LUDWIGSHAFEN
Wie ein Streetworker den SV Südwest Ludwigshafen II checkt
Heiko Krämer (46) kam vor Saisonbeginn und musste einen Umbruch bewältigen. „Bei der Verpflichtung neuer Spieler war nicht nur wichtig, dass sie gut kicken können, sondern auch, dass sie charakterlich zu uns passen“, erklärt Krämer. Nach den ersten Eindrücken haben die Verantwortlichen die richtigen Akteure geholt, denn Südwest führt auch die Fair-Play-Wertung an. „Zu unseren Zielen gehört, die Außendarstellung zu verbessern und mittelfristig in die A-Klasse aufzusteigen“, verdeutlicht Krämer. Der Trainer weiß wie man dies schafft, denn er führte die SG Limburgerhof 2017 in die A-Klasse. Danach trainiert Krämer, der einst unteren anderem für den FSV Oggersheim, BSC Oppau und FG 08 Mutterstadt spielte, die A-Junioren der SG Mutterstadt/Limburgerhof. Von dort brachte er zwei A-Junioren zum SV Südwest II mit.
Krämer spricht Sprache der jungen Spieler
„Unsere Mannschaft ist extrem jung, nur einer ist über 30. Weitere Spieler aus der eigenen Jugend werden im nächsten Sommer dazustoßen“, freut sich Krämer. Er dürfte für junge Fußballer die Idealbesetzung sein, denn der Coach ist seit 15 Jahren als Straßensozialarbeiter bei der Stadt beschäftigt. Der Streetworker kann mit jungen Menschen gut umgehen, weil er deren Sprache spricht und von der Einstellung jung geblieben ist. Trotzdem gebe es Regeln, die einzuhalten seien, sonst funktioniere eine Gemeinschaft nicht. Südwest ist für Krämer eine Herzensangelegenheit, denn Vater Peter spielte einst für den Vorgängerverein Phönix.
Zwischen zwölf und 17 Spieler kommen zu den Trainingseinheiten, was für eine Reservemannschaft beachtlich ist. Krämer legt Wert auf eine schnelle Balleroberung, um dann mit Tempo über außen anzugreifen. „So wie der SV Waldhof das derzeit macht“, sagt der Übungsleiter und gibt sich als Anhänger des Drittligisten zu erkennen. Bis jetzt hat das neu formierte Team noch kein Spiel verloren, auch in der Vorbereitung und im Pokal noch nicht. „Der Pokal ist Zubrot, auch wenn wir schon im Viertelfinale stehen“, versichert Krämer.
Sein Beruf brachte dem Fußballtrainer eine Sprechrolle in der Folge „Leonessa“ des Ludwigshafener Tatorts ein. Da war er ein Zeuge. „In der Rolle war ich mitentscheidend für die Aufklärung“, sagt Krämer. Vielleicht ist er irgendwann auch entscheidend für einen Erfolg des SV Südwest II.