Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Wie eine Olympiasiegerin in Form bleibt

Kristin Otto: Die einstige Weltklasseschwimmerin ist heute als Sportjournalistin erfolgreich.
Kristin Otto: Die einstige Weltklasseschwimmerin ist heute als Sportjournalistin erfolgreich.

Schwimm-Olympiasiegerin Kristin Otto engagiert sich seit einigen Jahren für die Stiftung Lebensblicke, die sich seit 25 Jahren für die Darmkrebsvorsorge starkmacht. Mit der Journalistin hat Saskia Helfenfinger-Jeck über Bewegung gesprochen.

Körperliche Aktivität ist nicht nur gut für das Wohlbefinden, sondern senkt laut Studien auch das Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen und verbessert die Prognose im Falle einer solchen. Kann ich dem Darmkrebs regelrecht davonlaufen?
Das ist tatsächlich ein schönes Bild: Dem Krebs davonlaufen. Es wird wahrscheinlich immer Ausnahmen geben, aber man kann sehr viel selbst tun, um vorzubeugen, um möglichst lange fit und gesund zu bleiben. Das Wort Sport ist dabei durchaus reizvoll, wirkt aber auf den einen oder anderen auch bedrohlich. Ich plädiere daher, in dem Zusammenhang den Begriff Bewegung zu verwenden. Und das sind schon Kleinigkeiten, die den Unterschied machen.

Was kann ich ganz persönlich machen, um vorbeugend etwas zu tun?
Man muss nicht unbedingt joggen oder gar einen Marathon laufen. Das sind ganz einfache Dinge, wie beispielsweise die Treppe anstatt den Fahrstuhl zu nutzen oder das Auto mal stehen zu lassen und stattdessen zu Fuß zu gehen. Schon ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft verfehlt da seine Wirkung nicht. Generell können wir im Alltag einiges tun: Beispielsweise beim Telefonieren nicht sitzen oder liegen, sondern sich dabei zu bewegen. Ich selbst habe mir vor einiger Zeit einen höhenverstellbaren Sitz-Stehschreibtisch angeschafft und versuche tatsächlich, so viel wie möglich bei der Arbeit zu stehen. Sitzen ist das neue Rauchen. Der Spruch hat durchaus seine Berechtigung.

2021 waren Sie Schirmherrin für den Darmkrebsmonat März der Stiftung Lebensblicke und der Gastro-Liga. Wie kam es zu Ihrem Engagement?
Ich selbst hatte 2016 einen Darmeingriff, glücklicherweise war alles gutartig. Bei der OP wurden Divertikel entfernt. Über meinen Arzt, Professor Link aus Wiesbaden, kam der Kontakt zu Professor Riemann, dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Lebensblicke, zustande. Er hat mich mit seinem unermüdlichen, liebevollen Einsatz für die Stiftung und seinem Wissen sehr beeindruckt. Professor Riemann ist an mich herangetreten und hat angefragt, ob ich mir vorstellen könne, mich für die Stiftung zu engagieren. Da habe ich gerne zugesagt. Als Laie möchte ich mit meinem Namen versuchen, das Thema in die Öffentlichkeit zu transportieren.

„Wenn die Menschen alle Vorsorge-Angebote annehmen würden, wäre der Darmkrebs wahrscheinlich eine zu vernachlässigende Größe“, hat Professor Jürgen F. Riemann, der Vorstandsvorsitzende, im Gespräch mit der RHEINPFALZ gesagt. Wie lautet Ihr Appell?
Obwohl die Stiftung Lebensblicke schon viel getan hat in Sachen Vorsorge und Früherkennung, nehmen noch zu wenige Menschen die Angebote, die ja von den Krankenkassen übernommen werden, wahr. Würden alle die Einladung zu den Vorsorgeuntersuchungen nutzen, könnten wir die hohe Zahl an Darmkrebstoten (zirka 25.000 jährlich in Deutschland, Anmerkung der Redaktion) deutlich senken. In allererster Linie geht es darum, den Menschen die Angst vor der Koloskopie, also der Darmspiegelung, und vor der Narkose zu nehmen. Ich selbst versuche sehr viel aufzuklären. Jeder Einzelne von uns selbst kann etwas dazu beitragen, gesund zu bleiben. Gesundheit sollte für jeden eine Herzensangelegenheit sein. Kurz zusammengefasst: Gehe zur Darmkrebsvorsorge, baue im Alltag Bewegung ein, ernähre dich gesund! Natürlich ist es auch mal gestattet, auszubrechen, sich etwas zu gönnen, denn wir dürfen nicht vergessen, unserem Körper etwas Gutes zu tun. Das Leben soll ja Spaß machen.

Wie halten Sie sich als ehemalige Hochleistungssportlerin heute fit?
Wir haben seit drei Jahren einen Hund. Das ist manchmal anstrengend, aber auch ein wahnsinniges Glück, denn man muss bei Wind und Wetter raus. Bei den langen Spaziergängen, beispielsweise durch die Weinberge, baue ich gerne gymnastische Übungen ein. Ich bin auch eine Freundin von Yoga, gerne auch online. Das habe ich für mich entdeckt. Dabei hat mich die Lehre des Yoga überzeugt. Jeder Mensch kann Yoga praktizieren – so gut er es eben kann, jeder nach seinen Möglichkeiten. Hin und wieder findet man mich auch noch im Fitnessstudio. Ich liebe die Abwechslung.

Zur Person

Kristin Otto ist Deutschlands erfolgreichste Schwimmerin. Bei den Olympischen Spielen1988 gewann sie sechs Goldmedaillen. Auch beruflich startete die heute 57-Jährige im Anschluss an ihre Sportkarriere voll durch. Die Diplom-Journalistin arbeitet seit 1991 in der ZDF-Sportredaktion und leitet seit Jahresbeginn die Redaktion der ZDF-Sportstudioreportage. Otto hat eine Tochter. Ihr Lebensgefährte Ulrich Kau ist Arzt.

Im Netz

www.stiftung-lebensblicke.de

Die Serie

In dieser Serie haben wir die Arbeit der Stiftung Lebensblicke in den vergangenen 25 Jahren beleuchtet.

Zur letzten Folge finden Sie hier.

Mehr zum Thema
x