Sommerserie Wasser Marsch (5) RHEINPFALZ Plus Artikel Wo das Ludwigshafener Trinkwasser herkommt

Da kommt man sonst nicht rein: In diesem Trinkwasserbehälter mit 51 Metern Durchmesser steht das Wasser eigentlich bis zu drei M
Da kommt man sonst nicht rein: In diesem Trinkwasserbehälter mit 51 Metern Durchmesser steht das Wasser eigentlich bis zu drei Meter hoch.

Es fließt wie selbstverständlich jeden Tag aus unserer Leitung: das Trinkwasser. Doch bis es bei den Kunden der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) ankommt, muss es Filter, Pumpen und regelmäßige Analysen durchlaufen. Ein Besuch im Wasserwerk Maudach-Oggersheim.

Genauso, wie die Milch nicht einfach aus dem Supermarkt kommt, kommt das Ludwigshafener Trinkwasser nicht einfach aus der Leitung. Es stammt aus tiefen Gesteinsschichten im Boden, aus „einem der größten Wasserspeicher in ganz Deutschland“, wie Rainer Barchet sagt, der die TWL-Wasserwerke leitet. Er meint den Oberrheingraben. Um Trinkwasserknappheit müsse man sich angesichts des großen Angebots also keine Sorgen machen. Ohnehin hat der Verbrauch in den vergangenen Jahren abgenommen. Die Spitze habe es in Ludwigshafen 1971 mit 19 Millionen Kubikmeter im Jahr gegeben. Heute sind es noch rund zwölf Millionen Kubikmeter. Doch auch das ist eine ganze Menge. Rainer Barchet vergleicht: Würde man diese zwölf Milliarden Liter in Ein-Liter-Flaschen füllen und sie in Kisten stapeln, könnte man damit den Mond erreichen.

Oberrheingraben als Glücksfall

Der Oberrheingraben ist aber nicht nur was die Wassermenge betrifft ein Glücksfall. Auch die Wasserqualität sei sehr gut. Es gebe andere Wasserwerke in Deutschland, die wesentlich mehr Aufwand betreiben müssen, bis H2O in gewünschter Qualität aus dem Hahn sprudelt, berichtet Barchet. Doch auch in den Wasserwerken auf der Parkinsel – 1935 in Betrieb genommen – und dem am Maudacher Bruch – seit 1970 in Betrieb – durchläuft das Wasser mehrere Stationen, die deren Leiter Besuchern mit sehr viel Liebe zum Detail gerne zeigt.

In der Filterhalle ist es angenehm kühl. Sechs riesige blaue Behälter reihen sich aneinander. Hier kommt das Wasser an, das mit 17 Brunnen im Maudacher Bruch aus einer Tiefe von 100 bis 200 Metern gefördert wird. Auf der Parkinsel gibt es weitere acht Brunnen, einer davon ist sogar 420 Meter tief. Das Wasser fließt durch einen Filter aus Quarzsand und Bims, wie Barchet erklärt. Dort wird es unter anderem von Eisen und Mangan befreit. Beides würde das durstlöschende Nass sonst unappetitlich verfärben.

Riesige Behälter gleichen Schwankungen aus

Die Filter müssen alle paar Tage gespült werden. Was dabei aussortiert wird, zeigt sich in einem anderen Teil des Werks als braune Brühe. Das klare Wasser wandert weiter in Trinkwasserbehälter. Normalerweise dürfen Besucher in diese höchstens durch eine Scheibe hineinblicken – sind die riesigen Räume mit 51 Metern Durchmesser doch bis zu drei Meter hoch mit Wasser befüllt. Weil aber derzeit an einem Behälter gearbeitet wird, steht er leer. Redakteurin und Fotograf haben Glück und dürfen hineinsteigen.

