Ludwigshafen Zeitreise in die Vergangenheit
«Dannstadt-Schauernheim.» Im Jubiläumsjahr ist in Dannstadt-Schauernheim einiges los: Gleich zwei Ausstellungen haben am Sonntag im Zentrum Alte Schule ihre Türen geöffnet – und die Besucher kamen zahlreich, um mehr über Geschichtliches zu erfahren. Zum einen über die Entwicklung des deutsch-französischen Verhältnisses unter dem Titel „Von der Feindschaft zur Freundschaft“, zum anderen über „Dannstadt-Schauernheim im Wandel der Zeit“.
Beide Ausstellungen bereichern das vielfältige Programm anlässlich des 1250-jährigen Bestehens der Gemeinden Dannstadt und Schauernheim. Der Heimatkundler Winfried Seelinger und der Historiker Ingo Dierck haben die Ausstellung mit Archivalien, sprich Exponaten wie historischen Büchern und Dokumenten, unter dem Motto „Ohne Archiv ist alles nix“ zusammengestellt, um die Geschichte der beiden Dörfer seit dem Dreißigjährigen Krieg greifbar zu machen. Denn „Anfassen ist erlaubt“, ermunterte Ingo Dierck die Besucher zum Blättern in den eindrucksvollen handgeschriebenen Büchern. „Von der Feindschaft zur Freundschaft – prägnanter und treffender könnte das Verhältnis von Deutschland und Frankreich nicht beschrieben werden“, sagte Ortsbürgermeister Bernd Fey (CDU) bei der Eröffnung der zweiten Ausstellung. Nachdem sich beide Länder jahrhundertelang einander viel Leid zugefügt hatten, wurden im 20. Jahrhundert die ersten Schritte auf dem Weg zur Annäherung und zur Freundschaft unternommen. „Damit auch unsere Kinder in Frieden leben können, braucht es verantwortungsbewusste Menschen als politische Führer“, betonte Fey. Damit die Achse Frankreich-Deutschland stimme, könnten alle ihren Beitrag leisten – auf kommunaler Ebene etwa durch die deutsch-französische Partnerschaft mit Bétheny, die Fey als „wichtige Säule der Beziehungen“ bezeichnete, auch um persönliche Freundschaften aufzubauen. Der Ortsbürgermeister dankte dem Partnerschaftsverein, der „mit viel Herzblut, Kreativität und Engagement“ seit zwölf Jahren die Partnerschaft pflege. Sein Dank galt allen Helfern und Mitwirkenden, allen voran dem Vorsitzenden Gilbert Beck. Dieser stellte auch das Konzept der Ausstellung vor. In der können sich die Besucher auf eine Zeitreise begeben, die vor rund 330 Jahren mit dem Französisch-Pfälzischen Erbfolgekrieg am Ende des 17. Jahrhunderts beginnt. 95 Jahre später fielen in der Zeit der Französischen Revolution Truppen über das linke Rheinufer her. 78 Jahre vergingen bis zum Deutsch-Französischen Krieg, in dessen Folge Frankreich das Elsass an das Deutsche Kaiserreich abtreten musste. 43 Jahre später brach der Erste Weltkrieg aus, der ebenso wie 21 Jahre später der Zweite Weltkrieg unzählige Menschenleben forderte. Nach diesen verheerenden Kriegen hatten weitsichtige Männer und Frauen gefordert, dass die Völker zusammenrücken müssten, um den Weltfrieden zu sichern, spannte Beck einen großen Bogen. Die Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags 1963 zwischen de Gaulle und Adenauer und das symbolträchtige Auftreten von Francois Mitterrand und Helmut Kohl Hand in Hand in Verdun 1984 waren wichtige Schritte auf dem Weg von der Feindschaft zur Freundschaft. Auch die Gründung des Freundschaftskreises „Dannstadt-Schauernheim – Bétheny“ 2005 sei ein Beitrag zur Festigung der deutsch-französischen Freundschaft, unterstrich Beck. Leider sei das Erreichte eines integrierten Europas angesichts populistischer Tendenzen in Gefahr, gab der Vorsitzende zu bedenken und wünschte sich „ein solidarisches Europa der Freunde“. Die Ausstellung zog zahlreiche Besucher an, so dass es im Musiksaal bald kein Durchkommen mehr gab. Aufmerksam betrachteten die Besucher die Exponate, darunter eine deutsche Pickelhaube und ein französischer Brustschild – Originale von einem Privatsammler. Diese sichtbaren Zeugnisse fürchterlicher Kriege sollen eine Mahnung sein, ebenso wie die Tapferkeitsmedaillen, die Privatpersonen auf deutscher und französischer Seite dem Freundschaftskreis für die Ausstellung zur Verfügung gestellt haben. Öffnungszeiten Beide Ausstellungen sind noch bis Sonntag, 3. September, im Zentrum Alte Schule jeweils von 16 bis 18 Uhr an folgenden Tagen zu sehen: Freitag, 18., Samstag, 19., Sonntag, 20., Dienstag, 22., Samstag, 26., Sonntag, 27., und Dienstag, 29. August sowie am Samstag, 2., und am Sonntag, 3. September.