Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Wir müssen bewusster werden“: Was den Musiker Rolf Stahlhofen gerade umtreibt

Rolf Stahlhofen hat eine bewegte Biografie. Aufgewachsen ist er in Saudi-Arabien, Nigeria und Algerien, als Jugendlicher lebte e
Rolf Stahlhofen hat eine bewegte Biografie. Aufgewachsen ist er in Saudi-Arabien, Nigeria und Algerien, als Jugendlicher lebte er in Landau im Heim. Inzwischen hat er seinen Platz gefunden: als Familienvater, als Musiker und als Mensch, der sich für andere Menschen engagiert.

Das Solodebüt von Rolf Stahlhofen feiert seinen 18. Geburtstag. Pünktlich zur Volljährigkeit ist es nun erstmals digital veröffentlicht worden. „Zeit was zu ändern“, der Titel des Albums, stimmt für den Mannheimer Musiker mehr denn je. Warum, hat er der RHEINPFALZ erzählt. Und auch, welche Rolle er künftig bei den Söhnen Mannheims spielen möchte.

Vermutlich gibt es, gerade zumindest, keinen besseren Ort für ein Treffen mit Rolf Stahlhofen als eine Parkbank in der wunderschönen Jugendstilgrünanlage am Mannheimer Wasserturm. Hier, vor dem altehrwürdigen Wahrzeichen, dessen Anblick jedem Mannheimer das Herz aufgehen lässt, hat er mit den Söhnen Mannheims 1999 eins der ersten Konzerte gespielt, einen heute legendären Auftritt beim Mannheimer Stadtfest, für den einst der Ring abgesperrt worden ist. Dreht man den Kopf, erblickt man den Rosengarten, die gute Stube der Stadt, in dem er in den verschiedensten Konstellationen umjubelte Auftritte hatte. Und der Blick nach vorne fällt auf den Brunnen samt Fontänenanlage und damit auf ein Element, dem Stahlhofen seit Jahren viel Energie und Engagement widmet: Wasser.

„Musik aus gutem Grund“

In Zukunft möchte er beides stärker als bisher miteinander verbinden: seine Musik und seine Wasser-Projekte. „Wer es sich leisten kann, soll zehn Prozent mehr Gage zahlen und das Geld in einen guten Zweck fließen lassen“, sagt der 53-Jährige. „Musik aus gutem Grund“ nennt er das. Ob das so ein guter Zeitpunkt sei, in dem die Veranstaltungsbranche komplett am Boden liegt? „Absolut“, sagt er. „Ich gebe ja nicht nur öffentliche Konzerte, sondern werde immer wieder von Leuten gebucht, die etwas mehr zahlen können.“ Abgesehen davon, ist die Situation seiner Branche durchaus etwas, das ihn sehr beschäftigt. „Man sieht in der Krise, dass die Kunst keine Wertigkeit besitzt“, sagt er. „Es gibt Lösungen, aber die werden den Problemen in keinster Weise gerecht. Was ist mit dem Gitarristen, der normalerweise für 100 Euro am Abend im Irish Pub spielt? Der fällt völlig hinten runter. Was ist mit den Technikern, den Caterern, den Fahrern, die keinerlei Einnahmen haben?“ Es gehöre zum Wesen der Kunst, dass Künstler „im Leisen weinen“. In der Veranstaltungsindustrie arbeiteten hochkompetente Menschen, die funktionierende Hygienekonzepte entwickelt haben. Statt auf sie zu hören, gebe es pauschale Verbote von Konzerten oder Theateraufführungen.

Rolf Stahlhofen selbst hat in der Zeit der Pandemie eine Menge zu tun. Er ist regelmäßig mit Freunden und Weggefährten im Studio, um für ein für 2022 geplantes neues Album Songs aufzunehmen. Und er kümmert sich um seine Charity – die vor zehn Jahren von ihm gegründete Stiftung „Water is Right“ (WIR), deren Anliegen es ist, mehr Menschen auf der Welt freien Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Stahlhofen ist europäischer UN-Botschafter im Rahmen des Programms UN-Habitat für das Wohn- und Siedlungswesen und kann lange darüber sprechen, warum Wasser ein Menschenrecht sein sollte. Dass man die Menschen nicht oder kaum wahrnimmt, die auf der Welt verhungern oder wegen des fehlenden Zugangs zu sauberem Wasser sterben – darüber kann er sich aufregen. „Wir müssen bewusster werden“, sagt er, „und an allen Ecken und Enden was verändern. Nachhaltigkeit darf nicht nur ein Marketingwort sein. Es geht um eine globale soziale Ungerechtigkeit.“

Es ist ein Thema, das ihn schon bei seinem Debütalbum „Zeit was zu ändern“ aus dem Jahr 2003 beschäftigt hat. Im Jahr zuvor hatte er mit „Menschen am Fluss“ ein großes Benefizkonzert in der Mannheimer Maimarkthalle für die Opfer der Flutkatastrophe an der Elbe organisiert. Produzent des Albums war der vor einem Jahr verstorbene Mannheimer Musiker Stephan Ullmann; ihm haben die Söhne Mannheims zwei Wochen nach seinem Tod bei ihrem Autokinokonzert Stahlhofens damals entstandenen Song „Große Mädchen weinen nicht“ gewidmet. Es war ein ergreifender Moment.

Ludwigshafener Label

Das Album ist gut gealtert, man kann es immer noch hören – und jetzt auch auf Streaming-Portalen. Es ist die erste Veröffentlichung der neuen Plattenfirma des Ludwigshafener Musikverlegers und Managers Michael Menges. 2003, das Erscheinungsjahr von „Zeit was zu ändern“, war auch jenes, in dem Stahlhofen die Söhne Mannheims verließ; erst 2014 sollte er wieder einsteigen. Als die Söhne im Februar ihre Piano-Show aus dem Capitol streamten, fehlte er auf der Bühne, und auf der Webseite wird er als ehemaliges Mitglied geführt. „Ach“, sagt er, „wenn es mal wieder ein Jubiläum zu feiern gibt, stehe ich gerne mit auf der Bühne.“ Höhen und Tiefen hat Stahlhofen nicht nur mit dieser Band, sondern überhaupt im Leben schon sehr viele erlebt.

Corona zum Trotz scheint es ihm im Moment sehr gut zu gehen, dem zweifachen Vater, der vom entspannten und glücklichen Familienleben in Feudenheim erzählt. Mit Musikerkollegen auch aus dem Söhne-Umfeld bildet er jetzt die „Spielvereinigung“, viele von ihnen sollen künftig bei Live-Konzerten mit ihm Musik machen. „Wir sind jetzt sogar an dem Punkt, an dem wir sagen: Lasst uns auch mal Mädchen mit reinnehmen“, sagt er und lacht. Und dann blickt er ein letztes Mal ernst zum Wasserturm und erzählt von einem Traum: dass er unglaublich gerne noch einmal mit allen Weggefährten aus über 25 Jahren Söhne Mannheims auf der Bühne stehen würde. „Ja“, beantwortet er eine gar nicht gestellte Frage, „auch mit Xavier.“

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