Handball
„Wir haben nun mehr zu verlieren“
Ceven Klatt bleibt jeden Tag viel Zeit zum Nachdenken. Der Trainer des Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen braucht einfach fast 1,5 Stunden von seinem Wohnort Kitzingen bis nach Ludwigshafen. In den vergangenen Tagen grübelte Klatt häufiger über die unbefriedigenden Ergebnisse seiner Mannschaft. Denn aktuell steht der Bundesliga-Absteiger mit 2:6 Punkten auf dem 14. Tabellenplatz. Das ist nicht der Anspruch einer Mannschaft, die zuvor vier Jahre in der Bundesliga spielte und nun von der Konkurrenz zum engeren Kreis der Aufstiegsanwärter gezählt wird. „Mit der Punkteausbeute bin ich nicht zufrieden“, sagt Klatt: „Die Erwartungshaltung ist eine andere.“
Sportlich gesehen holpert es bei den Eulen. Allerdings will Kapitän Gunnar Dietrich deshalb nicht von einer schlechten 100-Tage-Bilanz des neuen Trainers reden. „Die jetzige Situation ist nicht gerade leicht für Ceven Klatt. Er tritt in große Fußstapfen. Er ist aber sehr motiviert. Er ist detailverliebt und hat einen klaren Plan. Jedenfalls sind die 100 Tage positiv zu bewerten, auch wenn es die Ergebnisse nicht zulassen. Unser Problem ist, dass wir es als Team nicht hinbekommen, unsere Leistung auf den Platz zu bringen“, analysiert Dietrich. Der 35 Jahre alte Abwehrchef weiß auch warum es noch hakt an einigen Stellen. „Uns fehlt die Lockerheit. Dabei ist die Trainingsqualität gut. Mir ist das unbegreiflich. Wir sind motiviert“, betont Dietrich.
Nicht nur Gunnar Dietrich stützt den Trainer. Auch Christian Klimek sieht die Bringschuld bei der Mannschaft: „Kein anderer Trainer könnte es besser machen. Wir müssen uns auf die neuen Dinge noch einstellen. Jeder Trainer hat seine Vorlieben und Schwerpunkte. Wir können unsere Trainingsinhalte nicht im Spiel umsetzen. Viele Gegner kennen wir nicht. Außerdem ist das Spielsystem anders als in der Bundesliga.“
Die verschiedenen System aber kennt Klatt. „Ceven kennt die Zweite Liga sehr gut. Wir sind da manchmal überrascht über die ganzen Kenntnisse“, sagt Dietrich. Auch er sieht die Ursachen für den durchwachsenen, eher schwachen, Saisonstart noch in der neuen Situation. „Für uns war es am Anfang ungewohnt, alle waren Ben gewöhnt. Aber beide Seiten sind offen zueinander“, meint der Kapitän: „Ceven findet sich zurecht.“
Ceven Klatt ist ein kommunikativer Mensch. Er bindet die Spieler mit ein. Er verteilt Aufgaben. Er ist transparent. Auch Ben Matschke legte Wert auf diese Punkte. Sogesehen unterscheiden sich beide Handball-Lehrer kaum in der Mannschaftsführung. Auch Ceven Klatt schneidet die Videos selbst und bereitet die Mannschaft im Detail auf die Gegner vor.
Warum aber verliert das Team dann trotzdem? „Wir unterschätzen noch die individuellen Stärken der Gegner. Da müssen wir mehr Respekt zollen“, erwartet Klatt. Nicht nur das: „Die Abwehr muss besser werden. Im Pokalspiel gegen Minden haben wir etwas besser verteidigt. Das muss uns aber immer gelingen. Das muss die Grundlage unseres Spiels sein. In Aue und Dessau haben wird es nicht geschafft. Gute Abwehrarbeit fängt mit der Grundeinstellung, der Grundbereitschaft und der Grundaggressivität an. Da erwarte ich mehr und da erwartet auch jeder Spieler mehr von sich“, betont der 38 Jahre alte Klatt.
Wie besteht man in Liga 2?
Die aggressive Abwehr jedoch war und ist ein Schwerpunkt von Ceven Klatt. Vor der Saison betonte er, dass er darauf großen Wert legen wird. „Deshalb müssen wir bereit sein, in die Abwehr zu investieren. Die Bereitschaft und die Aggressivität, den Körper reinstellen, die Zweikämpfe ordentlich führen – all das braucht man, um in der Zweiten Liga zu bestehen“, stellt Klatt klar.
Daran arbeitet er seit Wochen. Und daran wird er auch die kommenden Wochen intensiv feilen, sagt er. Denn mit dem Offensivspiel sei er einverstanden. „Wir haben eine hohe Trainingsqualität. Das macht mir Mut. Wir müssen das nun ins Spiel bekommen“, sagt Klatt und kennt einen weiteren Grund für die aktuelle Ladehemmung bei den Eulen: „Sie haben nun mehr zu verlieren. Das merkt man ihnen phasenweise an. Die letzten Jahre war es normal, wenn sie verloren haben. Sie waren immer der Außenseiter. Jetzt ist die Erwartungshaltung da, das Spiel zu gewinnen. Wenn man mal mit zwei Toren zurückliegt, merkt man, wie der Druck steigt.“ Mit 2:6 Punkten aus vier Spielen ist er nicht gerade weniger geworden. Und jetzt kommen auch noch Essen, Nordhorn-Lingen als kommende Gegner.