Ludwigshafen „Wir befinden uns im Rückbau“

Leerstände, Falschparker, Schmutz und keine Mikrofone für Bürger bei der Versammlung zu den Bauarbeiten am Brüsseler Ring – es gibt einiges, was den Bewohnern des Quartiers Sorgen bereitet. Gleichzeitig gilt aber auch: Viele mögen ihren grünen, barrierefreien Stadtteil.
Hans Jürgen Müller ist 75 Jahre alt und lebt seit 30 Jahren in der Pfingstweide. Er ist mit seinem Quartier zufrieden – so sehr, dass er diesem vier von sechs Richtigen im Lotto geben würde. Er bekomme alles, was er braucht, und nach Frankenthal sei es auch nur ein Katzensprung, sagt er. Seine Informationen bekommt Müller nach eigenem Bekunden vor allem aus der RHEINPFALZ, die er schon seit einer kleinen Ewigkeit abonniert hat und mit der er vor knapp 70 Jahren das Lesen lernte: „Mit den Vereinsnamen der Pfälzer Fußballmannschaften auf der Sportseite.“ Nicht ganz so positiv ist das Bild, das David Trupp hat. Dem 51-Jährigen bereitet der Leerstand im Pfingstweide-Center Sorgen. „Einen Metzger gibt es nicht mehr, einen eigenständigen Bäcker auch nicht, und ältere Menschen, die nicht mobil sind, können nur noch im Netto einkaufen“, meint er. „Wir befinden uns im Rückbau.“ Ein Dorn im Auge sind ihm die Falschparker, die die Verbotsschilder vor dem Netto-Markt ignorieren und ihre Wagen direkt vor dem Laden abstellen, wo das eigentlich nur Lieferanten dürften. „Im Grunde wären das jedes Mal 25 Euro“, sagt er. Ärger mit Parkplätzen hat auch Dieter Heid aus dem Brüsseler Ring. Dort vermieten die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG und BASF Wohnen und Bauen zwar Stellplätze für Anwohner. Weil die Wohnungen von dort aus aber nur über einen kleinen Umweg erreichbar sind, würden die Mieter ihre Autos trotzdem an der Straße parken. „Es sind also eigentlich alle Stellplätze vermietet, tatsächlich bleiben die aber leer, und man findet dafür an der Straße keinen Platz mehr“, sagt Heid. Davon einmal abgesehen, ist die Pfingstweide für ihn aber der schönste Stadtteil von Ludwigshafen: grün, weitgehend barrierefrei und mit vielen interessanten Angeboten für Jung und Alt. Einen Beitrag zum Thema Parkplätze hat auch Christof Palme geliefert. Er war am Mittwoch bei der Bürgerversammlung zu den Bauarbeiten am Brüsseler Ring. „Man war leider nicht bereit, Änderungen zu diskutieren“, sagte der 80-Jährige. Außerdem sei es rein technisch nicht möglich gemacht worden, dass sich die Beteiligten – etwa per Mikrofonen – äußerten. Zur vorgestellten Idee von Parkplätzen zwischen den Fahrspuren sagt Palme: „Das ist gefährlich, wenn dort Familien mit Kindern parken.“ Lieselotte Lauer, die die Mode- und Wollecke im Gesundheitszentrum Pfingstweide betreibt, ärgert, dass die Adresse des Zentrums, der Dr.-Hans-Wolf-Platz 1, in keinem Navigationsgerät auftauche. Kunden müsse sie oft den Weg erklären. Das gehe auch den Ärzten im Gesundheitszentrum so, sagt die 70-Jährige. Im Mailänder Weg schlagen sich laut Patricia Guip unterdessen mehrere Anwohner mit einem ganz anderen Problem herum. Wie die 66-Jährige berichtet, liegt dort seit Jahren ein städtisches Baugrundstück brach. „Von Sommer bis Herbst wuchern Gras und Unkraut da mannshoch, und es fliegen riesige Distelflocken herum, sodass man die Fenster nicht offen lassen kann“, erklärt Guip. Weil der Zustand unhaltbar sei, habe sie sich schon mehrfach bei der Stadt beschwert. Irgendwann habe dann tatsächlich jemand gemäht – die Rechnung für den Einsatz hätten aber vier Familien aus der Nachbarschaft zahlen müssen. „Das kann doch nicht sein?“, erzürnt sich Guip. „Für Blumenkübel und neue Straßenlaternen hat die Stadt Geld, aber ihr eigenes Grundstück pflegt sie nicht?“ Roland Maaß merkt an, dass es in der Pfingstweide generell nicht mehr so sauber sei wie früher. „Beispielsweise am Brüsseler Ring“, sagt der 75-Jährige, der seit 35 Jahren in dem Stadtteil lebt. Dazu, dass Grundschulkinder am vergangenen Mittwoch bei der Aktion „Saubere Stadt“ in der Pfingstweide anpackten, sagt Maaß: „Früher hat es die Stadt gemacht, heute machen es die Kinder.“ Eine bessere Busanbindung nach Frankenthal wünscht sich Rainer Masché. „Innerhalb der Stadt wird viel gemacht“, erkennt der Edigheimer an. Auch die Kommunikation mit Mannheim sei wohl gut. Nur mit Frankenthal gebe es offenbar Berührungsängste, sagt der 65-Jährige, der regelmäßig mit dem Rad nach Frankenthal fährt. „Wer nicht mehr so mobil ist und vielleicht kein Auto hat, für den ist es richtig schwer.“ Von nächtlichem Busverkehr gestört fühlt sich Patrice Kretz, der am Brüsseler Ring lebt. „Fernbusse aus Gau-Heppenheim fahren nachts durch den Brüsseler und Londoner Ring“, sagt der 66-Jährige. Er habe das schon einmal moniert.