Fußball
Wo es beim Stopp-Konzept noch Probleme gibt
Nach rund einer Stunde in der Oberligapartie zwischen dem SV Südwest Ludwigshafen und dem 1. FC Kaiserslautern II überkreuzt Schiedsrichter Maximilian Schommer nach einer Rudelbildung die Arme vor der Brust und breitet sich danach in Richtung der beiden Tore aus. Die Spieler begeben sich in ihre jeweiligen Strafräume, es ist der Moment für das neue Stopp-Konzept. Diese neue Regel soll laut Deutschem Fußball-Bund (DFB) eine „Maßnahme gegen die Gewalt im Amateursport“ sein. Im Sommer war sie eingeführt worden. Aber wie hat sie sich in den vergangenen Wochen und Monaten bewährt?
„Ich habe subjektiv das Gefühl, dass es hilft“, erklärt Thorsten Gerhard Braun, Schiedsrichterobmann des Südwestdeutschen Fußballverbands (SWFV), auf Nachfrage. Wie häufig die Regel angewandt wurde, kann er allerdings nicht mitteilen. „Es gibt keine Statistiken dazu. Das muss der DFB anhand der eingereichten Schiedsrichterberichte auswerten“, erklärt Braun. Überrascht habe ihn, dass diese Regel auch in der Verbands- und Oberliga Anwendung findet, wie das Beispiel aus der Partie zwischen der Arminia und dem 1. FCK II zeigt. Eigentlich hatte er erwartet, dass gerade in den unteren Spielklassen sowie im Jugendbereich häufiger davon Gebrauch gemacht wird.
Probleme mit Konzept
Jens Schmitt, Schiedsrichterobmann des Kreises Rhein-Pfalz, erzählt eine andere Geschichte. „Die Praxis hat gezeigt, dass das Konzept noch nicht bei allen Vereinen angekommen ist“, stellt er fest. So erzählt er von Beispielen aus dem Jugendbereich, in denen ein Nachwuchsschiedsrichter nicht in der Lage gewesen sei, diese Regel anzuwenden, weil das Stopp-Konzept den Vereinen schlichtweg unbekannt gewesen sei. Im AH-Bereich soll es sogar zu Situationen gekommen sein, in denen die Spieler die Anwendung dieser Regel mit den Worten abgelehnt hätten, was „dieser Kindergarten soll“ und daraufhin ein Spielabbruch erfolgt sei. Schmitts Analyse: „Es waren natürlich alles Spiele, in denen ein zumeist jüngerer Schiedsrichter als alleiniger Unparteiischer mit der Aufgabe schlicht überfordert gewesen war.“
Das Stopp-Konzept soll auch nach Übergriffen oder beleidigenden Worten gegenüber dem Unparteiischen eingesetzt werden. Zumeist ist nach der erhofften Deeskalation der Situation eine Rote Karte für den oder die Übeltäter die Folge. Und hier kritisiert Schmitt das Nachspiel: „Der Verband ist sehr nachlässig, wenn es um die Strafen geht. Der Ermessensspielraum beginnt bei mindestens zwei Wochen Sperre. Das ist vergleichbar mit einem rüden Foul. Ein Spieler, der einen Schiedsrichter beleidigt hat oder möglicherweise gegenüber diesem handgreiflich wurde, muss mit der vollen Härte bestraft werden“, fordert Schmitt. In mehreren Fällen sei dies allerdings nicht geschehen. Stattdessen seien die Täter mit der Mindeststrafe davongekommen. „Die Strafen waren definitiv zu lasch. Das ist ein ganz schlechtes Zeichen“, warnt Schmitt. Laut seiner Information seien deshalb bereits Schiedsrichter von ihrem Amt zurückgetreten. „Da bringt auch das Stopp-Konzept nichts, wenn der Verband die falschen Signale sendet“, kritisiert Schmitt.
Schiedsrichter im Fokus
Gerade für die jüngeren Schiedsrichter, die mit viel Begeisterung ihrer neuen Aufgabe folgen, ist diese Regel und ihre Folgen ein Problem. „Wir haben ja bereits Nachwuchsprobleme im Schiedsrichterwesen. Da muss der Verband entsprechend reagieren. Ansonsten verlieren wir noch mehr Unparteiische“, erklärt Schmitt. Das Stopp-Konzept als eine Möglichkeit, um kritische Situationen auf und neben dem Platz zu deeskalieren, sei eine Handreichung für die Schiedsrichter. Dafür müsse der Verband allerdings dafür sorgen, dass „alle Vereine darüber entsprechend informiert werden“. Und gleichzeitig müsse „der Schiedsrichter bestmöglich geschützt werden“. Harte Strafen für die Übeltäter seien unabdingbar, um den Spielern zu signalisieren, dass hier „eine Grenze übertreten wird“.
Im Falle der eingangs erwähnten Oberligapartie lief alles nach Plan. Der Schiedsrichter sprach mit beiden Kapitänen, das Spiel konnte wenige Minuten später fortgesetzt werden. Laut Schmitt läuft das aber nicht immer so reibungslos ab.