Sommerserie „Wasser Marsch“ (3)
Zu Besuch bei den Vorwärts-Masters der Wasserballer
Ganz klar: Im Sommer wird im Willersinnweiher trainiert. „Das Freibadbecken ist nur etwas für unsere Weicheier von der ersten Mannschaft“, scherzen die acht Senioren, die sich an diesem Trainingstag auf dem Vereinsgelände am Westufer eingefunden haben. Mit solchen Scherzen sprechen sie sich Mut zu. Dringend nötiger Mut, denn der Weiher liegt zwar sehr ruhig und einladend in der Abenddämmerung, aber die Dämmerung fehlt. Und der kalte Wind verlockt nun wirklich nicht zu einem Sprung ins dunkle Wasser, „obwohl es sicher seine 22 Grad hat“, schätzt Volker Becker, stellvertretender Vereinsvorsitzender und bis vor einigen Jahren auch noch in der Ludwigshafener Zweitligamannschaft aktiv. Obwohl er auch da schon längst das Masters-Alter erreicht hatte.
„Das Blöde ist der Weg rein“
Ein wenig neidisch geht der Blick deshalb schon hinüber zum Willersinnfreibad. Dort hat WSV-Trainer Pierre Hilbich seine Leistungsmannschaft für ein finales Training vor der Sommerpause ins Sportbecken gebeten. Das klare Wasser ist hier immerhin zwei Grad wärmer. Nicht viel, aber doch entscheidend. „Wenn man erst einmal im Wasser ist, geht es eigentlich“, sind sich die Senioren einig. „Das Blöde ist der Weg rein – und dann natürlich wieder zurück.“ Schließlich gelten auch auf dem WSV-Gelände die strengen Corona-Regeln.
Warm duschen ist nicht
Warm duschen nach dem Training fällt deshalb aus. Bleibt also nur ein beherzter Anlauf in den Weiher hinein und im Anschluss ein fast ebenso strammer Schritt zurück in die Hütte mit den Vereinsräumen, wo zumindest trockene Handtücher mit ihrer Reibung wieder ein wenig Wärme versprechen. Die meisten Senioren sind allerdings auch mit einer körpereigenen Isolierung ausgestattet. Wie gesagt: „Im Wasser geht’s.“
Kein eigener Trainer für die Oldies
Dafür ist das Training ein wenig improvisiert. Einen eigenen Trainer haben die WSV-Oldies nicht. Brauchen sie auch nicht. Erfahrung genug bringen die Spieler im Alter zwischen 40 und 68 Jahren schließlich mit. Der Vereinsvorsitzende und ehemalige Neustadter Bundesligaspieler Uwe Dessloch fehlt an diesem Tag, er muss arbeiten. Da wird aus dem angedachten Training ein entspanntes Ballspiel. Schließlich ist auch das Feld vor der Vereinsgaststätte aktuell nicht bespielbar. „Eine der Tonnen, die die Begrenzung festhalten sollten, ist undicht und gesunken“, erklärt Gert Buchheit. Suboptimal für Wasserballer. „Und Unterwasser-Rugby wollen wir auch nicht spielen. Das geben die Sichtverhältnisse im Weiher nicht her“, sagt Christian Hartard lachend.
Hier wird Kondition gebolzt
Nicht nur die Temperatur, sondern auch die Sichtverhältnisse sind im Freibadsportbecken besser. Ganz so sehr ist die Leistungsmannschaft des Ludwigshafener Wasserball-Zweitligisten aber nicht nach Scherzen zumute. Hier werden ganz klassisch Bahnen gezogen, hier wird Kondition gebolzt für eine Saison, die nach dem vorzeitigen Saisonabbruch hoffentlich im Oktober oder November wieder einigermaßen normal starten kann. Sicher taucht auch hier der eine oder andere Spruch an der Oberfläche auf, insgesamt nutzen die Spieler ihren Atem aber lieber effektiv.
Auch Turniere im Ausland
„Das ist es, was einen Wasserballer von einem Schwimmer unterscheidet“, sind sich deshalb die WSV-Masters einig. Und sie zitieren dabei den ehemaligen Teamkapitän Thomas Dessloch: „Wenn Schwimmer anfangen zu denken, dann werden sie Wasserballer“, hatte der vor Jahren einmal großspurig in eine der selten im Bad auftauchenden Fernsehkameras getönt – sehr zur Erheiterung der Vorwärts-Wasserballer, die bei den Deutschen Meisterschaften ihrer Altersklasse immerhin auch schon einmal auf dem vierten Platz gelandet sind. Ansonsten fahren sie zu Turnieren nach Pilsen, Montreux oder auch einmal nach Liverpool und nehmen dafür dann eben doch die eine oder andere etwas ernsthaftere Trainingseinheit in Kauf.
All zu lang halten sie es aber selten im Wasser aus. „Dann konzentrieren wir uns auf den geselligen Teil des Vereinslebens. Dabei spielt Wasser dann auch keine große Rolle mehr – höchstens im Schorle“, sagt Volker Becker und lacht.