Meinung
Zu früh, aber nicht verpeilt: Mein BASF-Erlebnis
Eine Stunde zu früh bei einem Termin? Das muss man auch mal schaffen. Mir ist das unlängst passiert. Und wer mich kennt: Ich bin der Typ, der eher mit Verspätung aufkreuzt, meist abgehetzt, weil eben doch noch etwas dazwischenkam, das berühmte letzte Telefonat ein bisschen länger dauerte.
Auf jenen speziellen Termin hatte ich mich dabei extrem gefreut: Mein erster Besuch bei der BASF, seit ich im vergangenen Herbst in die Lokalredaktion gekommen bin. Beseelt von der Vorfreude lasse ich mich vom Navi lotsen – und lande am Werkstor 1. Wo ich denn hinwolle, fragt ein freundlicher Sicherheitsmann. Ich krame nach dem Handy, scrolle und finde die Einladung. Da steht auch, dass der Parkplatz an Tor 2 gegenüber des Besucherzentrums ist. Ups.
Gewendet, jetzt aber mal auf die Tube gedrückt, Parkplatz gefunden, Auto abgestellt, über die Brunckstraße gesprintet – dann noch einmal ein Blick auf die Einladung ... und da steht 11 Uhr. Gerade ist es eine Minute vor zehn. Mist. Ein weiterer Sicherheitsmann kommt und fragt, ob er mir helfen kann. Tja, ne, nicht direkt. Ob es ein Café in der Nähe gibt, vielleicht ...? Ich warte im Auto und höre Musik.
Ich bin nicht allein
Hab ich eben gehört, dass jemand was von „verpeilt“ genuschelt hat? Mag sein. Ich steh dazu. Und ich betone: Ich war zu früh, aber bei der richtigen Veranstaltung. Wer mich wegen des einen Mals, dass ich zu früh war, als „verpeilt“ brandmarken will, muss den Rest der Story lesen.
Beim Termin bin ich nämlich erstaunt, welchen Presseauftrieb es gibt. Rundfunk, Fernsehen, überregionale Zeitungen – alles da. Sie alle wollen sich über das geplante Gefahrenabwehrzentrum der BASF informieren. Ein besonders weit angereister Kollege fragt dann auch, ob das Gefahrenabwehrzentrum auch mit der Abwehr der Gefahren durch Drohnen und so befasst sei. Wegen Putin und so. Also ein Gefahrenabwehrzentrum, von dem aus quasi Drohnen abgeschossen, mit Netzen eingewickelt oder mit Störsendern verjagt werden können. Hightech eben. BASF-style, Baby.
Sauwohl und in bester Gesellschaft
Die Ansprechpartner reagieren gefasst: Nein, es hat zwar Drohnen über dem Werk gegeben, aber das Thema und die ergriffenen Strategien seien nicht Thema des Neubaus. Da gehe es um die Unterbringung der Werksfeuerwehr. Punkt.
Mit einem leisen Lächeln nehme ich zur Kenntnis, dass mein Navi vielleicht mit der Adresse ein Problem hatte. Es ist auch unbestreitbar, dass ich zu früh war, weil ich die E-Mail nicht richtig gelesen hatte. Aber die Kollegen hatten nur das Wort Gefahrenabwehrzentrum gelesen und an Drohnen gedacht. Jetzt sagen Sie mal, wer hier verpeilt war. Ich jedenfalls fühlte mich nach dem Termin sauwohl und in bester Gesellschaft.
Die Kolumne
Fünf Redakteure berichten für die RHEINPFALZ über Ludwigshafen. Ihre Erlebnisse aus dem (Arbeits-)Alltag nehmen die Redakteure in der Kolumne „Quintessenz“ wöchentlich aufs Korn.