Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Zeitloser Bestseller: Laszlo Branko Breiding spielt den „Werther“ am Mannheimer Nationaltheater

Werther lädt zur Performance ein, so beschreibt Schauspieler Laszlo Branko Breiding das Inszenierungskonzept für seinen Soloaben
Werther lädt zur Performance ein, so beschreibt Schauspieler Laszlo Branko Breiding das Inszenierungskonzept für seinen Soloabend. Foto: Christian Gaier

Eine Selbstmordwelle hat Goethes „Werther“ einst ausgelöst. Die Gefühle aus der Zeit des Sturm und Drangs kann Schauspieler Laszlo Branko Breiding am Mannheimer Nationaltheater heute noch nachvollziehen. Auch wenn der Überschwang mal nervt.

In mehr als einem halben Dutzend Inszenierungen hat er am Nationaltheater schon mitgewirkt. In Tschechows „Möwe“ spielt er den unglücklich verliebten Kostja, in „Hundeherz“ den zu jeder medizinischen Schandtat bereiten Doktor Bormenthal. Jetzt kann man Laszlo Branko Breiding ganz alleine erleben, in einem Soloabend mit Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“. „Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Maikäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumschweben zu können.“ So schildert Goethes Werther seine Frühlingsgefühle im ersten Brief an seinen Freund. Acht Monate und 100 Romanseiten später hat sich der junge Mann erschossen und dafür ausgerechnet die Pistole des Mannes verwendet, dessen Existenz ihn daran hindert, mit seiner geliebten Charlotte glücklich zu werden. Dazwischen liegt eine Liebesgeschichte, die zwischen zwei Seelenverwandten entbrennt und durch ein Eheversprechen und moralische Konventionen um ihr glückliches Ende gebracht wird. Geradezu beispielhaft für die Epoche des Sturm und Drang steht Goethes „Werther“, der nach seinem Erscheinen im Jahre 1774 zum Bestseller wurde und einen Modekult und eine Selbstmordwelle auslöste. Aber kann man mit einem solchen Überschwang der Gefühle in der heutigen rundum aufgeklärten und reichlich ernüchterten Zeit noch etwas anfangen?

Chat statt Papier und Feder

Laszlo Branko Breiding findet das schon. „Diese Liebesempfindungen sind mir nicht fremd“, sagt der 25 Jahre alte Schauspieler, auch mit Goethes Sprache habe er etwas anfangen können, auch wenn deren emotionaler Überschwang gelegentlich „genervt“ habe. Deshalb soll die Figur des Werther bei ihm zeitlos gehalten sein und nicht zwanghaft aktualisiert werden, auch wenn zeitgemäß Videos und Chatfenster in der Inszenierung zum Einsatz kommen.

Erstmals beschäftigt hat er sich mit Goethes Roman in der Oberstufe des Gymnasiums, damals den Text aber nicht zu Ende gelesen. Das hat er dann am Nationaltheater in Mannheim nachgeholt, als Intendant Christian Holtzhauer das Stück kurzfristig auf den Spielplan setzte und ihm die Rolle anvertraute. Zusammen mit der Regisseurin Jacqueline Reddington wurde dann eine Fassung entwickelt, in der neben Goethes Originaltext auch improvisierte Textpassagen und vorproduzierte Videos zum Einsatz kommen. „Werther lädt hier zu einer Performance ein und erzählt seine Version der Geschichte“, beschreibt Breiding des Konzept.

Als Räuber auf der roten Scheibe

Laszlo Branko Breiding ist in Karlsruhe geboren und aufgewachsen und schon als Gymnasiast mit dem Theater in Berührung gekommen. Im Jugendclub des Staatstheaters Karlsruhe hat er als 14-Jähriger erste Rollen gespielt, dann auch in Produktionen auf der großen Schauspielbühne mitgewirkt. Bei dem Grillparzer-Projekt „Der Gastfreund/Die Argonauten“, bei dem neben Schauspielern auch Laien zum Einsatz kamen, wurde einer der Schauspieler krank, und Breiding durfte die Rolle übernehmen. Nach dem Abitur hat er dann aber erst mal eine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München gemacht. „An der August-Everding-Akademie hätten sie mich auch genommen“, erinnert sich Breiding, der aber überzeugt ist, mit der Falckenberg-Schule die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Großartige Schauspieler wie Wiebke Puls und Thomas Schmauser von den Münchner Kammerspielen gehörten zu seinen Lehrern.

An den Kammerspielen durfte er bei mehreren Produktionen mitwirken, mit einer Inszenierung der anderen großen Bühne in München, des Residenztheaters, schaffte er es dann sogar zum Berliner Theatertreffen. Ulrich Rasche hatte dort Schillers „Räuber“ inszeniert, wie üblich bei diesem Regisseur als marschierender Chor auf einer rotierenden Scheibe. Den Räuber Roller hat er gespielt. „Die Form ging hier Hand in Hand mit dem Inhalt“, sagt Breiding. „Der einzelne Schauspieler sollte hier nicht als Solist wahrgenommen werden, sondern als Teil einer Gruppe, die zu einem Körper wird.“ Dabei sei es dem Regisseur nicht um eine uniforme Masse gegangen, sondern um die Einheitlichkeit der Aktionen, welche die Unterschiedlichkeit der Spieler sichtbar werden ließen.

„Hier sind echte Menschen“

Die Gefahr, in der Gruppe nicht wahrgenommen zu werden, besteht beim „Werther“-Abend nicht. Hier wird er sich auch immer wieder direkt ans Publikum wenden, Goethes Romanfigur damit ganz nah heranholen. Zusammen mit den Originaltexten und Videos soll das viel ästhetische Abwechslung bringen. Breiding hat auch schon bei einem Kinofilm und mehreren Fernsehserien mitgewirkt, aber seine Sympathie gilt dem Theater: „Hier sind echte Menschen auf der Bühne und auch im Zuschauerraum, Theater ist immer mit Publikum“, freut er sich schon auf die Premiere im Studio Werkhaus, wo die Besucher ja ganz besonders nah an der Bühne sind.

Termine

Premiere am Mittwoch, 5. Februar, 20 Uhr, weitere Vorstellungen 19. und 28. Februar, 23. und 25. März.

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