Ludwigshafen Zäsur bei der Sparkasse

Die fürs Privatkundengeschäft verantwortliche Rottmüller war die einzige Frau im Vorstand, dem sie fusionsübergreifend 16 Jahre lang angehörte. Die in Limburgerhof lebende 59-Jährige hat einen Aufhebungsvertrag akzeptiert, den ihr der Verwaltungsrat angeboten hat und der optimal in ihre Lebensplanung passe, wie sie gestern betonte. Ihr Mann wird im nächsten Jahr 70. Rottmüller soll dem 2013 aus den Häusern Ludwigshafen/Schifferstadt, Speyer und Rhein-Pfalz zur Sparkasse Vorderpfalz fusionierten Institut über die Sportstiftung und den Förderverein Musikschule ehrenamtlich erhalten bleiben. Ihr ursprünglicher Fünf-Jahres-Vertrag endet nun zwölf Monate früher am 31. Mai 2017. Sie ist seit rund 30 Jahren im Bankenwesen tätig. Nachdem der Speyerer Uwe Geske den Vorstand bereits im Januar auf eigenen Wunsch verlassen hat, schrumpft das Vorstandsteam bis Mitte 2017 auf zunächst vier Köpfe. Da der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Clemens G. Schnell (63) zum 1. Juli 2018 in den Ruhestand geht, bleibt letztlich das gewünschte Trio übrig – jene Zielgröße, die bei der Fusion vereinbart wurde. Über mögliche Vertragsverlängerungen mit Vorstandschef Rüdiger Linnebank (49), Thomas Traue (54) und Klaus Steckmann (48) über den 1. Juli 2018 hinaus wollen der Verwaltungsrat und der Zweckverband der Sparkasse im Sommer nächsten Jahres entscheiden. Das kündigte Landrat Clemens Körner (CDU) als amtierender Verwaltungsratschef an. Fest steht bereits, dass Rottmüllers Vorstandsressort „Privatkunden“ Anfang 2017 bundesweit ausgeschrieben wird. „Angesichts dieses für die Zukunft der Sparkasse wichtigen Geschäftsfelds wollen wir den Besten finden, der zu uns passt, und richten dabei auch den Blick über unser Haus hinaus“, sagte Linnebank. Was das im Detail für die Zusammensetzung des Spitzengremiums bedeutet, ist noch unklar. Letztlich soll der Dreier-Vorstand aus einem „Steuerer“ sowie zwei Experten fürs Privat- und fürs Firmenkundengeschäft bestehen, betonte Körner. Insgesamt rund eine Million Euro an Jahresgehältern spart die Sparkasse dem Vernehmen nach durch die angestrebte Halbierung der Vorstandsmannschaft ein. Zügiger als erwartet schreitet der im Februar angekündigte und sozial verträgliche Abbau von 140 Stellen voran. 85 Stellen fallen Linnebank zufolge bereits bis Ende dieses Jahres weg, angepeilt waren 70. Weitere 55 Stellen werden bis Ende 2018 folgen. Die Abfindungs- und Alterszeitmodelle würden gut angenommen. Aktuell hat die Sparkasse 857 Vollzeitstellen, rund 800 sollen es Ende 2018 sein. Zum Start der Fusion waren es noch knapp 950 Vollzeitstellen. In diesem Jahr haben 28 junge Männer und Frauen – 26 angehende Bankkaufleute, zwei Studenten – ihre Ausbildung begonnen. Die Anzahl der Azubis soll auch künftig stabil bleiben, versicherte Linnebank. Im Wesentlichen abgeschlossen ist nach seinen Angaben die Schließung von zwölf Standorten. Nach einem Beschluss des Verwaltungsrats vom 9. Mai wird das Sparkassennetz von ursprünglich 61 um neun Geschäftsstellen und drei SB-Standorte ausgedünnt. Elf Geschäftsstellen werden in SB-Standorte umgewandelt. Ursächlich für die drastischen Einschnitte seien das veränderte Kundenverhalten, Stichwort Onlinebanking, die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank und der daraus resultierende Einbruch bei den Erträgen. 500 der 142.000 Privatgirokonten wurden von Kunden als Reaktion darauf aufgelöst, wobei einige Kunden wegen des neu eingeführten Gebührenmodells auch Konten zusammengelegt hätten. Trotz der gegenüber dem Vorjahr um 100 Millionen Euro gestiegenen Kreditauszahlungen (+35,7 Prozent) ist Linnebanks Ausblick auf die nächsten fünf Jahre verhalten optimistisch. „Die niedrigen Zinsen und das schwierige Marktumfeld werden unser Geschäftsergebnis weiter drücken. Das werden keine überschäumenden Jahre, in denen die Sektkorken knallen. Aber es werden solide Jahre. Mit dem Umbau der Sparkasse sind wir gut darauf eingestellt. Jede Zinserhöhung wird auch den Zinsüberschuss erhöhen. Aber die alte Margenwelt wird nie wieder kommen“, bilanzierte er. Das Betriebsergebnis von 33 Millionen Euro sei ordentlich. Es liegt indes 11,5 Millionen Euro unter dem des Vorjahrs. Mit 49 Standorten stelle die Sparkasse Vorderpfalz weiterhin das dichteste Geschäftsstellen- und Geldautomatennetz in der Region und bleibe mit einer Bilanzsumme von 5,5 Milliarden Euro die größte Sparkasse landesweit.