Ludwigshafen
Wie läuft die Umsetzung der Masern-Impfpflicht in Ludwigshafen und im Rhein-Pfalz-Kreis?
Die Masernimpfung erfolgt mit einem Impfstoff gegen Masern-Mumps-Röteln und ist im Impfpass auch unter der Abkürzung MMR aufgeführt. „Ich schätze, dass die meisten Kindergartenkinder diese Impfung schon haben“, sagt Frank Wolf. Er leitet den Trägerverbund „Gemeinsam unter einem Dach“, der die 20 Kindertagesstätten des Protestantischen Kirchenbezirks Ludwigshafen vereint. Genaue Zahlen könne er dazu allerdings nicht nennen. „In 99 Prozent der Fälle zeigen die Eltern der Kinder, die in den Kindergarten kommen, den Impfausweis vor, der den Impfschutz dokumentiert, und dann ist der Fall erledigt“, sagt Wolf. Es gebe auch noch die Möglichkeit, dass die Eltern nachweisen können, dass das Kind auf Immunität untersucht wurde. Auch dann könne es in den Kindergarten eintreten.
Verweigern der Impfung hat keinen Erfolg
Die vollständige Masernimpfung besteht aus insgesamt zwei Impfungen. „In der Regel sind die Kinder schon nach der ersten Impfung immun“, sagt Frank Wolf. „Wenn ein Arzt allerdings bestätigt, dass ein Kind nicht geimpft werden darf, dann kann es auch ungeimpft in den Kindergarten aufgenommen werden. Wenn Eltern die Impfung bloß verweigern, ist das nicht möglich.“
Neue Kita-Mitarbeiter können nur anfangen, wenn sie den Impfschutz vorweisen. Für die Kinder, die bereits in den Kindertagesstätten betreut werden, und das Bestandspersonal gilt eine Übergangsfrist bis 31. Juli 2021. Bis dahin müssen die Nachweise erbracht sein. „Wir fordern natürlich keinen Nachweis mehr von Kindern, die die Kita noch vor diesem Stichtag verlassen“, sagt Wolf.
Schwieriger sei der Überblick über die Impfsituation bei dem bereits beschäftigten Personal. „Da wird es wohl die eine oder andere ärztliche Bestätigung mehr brauchen“, blickt Wolf voraus. „Das Gesetz gibt die Impfpflicht vor, wir müssen das bloß vermitteln.“ Die Betroffenen müssten die Arztbesuche in ihrer Freizeit machen und auch die Kosten selbst tragen.
Eltern nehmen die Sache ernst
Das Thema Masern-Impfung ist schon im vergangenen Jahr ins Rollen gekommen. Das Masernschutzgesetz wurde im November 2019 beschlossen. Beim Personal in den Kindertagesstätten gilt die Impfpflicht nur für diejenigen, die nach 1970 geboren sind. „Ich selbst bin vorher geboren und lasse mich trotzdem impfen“, sagt Claudia Shita, Leiterin der Protestantischen Kindertagesstätte Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Limburgerhof. Unter den betreuten Kindern in ihrer Einrichtung gebe es keins, das nicht geimpft ist. Und unter den Eltern seien keine Impfverweigerer: „Die sind eher der Ansicht, dass mit Masern nicht zu spaßen ist.“ Wenn neue Kinder die Impfung nicht vorweisen können, kann die Kita-Leiterin sie nicht aufnehmen. „Und ich muss das dem Gesundheitsamt melden.“
Die Anzahl der Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, ist sehr gering, sagt Rüdiger Geib. Er ist Leiter des entsprechenden Fachbereichs bei der Gemeindeverwaltung Mutterstadt. „Das Ganze ist ja schlicht und einfach durch das Gesetz geregelt. Auf Diskussionen, wie sinnvoll die Impfpflicht ist, können wir uns nicht einlassen.“
„Unser Gebiet ist nicht ganz so groß“, sagt sein Kollege Wolfgang Hampel. In Mutterstadt selbst gibt es nur zwei kommunale Kindergärten. Insgesamt werden dort 290 Kinder betreut. Zurzeit werden die Personen erfasst, bei denen noch ein Impfnachweis erforderlich ist – nicht nur diejenigen in Kindergärten. Danach sollen sie angeschrieben werden, sagt Hampel. „Bis Sommer sollte das Ganze geklärt sein.“ Die neue Impfpflicht gilt unter anderem auch in Schulen und Flüchtlingseinrichtungen.
Thema für die Nach-Corona-Zeit
In den städtischen Kindertagesstätten in Ludwigshafen seien die meisten Kinder schon geimpft. Das teilt Pressesprecherin Simone Müller mit. „Wir appellieren an die Eltern, ihre Kinder schnellstmöglich impfen zu lassen.“ Bei Beschäftigten in Kitas fordere die Stadtverwaltung bereits seit Jahren den Nachweis einer Impfung gegen die gängigen Kinderkrankheiten, Masern eingeschlossen. Die Umsetzung der neuen Regelungen laufe bisher reibungslos.
Christine Wilke-Zech vom Bistum Speyer sagt: „Ablehnende Haltungen von Eltern sind uns nicht bekannt.“ Das Bistum ist Träger der katholischen Kindertagesstätten in Ludwigshafen und im Rhein-Pfalz-Kreis. Allein in Ludwigshafen gibt es 21 katholische Kitas. Wie hoch der Anteil der bereits geimpften Kita-Kinder ist, kann sie nicht sagen. „Wir gehen aber von einem hohen Anteil aus, da die Impfempfehlungen zum Masernschutz bereits seit Jahren bestehen und auch Kinderärzte darauf hinweisen.“ Auch bei den Beschäftigten beschreibt sie den Masernschutz als „im Großen und Ganzen flächendeckend“. Für diese bestehe seit Jahren auch eine Pflicht zur Impfberatung. Wegen des Coronavirus habe das Thema Masern nicht die höchste Priorität. Das könnte sich mit Öffnung der Kitas wieder ändern.