Mikrobiologie ist wichtiges Thema

Düster ist es drinnen. Großräumig. Das Gefühl: ein bisschen Veranstaltungssaal, ein bisschen Keller. Lange hallt das Echo von den Betonwänden nach. Der Sinn des Behälters: Tagesschwankungen im Verbrauch auszugleichen. Je nachdem, wie viel die Ludwigshafener spülen, waschen, duschen oder den Garten bewässern, verändert sich der Pegelstand. Normalerweise fließt hier ständig an einer Stelle neues Wasser rein, an anderer raus. Ohnehin vermeide man im Wasserwerk Stillstand, erklärt Barchet. Denn stehendes Wasser bietet eine mögliche Angriffsfläche für Bakterien und Keime. Die Wasserqualität treibt ihn und seine 15 Mitarbeiter um. Wöchentlich werden Mikrobiologie-Proben genommen, monatlich chemische Analysen gemacht, vierteljährlich vorgeschriebene Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel.

Damit das Wasser aus dem Hahn des Kunden fließt, wird es mit Pumpen ins Versorgungsnetz befördert. Wie viele der Pumpen wie stark im Einsatz sind, wird automatisch geregelt – wie überhaupt alles in den Wasserwerken. An zwei Stellen in der Stadt gibt es Druckmesser im System, mit deren Hilfe von den Wasserwerken aus für einen gleichmäßigen Druck gesorgt wird.

Für Notfälle gerüstet

Man ist bei den TWL aber auch auf Notfälle eingestellt. So gibt es laut Barchet an beiden Standorten ein Notstromaggregat. Der dortige Diesel reiche bei Stromausfall für vier Tage. Und es gibt eine Chlorgasanlage, falls es doch mal aus irgendwelchen Gründen notwendig werden sollte, das Trinkwasser zu desinfizieren.

Das Wasserwerk Maudach-Oggersheim versorgt die Stadtteile Pfingstweide, Edigheim, Oppau, Oggersheim, Friesenheim, Ruchheim und Maudach. Das auf der Parkinsel die anderen Bezirke. Wer beispielsweise von Süd nach Friesenheim umzieht, könnte sich wundern: Das Wasser ist unterschiedlich. Das aus dem Wasserwerk Parkinsel ist mit 14,8 Grad deutscher Härte beispielsweise härter als das aus Maudach mit 10,1 Grad. Warum? Die Parkinsel wird aus dem Odenwald gespeist, die Maudacher Brunnen aus der Haardt, sagt der Wasserwerk-Chef. Und wer sich darüber beschwert, dass in Ludwigshafen der Wasserkocher immer so schnell verkalkt, weil das Wasser zu hart sei, dem entgegnet der 53-Jährige: „Erst bei Werten über 20 fängt man an, über eine zentrale Enthärtung nachzudenken.“ Schließlich sei das mit einigem Aufwand verbunden, der bei so niedrigen Werten wie in Ludwigshafen nicht notwendig sei. Außerdem sei Wasserhärte auch ein Zeichen für einen hohen Mineralstoffgehalt. Da ist sie also wieder: die gute Wasserqualität aus dem Oberrheingraben.

Die Serie

Ludwigshafen, der Rhein, die Seen, die Brunnen, die Baustellen, die Versorger oder Vereine, die am Wasser heimisch sind – Themen und Geschichten darüber sind Bestandteil dieser Sommerserie.
Das Wasserwerk in der Speyerer Straße zwischen Maudach und Oggersheim.
Das Wasserwerk in der Speyerer Straße zwischen Maudach und Oggersheim.
Wasserwerksleiter Rainer Barchet erklärt, aus welch tiefen Schichten das Grundwasser kommt, das im Wasserwerk zu Trinkwasser wir
Wasserwerksleiter Rainer Barchet erklärt, aus welch tiefen Schichten das Grundwasser kommt, das im Wasserwerk zu Trinkwasser wird.
Mithilfe der Pumpen wird das Wasser in die Versorgungsleitungen und letztlich zu den Kunden nach Hause transportiert.
Mithilfe der Pumpen wird das Wasser in die Versorgungsleitungen und letztlich zu den Kunden nach Hause transportiert.
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