Mannheim
Wird das Collini-Center wieder zum Leben erweckt?
Der Abriss des Collini-Centers schien nur noch eine Frage der Zeit. Vier neue Gebäude mit fünf bis 19 Stockwerken waren geplant. Um den knapp 95 Meter hohen und zu erhaltenden Wohnturm herum wollte der Heidelberger Investor rund 230 Wohnungen sowie Ladengeschäfte für die Nahversorgung, Gastronomie und Büros errichten. Aufgrund der „aktuellen Rahmenbedingungen in der Baubranche“ und den Vorgaben aus dem städtebaulichen Wettbewerb aber wurde der Rückzug erklärt.
Präsentation auf Expo Real
So hat die Stadt das Alte Technische Rathaus sowie die stillgelegte, zweistöckige Geschäftspassage am 1. Juli von der Deutschen Wohnwerte zurückgenommen. Aktuell bereite man die Wiedervermarktung des Areals vor und spreche dazu gezielt mögliche Projektentwickler und Investoren in Deutschland und Europa an. „Auf Wunsch des Oberbürgermeisters Christian Specht wird das Collini-Areal auch auf der Expo Real präsentiert, der größten internationalen Fachmesse für Immobilien und Investitionen in Europa“, verrät Pressesprecher Dirk Schuhmann auf Anfrage. Die Expo Real findet vom 7. bis 9. Oktober in München statt.
Auch das Collini-Center wurde nach der Eröffnung Mitte der 1970er-Jahre als modernes Prestigeobjekt gefeiert. Und entwickelte sich nach und nach zum Sorgenkind. Geschäfte und Gastronomie zogen aus, ein Thermalbad wurde stillgelegt, der seit über zehn Jahren als marode geltende Büroturm mit Gerüsten umstellt. Da die Sanierung für die Stadt nicht infrage kam, wurde bereits 2013 Ausschau nach einem Käufer für die Immobilie gehalten. Nun sei man bei der erneuten Ausschreibung offen für Konzepte, die auch eine Revitalisierung des vorhandenen Gebäudes verfolgen.
Anwohner klagen über Dreck und Ratten
„Zunächst werden Projektentwickler und Investoren angesprochen, die dann Konzepte für das Areal entwickeln. Auf dieser Basis kann dann der Gemeinderat wie üblich über den Verkauf des Grundstücks und Gebäudes zur Umsetzung eines Konzepts entscheiden“, erklärt Schuhmann das weitere Prozedere. Der gegenwärtige Zustand des Collinis jedoch bedeutet Stillstand. Vor allem das ohnehin schon lange wie ein Nicht-Ort wirkende Foyer erscheint aufgrund seiner vielen Absperrgitter nun noch geisterhafter.
Und wo sich nichts bewegt, wird Abfall angelockt. „Seitdem der Büroturm und die Galerie wieder an die Stadt Mannheim übergegangen sind, hat sich die Situation drastisch geändert. Mülleimer quellen über, Dreck sammelt sich in der Galerie und Unkraut überwuchert die angrenzenden Gehwege. Mittlerweile wurden auch Ratten gesichtet. Vom Gestank und den Fliegen ganz zu schweigen“, klagt Thomas Holzner vom Anwohnerverein „Wir im Collini“.
„Die Sauberkeit auf dem Collini-Areal ist ein andauerndes Thema, das auch schon vor der Rückgabe an die Stadt immer wieder angesprochen wurde“, sagt Schuhmann. Nun gab es Hinweise auf weggeworfene Getränke- und Essensverpackungen, alte Kleidungsstücke und sogar eine einzelne Matratze auf dem Grundstück. Die Stadt beseitigte diesen Müll und reinige das Areal nun regelmäßig. Um das Gelände dauerhaft sauber zu halten, müssten allerdings auch die Bürger mitwirken und ihre Abfälle ordnungsgemäß entsorgen.
Tiefgarage seit 2022 gesperrt
Ein Streitthema war vor zwei Jahren auch die Parksituation. Die Sperrung der Tiefgarage Anfang 2022 wurde auch als erster Hinweis für den anstehenden Abriss gewertet. Seitdem müssen Dauerparker auf die Parkmulde im Freien ausweichen. Und das bleibt auch bis auf Weiteres so. „Die Tiefgarage ist aus baulichen Gründen derzeit nicht nutzbar und könnte nur nach einer umfassenden Sanierung wieder in Betrieb genommen werden“, erklärt Schumann. Der dafür notwendige Sanierungsaufwand sei für eine mögliche kurzzeitige Nutzung zu hoch – schließlich sei derzeit nicht absehbar, wie ein künftiger Eigentümer das Grundstück nutzen will und ob die Tiefgarage dabei erhalten bleiben wird.