Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie es um die Grippeschutzimpfung steht

 Gefragt wie nie: die Grippeschutzimpfung.
Gefragt wie nie: die Grippeschutzimpfung.

Vor lauter Covid – wie steht es eigentlich um die Grippeschutzimpfung? Wird sie im Zuge der Pandemie mehr oder weniger als vorher in Anspruch genommen? Wir haben bei drei Ludwigshafener Hausarztpraxen nachgefragt und erfahren: Auch Jüngere lassen sich jetzt gegen Influenza spritzen. Probleme kann es bei Menschen über 70 geben, die zugleich ihre dritte Covid-Impfung erhalten.

„Wir impfen wie die Weltmeister“, beschreibt Regina Will den dauerhaften Hochbetrieb in ihrer Praxis in West. Dass sich mehr Menschen als vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nun auch gegen Grippe impfen ließen, „hängt mit den Aufrufen in Fernsehen, Radio und Zeitungen zusammen“, sagt die Fachärztin für Allgemeinmedizin.

Zwar habe Wills Praxis vor allem „chronisch kranke, ältere Patienten in direkter Ansprache schon letztes Jahr informiert“, dass sie sich im August zur Grippeschutzimpfung ab September melden sollten. „Diesmal kommen aber auch durchaus mehr jüngere Patienten“, fällt ihr auf.

„Üblich“ ist die Grippeschutzimpfung laut Will für Menschen ab 60 Jahren. Für diese wird sie auch von der „Ständigen Impfkommission“ (Stiko) empfohlen. Auch werde die Impfung von 30-Jährigen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes in Anspruch genommen, sagt Will.

„Mehr gegen Grippe als gegen Covid“

Doch in diesem Herbst wollten der Fachärztin nach auch 20- bis 40-Jährige den Influenza-Schutz. Das seien Leute, „an die man eigentlich gar nicht denken würde, wenn sie nicht an der Kasse, in der Pflege oder in Kindergärten arbeiten“.

Derzeit impfe Will „mehr gegen Grippe als gegen Covid“, obwohl sie für Corona-Dritt-Impfungen auch Termine in ihre Mittagspause lege und „der Betrieb sonst nicht machbar“ sei. Aber es seien wohl „herzlich wenig, die jetzt noch gar nicht gegen Covid geimpft sind“, vermutet Will, die sich selbst als „Verfechterin von Impfungen an sich“ bezeichnet.

„Sehr viele“ ließen sich seit Pandemiebeginn schon im vergangenen Jahr im „Haus der Gesundheit“ in der Gartenstadt gegen Grippe impfen, berichtet Peter Uebel. Auch in diesem Jahr sind es laut dem Facharzt für Innere Medizin „deutlich mehr“ als vor Corona. So habe das Haus der Gesundheit mit seinen zwölf Ärzten seit September „rund 1500 Grippeschutzimpfungen anvisiert“, sagt Uebel. Davon seien bislang „knapp 1000 verimpft“, betont er die „erhöhte Nachfrage nach der Grippeschutzimpfung auch bei Jüngeren“.

„Schuss nach oben fürs Immunsystem“

Patienten ab 60 werde wegen der geringeren Ansprechbarkeit ihres Immunsystems „bevorzugt“ ein „Hochdosis-Impfstoff“ injiziert. Dieser sei jedoch für Personen unter 60 Jahren „nicht zugelassen“, erläutert Uebel, dass diese Altersgruppe mit einem „tetravalenten Impfstoff“ versorgt würde.

„Vor allem“ seien es aber doch die „über 60-Jährigen“, die zur Impfung kämen. Als „Herausforderung“ sieht Uebel bei ihnen die Korrelation von Grippeschutz- und der sogenannten Booster-Impfung: So wird die Covid-Dritt-Impfung genannt, die die Stiko seit 7. Oktober grundsätzlich für Menschen ab 70 Jahren empfiehlt. „Booster- und Grippeschutzimpfung zugleich ist zwar laut RKI erlaubt“, sagt Uebel. „Wir versuchen das in der Praxis aber zu vermeiden“, denn: „Eventuell“ könnte der Patient dann auch die „doppelte Impfreaktion“ als die unangenehme Nachwirkung der einen wie der anderen Injektion zeigen. Deshalb gibt Uebel seinen Patienten die beiden Impfungen „im Abstand von zwei Wochen“. Der Mediziner rät dazu, die „Booster-Impfung zuerst“ zu machen. Sie sei „ein Schuss nach oben fürs Immunsystem“.

„Bedenken, dass durch Covid die Influenza in Vergessenheit gerät“, hatte schon Andreas Werling. So hat der Internist für seine Praxis in Süd diesmal fürs Winterquartal nicht wie sonst 250, sondern nur 100 Grippeschutzimpfdosen bestellt. Die seien aber bereits nahezu „verimpft“.

„Als gäbe es Covid gar nicht“

Die Grippeschutzimpfung sei gerade „gefragt, als gäbe es Covid gar nicht“, stellt Werling fest. Die „allermeisten“ Grippeschutzempfänger in seiner Praxis seien Patienten „über 60 Jahre“, sagt er. „Ein paar Jüngere sind dabei“, spricht der Internist von einem „gewissen Zuwachs“ bei den unter 60-Jährigen. „Wir bestellen nach“, sagt Werling in Bezug auf die Influenza-Impfdosen, und ist sich sicher: „Wir kommen wieder auf 250.“

Derzeit impft Regina Will „mehr gegen Grippe als gegen Covid“.
Derzeit impft Regina Will »mehr gegen Grippe als gegen Covid«.
„Booster- und Grippeschutzimpfung zugleich ist zwar laut RKI erlaubt“, sagt Peter Uebel. „Wir versuchen das in der Praxis aber z
»Booster- und Grippeschutzimpfung zugleich ist zwar laut RKI erlaubt«, sagt Peter Uebel. »Wir versuchen das in der Praxis aber zu vermeiden.«
„Wir bestellen nach“, sagt Andreas Werling in Bezug auf die Influenza-Impfdosen, und ist sich sicher: „Wir kommen wieder auf 250
»Wir bestellen nach«, sagt Andreas Werling in Bezug auf die Influenza-Impfdosen, und ist sich sicher: »Wir kommen wieder auf 250.«
x