Ludwigshafen Zauberhafte Zwergengeschichte
«Dannstadt-Schauernheim.» „Zwerg Nase“ ist ein Kunstmärchen von Wilhelm Hauff, und die Musikbühne Mannheim hat daraus ein Musical für Kinder gemacht – kindgerecht gestrafft, klassisch inspiriert vertont und mit Dannstadter Kindern als Nebendarsteller. Die Umsetzung ist hervorragend gelungen. Die Aufführung vergangenen Donnerstag im Zentrum Alte Schule in Dannstadt-Schauernheim war nicht nur für die kleinen Zuschauer ein Spaß.
Hauffs Märchen erzählt die Geschichte von Jakob, einem Jungen, der seiner Mutter auf dem Markt hilft. Sie verkauft Gemüse und Kräuter. Da kommt eine alte hässliche Frau und grapscht im schönen Gemüse herum und nörgelt an der Ware. Jakob ärgert das und er verspottet die Alte wegen ihres Aussehens – insbesondere wegen ihrer großen Nase. Die seltsame Frau wird böse und beruhigt sich erst, als die Mutter Jakob dazu verdonnert, der Alten die Einkäufe nach Hause zu tragen. Dort entpuppt sich diese als Zauberin. Die Kohlköpfe im Einkaufskorb haben sich in Menschenköpfe verwandelt – ein kleiner Gruselmoment, den die Kinder im Publikum aber locker nehmen. Die Zauberin verwandelt Jakob und er wird ein buckliger Zwerg mit einer riesigen Nase. Er muss der Zauberin dienen und wird ihr Koch – mit der Zeit sogar ein sehr guter Koch! Nach sieben Jahren entlässt sie ihn. Jakob will nach Hause zu seinen Eltern. Doch die erkennen ihn nicht. Jakob ist nämlich immer noch der hässliche Zwerg. Er zieht weiter und wird Koch bei einem Fürsten. Der ist von seiner Kochkunst begeistert. Der Fürst bekommt Besuch von einer Fürstin. Die mäkelt aber an Jakobs Essen. Um es besser zu machen, kauft Jakob eine Gans für einen Braten. Doch die Gans ist ein verzaubertes Mädchen und klärt ihn auf, dass die Fürstin in Wirklichkeit wieder die Zauberin ist. Die beiden schmieden einen Plan, ihre Verwandlungen wieder rückgängig zu machen. Hauffs Märchen hat im Ur-Text viele Anspielungen und Begriffe, die für Menschen in der heutigen Zeit ohne Hintergrundwissen nicht verständlich wären. Eberhard Streul, angesehener Dramaturg und auch für das Nationaltheater aktiv, hat den Text bearbeitet, gestrafft und kindgerecht gemacht. Heute wüsste niemand mehr, dass die „Pastete Suzeräne“ eine politische Anspielung auf die Oberhoheit des Staates war. Vertont hat das Stück Clémance Leh auf sehr gelungene Art. Die Musik ist anspruchsvoll, aber angenehm zu hören. Es klingt klassisch inspiriert, und die Gesangsparts fordern klassisch ausgebildete Stimmen. Die Elsässer Musikerin spielt Gitarre und hilft als Erzählerin, die Handlung voranzutreiben. Das kleine Darsteller-Ensemble ist durchweg hervorragend. Markus Schultz spielt den Jakob, Laura Alvarez ist das verzauberte Mädchen, Daniela Grundmann die Zauberin, Petra Mott ist der Fürst – alle übernehmen in anderen Szenen auch weitere Rollen, so dass es für die Darsteller viel zu tun gibt. Auch Kinder aus Dannstadt-Schauernheim machen mit und dürfen als Küchenhilfen oder Gehilfen der Zauberin mitspielen. Bühnenbild und Ausstattung von Juliette Steiner sind aufs Nötigste beschränkt, aber stets ausreichend, die jeweiligen Schauplätze deutlich zu machen. Die Regie liegt bei Maxime Pacaud. Große und kleine Zuschauer erleben eine rundum gelungene Produktion, geleitet von Daniela Grundmann, der Gründerin der Musikbühne Mannheim.