Ludwigshafen
WM-Teilnehmer verpasst Weltrekord in Haßloch
Dem Luxemburger Kugelstoßer Bob Bertemes gelang es nicht, seinen Weltrekord von 13,70 Metern in Haßloch zu überbieten. Eigentlich hätte der Versuch in Mutterstadt stattfinden sollen. Die Region ist für den WM-Teilnehmer von Doha übrigens ziemlich vertraut – dank einem Ludwigshafener.
Um es vorweg zu nehmen: Obelix mit dem großen Hinkelstein war nicht am Start. Steinstoßen, das klingt nach unförmigen Steinen, die vielleicht von einem Steinmetz mit einem Meißel zu ihrem jeweiligen Gewicht getrimmt wurden. Wer den Begriff Stein für diese Sportart erfunden hat, ist nicht überliefert. Aber das Steinstoßen gilt sogar als eine der ältesten Sportarten der Menschheit. Denn in der Steinzeit waren die Steine eine wichtige Wurfwaffe. Bertemes, der sympathische Sportsoldat, kam mit einer leichten Enttäuschung aus Doha zurück. Bei den Weltmeisterschaften vor einer Woche scheiterte er mit 19,80 Metern bereits in der Qualifikation. Seine Bestweite liegt bei 22,22 Metern. Der Trainer des 26-Jährigen, Khalid Alqawati aus Ludwigshafen, sah die Ursache in den klimatischen Bedingungen: „Heiß, kalt, hohe Luftfeuchtigkeit. Bob kam damit nicht gut klar.“
Training zweimal am Tag
Bertemes lebt in Mannheim und trainiert bei der MTG Mannheim zweimal am Tag an sechs Tagen in der Woche. Sein Beruf, obwohl als Soldat in der Luxemburger Sportförderung, besteht aus „trainieren, erholen, trainieren, essen, ausruhen“. Nur der Sonntag ist frei. Für ihn geht die Saison weiter, denn in zwei Wochen hat er noch einen sportlichen Höhepunkt mit den Militär-Weltmeisterschaften in China. Trainer Alqawati wollte mit dem exotischen Steinstoßen den Druck rausnehmen, den Kopf seines Athleten freibekommen und sagte bereits vor Doha dem Mutterstadter Organisator Stefan Münch zu, einen Weltrekordversuch zu starten.
Der Wettkampf wurde schließlich in Haßloch angesetzt, wo TSG-Wurftrainer Kurt Büttler nicht nur für die Wurfdisziplinen der Leichtathletik, sondern auch für Rasenkraftsport und Steinstoßen ein besonderes Faible hat. Büttler und Münch waren als offizielle Kampfrichter im Einsatz, um einen eventuellen Weltrekord auch korrekt zu vermessen. Für Bertemes waren es 15 Kilogramm schwere „Steine“, die bewegt werden mussten, also rund das doppelte des Gewichts einer Kugel. Doch statt Hinkelsteinen werden im Steinstoßen handliche Metallquader verwendet. Da muss auch eine entsprechende Masse beim Werfer vorhanden sein, damit der Quader „fliegen“ kann. Mit 127 Kilogramm Körpergewicht bei 1,87 Metern Größe stimmen bei Bertemes die Proportionen.
Rekordversuch eines 15-Jährigen
Die Atmosphäre war familiär, weitere Steinstoßer mischten mit. Tim Steinfurth, ein 15-Jähriger Athlet aus Eppstein bei Frankfurt, hatte sich vorgenommen, den deutschen Rekord seiner Altersklasse mit dem Fünf-Kilo-Stein von 16,45 Metern zu übertreffen. Aber auch er scheiterte.
Schon bei Bertemes erstem Versuch, der bei 11,11 Metern in den Schotterboden knallte, zeichnete sich ab, dass er sich schwer tun würde, seine Bestmarke zu steigern. Da halfen auch nicht die lauten Urschreie, die er jeweils beim Abwurf in den Himmel schickte. Der weiteste Versuch landete immerhin bei 12,09 Metern. Nach seinen sechs Versuchen war er dennoch guter Dinge. „Ich habe aus Spaß und Freude mitgemacht. Es ist auch ein Training, denn der Ausstoß ist die gleiche Bewegung wie beim Kugelstoßen“, erklärte er.
26 Schritte bis zum Abwurf
Doch statt des engen Rings beim Kugelstoßen nahm er Anlauf auf der langgezogenen Anlage und rannte auf das Abwurfholz zu. „26 Schritte“, sagte er, war die Entfernung bis zum Abwurf. Er maß also die Distanz nicht mit einem Maßband aus, wie man es oft bei den Profi-Leichtathleten beobachtet, sondern zählte seine Schritte. „Rund 6,50 Meter“, schätze er dann.
Mit Doha hat Bob Bertemes seinen Frieden gemacht. „Es war nicht mein Tag. Ich möchte es gar nicht auf das Wetter schieben“, betonte der Luxemburger. Das spannende Finale mit starken Leistungen seiner Konkurrenten hat er sich natürlich noch angesehen: Der US-Amerikaner Joe Kovacs hatte Kugelstoß-Gold mit 22,91 Metern im letzten Versuch gewonnen. Der Olympiazweite setzte sich damit vor Olympiasieger Ryan Crouser (USA) sowie dem neuseeländischen Titelverteidiger Tomas Walsh durch, die beide 22,90 Meter erzielt hatten. „Es war ein sehr beeindruckender Wettkampf“, fand Bertemes. Er sieht seine besten Jahre noch kommen. „Mit 26 Jahren ist man jetzt erst im richtigen Alter. Wenn ich von Verletzungen verschont bleibe, kann ich mich noch steigern.“ Und dann sind vielleicht auch internationale Medaillen drin. Bei den Europameisterschaften in Berlin hatte er 2018 den sechsten Platz belegt. Seine besten internationalen Platzierungen waren zwei fünfte Plätze bei Hallen-Europameisterschaften. Bislang.