Ludwigshafen
Wo Wildbienen und Grabwespen im Bruch Unterschlupf finden
Gut mannshoch sind die beiden dicken Eichenbalken, die Rainer Ritthaler aus dem Auto wuchtet. „Sie stammen ursprünglich aus einem alten Dachstuhl“, verrät der Umweltbereichsleiter der Stadt. Im Maudacher Bruch können sie Heimstatt etwa für die Gehörnte und die Rostrote Mauerbiene, für die Gewöhnliche und die Gekerbte Löcherbiene werden, deren Hauptvorkommen in Deutschland in der Rheinebene liegt. Die genannten Arten gehören zu den Wildbienen, die nicht wie die meisten heimischen Arten im Boden nisten, sondern lieber oberirdische, röhrenförmige Hohlräume für den Nestbau nutzen.
„Eine Win-Win-Situation“, erklärt Ritthaler. Denn die früh im Jahr auftauchenden Mauerbienen können effektiv die Blüten der Obstbäume der fünf Hektar großen Streuobstwiese bestäuben und damit für einen guten Ertrag sorgen. Zudem sind sie auch bei niedrigeren Temperaturen als Honigbienen unterwegs.
Bohrlöcher im Eichenholz
Um möglichst vielen verschiedenen Arten Unterschlupf zu gewähren, wurden Bohrlöcher im Durchmesser von drei bis acht Millimetern ins Eichenholz getrieben. Schließlich gibt es nicht nur Wildbienen im Honigbienenformat, sondern auch winzig kleine, die der Laie erst bei genauerem Hinsehen als Biene erkennt. Die Ausfertigung der Klötze weist in Großbuchstaben auf den Lions-Club als Spender hin. Aber auch Grabwespen, die sich als erwachsene Tiere von Nektar und Pollen ernähren, ihre Brut dagegen mit Spinnen, Insekten und deren Larven füttern, können und sollen sich in den langlebigen Eichenbalken ansiedeln.
Beherzt betätigt Baumpfleger Thorsten Heller den Erdbohrer, um zwei Löcher im Boden auszuheben. Anschließend greifen für den letzten Feinschliff Rainer Ritthaler, Markus Müller aus Oggersheim, Jürgen Schröder von der Interessen- und Fördergemeinschaft für das Landschaftsschutzgebiet Maudacher Bruch sowie Unternehmer Marcus Keller-Leist zu den Spaten.
„Wollen in dem Bereich mehr machen“
„Es ist bereits das zweite Projekt dieser Art“, sagt Keller-Leist, Präsident des Lions-Clubs Ludwigshafen-Kurpfalz. Im Vorjahr wurden große Nisthilfen auf einer Oppauer Streuobstwiese aufgestellt. „Wir wollen in dem Bereich künftig mehr machen“, sagt er.
Mit Garten- und Landschaftsbaubeton wurden die stählernen Stützen der schweren Eichenbalken im Boden verankert und mit stabilisierenden Brettern bis zum Abbinden des Betons versehen. Bei einem kleinen Umtrunk – natürlich mit Pfälzer Apfelsaft – wurden die bei nasskaltem Wetter errichteten Insektennisthilfen anschließend feierlich begossen.