Ludwigshafen
Zu Besuch in der Alemi Islam Moschee
So besuchten einige Interessenten die Ludwigshafener Moscheegemeinschaft in der Krummlachstraße 6 in West. Die Gemeinschaft hatte ihre erste „Hinterhaus-Moschee“ ab 1980 zunächst im Hemshof, konnte aber 2003 in das Gebäude ziehen, in dem früher eine Leder- und Pelzverarbeitung ihren Sitz hatte. Es musste vieles renoviert und umgebaut werden. Die Führungen am Sonntag übernahm der Jugendvorsitzende Mucahit Terzi. Der gebürtige Ludwigshafener zeigte den Besuchern nach dem Empfang im „Frauenlokal“ die Räume. Zunächst erklärte er, der Name „Moschee“ komme aus dem Arabischen und bedeute so viel wie „der Ort, an dem man sich niederwirft“. Das Niederwerfen sei einer der zentralen Aspekte des Islams. Und man treffe sich hier nicht nur zum Beten, sondern auch mal zum Kaffeetrinken oder zur Freizeitgestaltung und Bildung.
Vom großzügig angelegten Freigelände führte der 25-Jährige die Besucher in den Trakt mit den Gebetsräumen. Im ersten Obergeschoss ist der Gebetsraum für Männer. Davor befinden sich Räume zur Gebetswäsche und Regale zum Abstellen der Schuhe. Aus hygienischen Gründen ist das Betreten des Raumes nur ohne diese erlaubt.
Platz für 600 Betende
Der große Raum bietet normalerweise 600 Betenden Platz, derzeit coronabedingt nur 300. Der ganzflächig mit rotem Teppich ausgelegte Boden mit Abstandsmarkierungen und die Wände, teils mit überwiegend blauen Mustern gefliest, teils mit kalligraphischen Elementen versehen, strömen eine gewisse Behaglichkeit aus.
Terzi berichtete über die Entstehung des Korans, das Buch der Muslime. Natürlich durften die Anwesenden auch einen Blick auf eine Seite des Korans, geschrieben in arabischer Schrift, werfen. Abbildungen oder Skulpturen vom Propheten oder anderen großen Personen des Islams gibt es in dem Gebetsraum keine, die sind generell verboten. „Der Begriff ,Islam’“, erklärte der Jugendvorsitzende, „heißt definiert Frieden – unter den Menschen und mit dem Schöpfer!“ Ein Teilnehmer fragte, warum die Muslime gläubige Christen als „Ungläubige“ bezeichnen. „Die Christen werden im Islam generell nicht als Ungläubige bezeichnet, sondern als Anhänger der Bücher!“, war die Auskunft. Es gebe also eine Unterscheidung zwischen einem Atheisten, der an nichts glaubt, und einem Christen oder Juden, der nach der Bibel lebt. Extreme Randgruppen sähen das anders, das sei aber nicht zu verallgemeinern.
Wunsch nach Kontakten
Nach einem Abstecher in den Keller ins Jugendlokal, das aus finanziellen und Corona-Gründen erst zum Jahresende fertiggestellt wird und Jugendlichen ab 15 Jahren sowie Erwachsenen für wöchentliche Treffen und Aktivitäten dient, ging es zum Gebetsraum für Frauen, der ähnlich ausgestattet ist wie der für Männer. Er ist nur kürzer und hat Platz für etwa 300 Frauen. Dafür gibt es auf der Etage Sitzecken zum Tee- oder Kaffeetrinken.
Mucahit Terci wies noch auf einen christlich-islamischen Gesprächskreis hin. Er wünscht sich mehr Kontakte, besonders unter Jugendlichen. Nur im Gespräch miteinander könne man über Fremdes etwas erfahren und voneinander lernen. Und er weist darauf hin, dass Menschen, die etwas über die Muslime erfahren möchten, willkommen seien und nicht auf den nächsten 3. Oktober warten müssten. Wer Fragen hat oder Kontakt sucht, meldet sich per E-Mail an igmg.alemiislam.jugend@gmail.com.
Zur Sache
Tag der offenen Moschee
Die islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland veranstalten jedes Jahr am 3. Oktober den bundesweiten Tag der offenen Moschee. Der Tag der Deutschen Einheit wurde nach Angaben des Zentralrats der Muslime in Deutschland bewusst gewählt, um zu zeigen, dass Muslime Teil des 1990 wiedervereinigten deutschen Staates sind. Den Moscheetag gibt es seit 1997. Das Kennenlernangebot für Muslime und Nichtmuslime fand jetzt zum 25. Mal statt. Mit Begegnungen sollen Vorbehalte abgebaut werden. Von den über 177.000 Einwohnern in Ludwigshafen sind 42.000 Einwohner katholisch, über 33.000 evangelisch und rund 100.000 gehören einer anderen Religionsgemeinschaft an. Wie viele Muslime darunter sind, hat die städtische Statistik nicht erfasst.