Handball
Wiedersehensfreude bei den Eulen Ludwigshafen
Den 28. Mai 2022 hat Matthis Blum noch in bester Erinnerung. An jenem Abend durfte er mit der A-Jugend der Rhein-Neckar Löwen trotz der 31:32-Niederlage vor eigener Kulisse gegen die Füchse Berlin den deutschen Meistertitel feiern. Den Grundstein hatten Blum, der geniale Spielmacher, und die Junglöwen schon eine Woche zuvor mit einem 31:25-Erfolg in der Hauptstadt gelegt. Das war aber noch nicht alles. Mit dem Drittliga-Kader des Bundesligisten, den Rhein-Neckar Löwen II, schaffte er in Deutschland etwas Einmaliges, als er auch noch den Titel in der dritthöchsten Spielklasse feierte. „Zwei Meisterschaften in einer Saison, das war schon außergewöhnlich“, sagt Blum. Mit dabei waren auch Lion Zacharias, Sebastian Trost und Trainer Michel Abt.
Sie werden sich am Sonntagnachmittag (16 Uhr) in der Eberthalle wieder begegnen und so manche Erinnerungen austauschen können. „Ich freue mich auf das Wiedersehen in Ludwigshafen. Es ist immer schön, die einstigen Kameraden und den Trainer zu treffen“, sagt Blum. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie haben den Schritt in die zweite Liga vollzogen, was ihnen, bedingt durch die Bundesliga-Zugehörigkeit der Rhein-Neckar Löwen, als Junglöwen verwehrt war.
Zacharias als Leihgabe der Löwen und Trost, der dem Ruf seines alten und neuen Trainers folgte, bei den Eulen Ludwigshafen, Matthis Blum dagegen beim VfL Lübeck–Schwartau. Die Eulen haben Michel Abt zuvor aus dessen selbst auferlegter Handballpause als Retter verpflichtet.
Es war ein großer Schritt aus der A-Jugend heraus
„Direkt von der A-Jugend in die zweite Liga zu wechseln, das ist ein großer Schritt, aber ich bin froh, dass ich diese Chance bekommen habe“, sagt Blum. Der Weg an die Ostsee fiel ihm nicht leicht. „Mein Ziel ist es, stets im Kader zu sein und Spielanteile zu bekommen“, meint er mit Blick auf den Konkurrenzkampf auf der Spielmacher-Position. Gleich vier Akteure hat Lübeck-Schwartau für Rückraum Mitte im Kader. „Der Kader ist sehr groß, trotzdem habe ich bisher meine Spielanteile erhalten. Ich bin super zufrieden“, gesteht Blum. Der gebürtige Bottroper war erst im Frühjahr 2020, nach der B-Jugend, vom TSV Bayer Dormagen ins Internat der Löwen nach Kronau gewechselt. „Ich hatte ein super Umfeld, die Löwen sind mir ans Herz gewachsen“, erzählt Blum.
Mit David Späth, dem gebürtigen Westpfälzer, aber auch mit Robert Timmermeister bildete er eine Wohngemeinschaft. Blum: „Der Kontakt ist immer noch da. Ich bin überzeugt, dass ich den einen oder anderen auch nach dem Spiel in der Eberthalle wieder treffen werde“. Es kommt zu einem kleinen Klassentreffen der einstigen Junglöwen. Die freundschaftliche Bande mit Lion Zacharias ist nicht abgerissen. „Wir schreiben uns öfters per WhatsApp, mit Sebi hatte ich mich auch gut verstanden“, sagt Blum, der die Entwicklung seiner früheren Kameraden verfolgt: „Es ist äußerst positiv, dass die Löwen auch zusammen mit den Eulen jungen Spielern die Chance geben, den nächsten Schritt zu gehen“. Er selbst habe sich für den Weg in den hohen Norden entschieden. „Das Projekt, mit vielen jungen Spielern sich neu aufzustellen, hat mich überzeugt“, erzählt Blum. Der 1,86 Meter große Rechtshänder ist einer von elf Neuzugängen.
Anfangs lief es nicht nach Plan
„Es ist einiges anders. Ich bin noch weiter von meiner Heimat weg, dazu die erste eigene Wohnung in Bad Schwartau und das Studium der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule in Lübeck“, erzählt Blum. Aber er ist nicht ganz allein. Er traf auf David Röhrig, seinen einstigen B-Jugendtrainer beim TSV Dormagen, der jetzt in Lübeck das Sagen hat. Dort lief es zu Beginn der Saison nicht ganz nach Plan. „Der große personelle Umbruch ging nicht so ganz spurlos an uns vorbei. Seit der Länderspielpause läuft es gut“, sagt Blum.
Nicht anders ist die Situation bei den Eulen. Sie befinden sich nach einem durchwachsenen Start mit einem schweren Auftaktprogramm jetzt auf der Überholspur. „Wir wissen auch, dass sich die Eulen ebenfalls im Aufwind befinden“, sagt Blum, der zuletzt mit Lübeck-Schwartau die SG BBM Bietigheim und den HSC 2000 Coburg schlug sowie beim VfL Potsdam gewann. „Unser Ziel ist es, auch das vierte Spiel in Folge zu gewinnen“, sagt der 19-jährige, der „die zweite Liga als eine Wundertüte“ ansieht. Auch deshalb, weil jeder jeden schlagen kann.