nur schauen
Eigentlich wollte er seinerzeit „nur schauen“ auf der Retro Classics, der Messe für Oldtimer-Liebhaber in Stuttgart. Übers Wochenende, die sich Billo selbst Bedenkzeit gegeben hatte, schwankte er zwischen Hoffen und Bangen, ob der Quattro – mit dem sich der permanente Allradantrieb auf deutschen Straßen etabliert hat – noch zu haben sei. So war es, und er wurde mit dem ungarischen Vorbesitzer handelseinig.
Gemischt fiel auch die Reaktion zuhause aus, zwischen verhaltenem Entzücken über den legendären Flitzer mit breiter Front und voluminösem 90-Liter-Tank und Stirnrunzeln über die unverhoffte Erweiterung des Fuhrparks. Im Prinzip ist Billos Quattro heute generalüberholt, inklusive ausgetauschtem Motor, quasi neuem Turbolader und Ölkühler. Zu den Seufzern über die nächste fällige Reparatur gesellte sich die Suche nach Ersatzteilen für ein Fahrzeug, das längst nicht mehr produziert wird. „Bis hin zu einem Schwerkraftventil am Tankeinfüllstützen, von dem ich gar nicht wusste, dass es das überhaupt gibt“, schmunzelt der Tüftler.
Und dann fuhr Billo voriges Jahr ein Wagen in sein Schmuckstück, 100 Meter vor der Oppauer Haustür. Die Folge: noch mehr Reparaturen und jede Menge Ärger mit dem Versicherer. All diese Zwangspausen hatten zum Ergebnis, dass der Liebhaber in zehn Jahren gerade mal 5000 Kilometer mit seinem Quattro hat fahren können. Aber, so ist er sich sicher, „unsere besten Jahre kommen noch“.
Schöne Jahre hat er bereits mit seiner ersten Oldtimer-Liebe gehabt, dem BMW 1600-2. Zu dem ist der gebürtige Lambrechter gekommen, nachdem sich der langjährige Vorsitzende des dortigen Motorsportclubs unfallbedingt von seinem geliebten Motorrad trennen musste. Ganz ohne extravaganten Untersatz sollte es aber nicht weitergehen. Also stöberte er im Netz und wurde im hohen Norden fündig.
Mit einem befreundeten Kfz-Mechaniker fuhr er nach Norderstedt – und kaufte das schnittige Cabrio mit dem innovativen Zwei-Türer-Konzept, Einzelradaufhängung und runden Leuchten auf. Dass die Karosserie von dem Stuttgarter Unternehmen Baur umgebaut und verstärkt worden ist, verleiht dem Wagen zusätzlichen Charme und Wert. Die Fahrt in die Pfalz musste das Cabrio auf eigener Achse bewältigen und sollte sich im Lauf der Jahre als die längste Strecke erweisen, die der motorisierte Senior seitdem bewältigt hat. Unterwegs setzte auch noch starker Regen ein. „Aber das Dach war dicht“, lobt Billo die solide Handwerksarbeit.
Bewundernde Blicke
Im zweiten Anlauf und mit korrekter Bereifung brachte Billo das Voll-Cabrio über den Tüv, und seitdem haben die Ausfahrten den Billos viel Spaß, bewundernde Blicke und freundliche Zurufe gebracht. Sie führen auch mal an den Fuß des Donnersbergs oder in den Schwarzwald, aber Billo will den alten Herrn, dessen Prototyp sich BMW 1966 zum 50. Geburtstag selbst geschenkt hatte, nicht überfordern.
Bei schönem Sommerwetter muss der Vater von gleich zwei Oldtimern nicht lange überlegen, wo er einsteigt, verfügt der BMW doch über ein Schiebedach. Dessen Bespannung ist nach über 20 Jahren zwar auch schon antik, bewegt sich aber einwandfrei. Was man vom Rest des Fahrzeugs nicht rundum behaupten kann. „Er ächzt und stöhnt mittlerweile ganz schön“, weiß sein Fahrer, der auf diese Befindlichkeiten Rücksicht nimmt. Dafür hat der Rote weniger Geld für Reparaturen verschlungen.
Aber so kleinlich rechnet Billo, der bis zu seiner Pensionierung 2015 als Stationsleiter bei der Autovermietung Kazenmaier in der Maudacher Straße gearbeitet hat, gar nicht. Dort waren seinerzeit bis zu einem Dutzend Oldtimer abgestellt – ein Paradies für Schrauber und Tüftler, die die edlen Gefährte auf der Hebebühne hochhievten. Und Franz Billo mitten drin. Schöner konnte man Hobby und Beruf nicht vereinen.
Die Wagen
Audi Quattro
Erstzulassung: 1982
Leergewicht: 1300 Kilogramm
Hubraum: 2119 ccm
Leistung: 200 PS
Kilometerstand: ca. 114.000
BMW 1602 Vollcabrio
Erstzulassung: 1971
Leergewicht: 980 Kilogramm
Hubraum: 1563 ccm
Leistung: 85 PS
Kilometerstand: ca. 110.000
Zur Serie und Zur Sache
In dieser Serie stellen wir seit 15. März Oldtimer-Besitzer aus der Vorderpfalz, ihre Geschichte und ihre Wagen vor. In Ludwigshafen sind aktuell 838 Fahrzeuge mit „H-Kennzeichen“ (30 Jahre oder älter) zugelassen. In Frankenthal sind es 348, im Rhein-Pfalz-Kreis 1455, in Speyer 500. Auf deutschen Straßen sind laut ADAC 660.000 Oldtimer unterwegs. Über 88 Prozent davon sind Pkw. Von insgesamt 66,9 Millionen zugelassenen Kfz und Anhängern hat etwa ein Prozent den Oldtimerstatus.
Zum letzten Serienteil geht’s hier.