Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die städtischen Kleidertreffs funktionieren

Vom schicken Anzug über bunte Oberteile bis zum Strampelanzug für Babys – die Auswahl in den Kleidertreffs ist groß. Hier eine K
Vom schicken Anzug über bunte Oberteile bis zum Strampelanzug für Babys – die Auswahl in den Kleidertreffs ist groß. Hier eine Kundin beim Stöbern.

Die Kleidung ist gut erhalten, oft sogar wie neu: In den fünf städtischen Kleidertreffs finden Menschen mit kleinem Geldbeutel eine große Auswahl. Etwa 12.500 Kunden nutzen jährlich das Angebot. Gleichzeitig erhalten Arbeitslose in den besonderen Läden eine sinnvolle Aufgabe.

Einen dunkelgrünen Rock hält sich die Kundin im Kleidertreff vor die Taille. Ein Blick in den Spiegel in der Valentin-Bauer-Straße in West zeigt: Er könnte passen. Für fünf Euro kann sie ihn mitnehmen. Für drei Euro gibt es noch ein schwarzes T-Shirt – es sieht aus wie neu – dazu. Wer einen Mantel oder eine Jacke braucht, ist mit sechs bis acht Euro dabei. In den fünf Kleidertreffs der Stadt Ludwigshafen können Menschen mit kleinem Geldbeutel günstig einkaufen. Arbeitslose Frauen bearbeiten Hosen, Kleider, Bettwäsche und noch vieles mehr von dem, was die Ludwigshafener hier abgeben. So manche Frau hat über die Beschäftigung in einem der Ludwigshafener Kleidertreffs bereits einen richtigen Job gefunden.

Gewaschen und gebügelt

Im Hinterzimmer des ehemaligen Milchgeschäfts läuft die Waschmaschine. Evelyn Ziolkowski erklärt, was mit den Klamotten passiert, die die Spender hier abgeben: „Erst prüfen wir, ob keine Löcher drin sind, sortieren nach Material und Farben.“ Gleich neben der Waschmaschine steht das Bügeleisen. Wenn die Kleidung schön sauber und geplättet ist, präsentieren die Mitarbeiterinnen sie liebevoll im Verkaufsraum. Vor der Pandemie beschäftigten die Kleidertreffs 38 Frauen, zumeist ohne Schul- oder Berufsabschluss. Momentan ist es ungefähr die Hälfte.

Sie können hier die Arbeitswelt kennenlernen und zeigen, dass sie pünktlich, zuverlässig und freundlich sind. Ziolkowski waren die Arbeitstugenden als Kosmetikerin und Mediengestalterin zwar schon vertraut. In einer schweren Zeit ohne Job zeigte sie aber im Kleidertreff, was in ihr steckt. Heute ist sie Anleiterin in der Valentin-Bauer-Straße.

Eine blaue Schaufensterpuppe steht vor jedem der Kleidertreffs. Seit 1988 gibt es vier der Einrichtungen in Ludwigshafen, finanziert von der Stadt und dem Jobcenter Vorderpfalz-Ludwigshafen. Von Anfang an dabei waren neben dem Treff in der Valentin-Bauer-Straße 5 einer in der Gartenstadt (Steiermarkstraße 1), in Mitte (Bahnhofstraße 66) und Oggersheim (Stefan-Zweig-Straße 7). Seit 2019 gibt es dank des Einsatzes von Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) in der Friesenheimer Hohenzollernstraße 71 den fünften. „Wir hätten auch gern ein weiteres Plätzchen in Oppau oder Edigheim“, wünscht sich Karlheinz Samstag, Koordinator der Kleidertreffs in der Abteilung Beschäftigungsförderung.

Nachhaltig und im Trend

„Wir sind voll im Trend. Ressourcenschonend und nachhaltig gehen wir mit den Textilien um“, weiß Cornelia Disqué, Abteilungsleiterin des Bereichs Beschäftigungsförderung im Sozialdezernat. „Früher interessierten sich für Second-Hand-Ware nur Intellektuelle und Menschen, die keine Kohle hatten“, erinnert sie sich. Heute gilt das als ökologisch. Kauft man gebrauchte Klamotten, tut man etwas für die Umwelt. Auch Kleidertauschpartys, auf denen Gebrauchtes gegen Gebrauchtes getauscht wird, sind der letzte Schrei.

In der Ecke hängt ein eleganter grauer Anzug. Nicht in jedem der fünf Geschäfte hätte er eine Chance, einen neuen Besitzer zu finden, wissen die Verantwortlichen. „Anzüge und Pelze gehen hier gut“, kennt Samstag die Vorlieben der Kundschaft in West. „Wenn in einem Laden ein Stück länger hängt, kommt es in einen anderen Kleidertreff, die Anleiterinnen sind in einem regen Austausch“, berichtet Steeg. „Ein Brautkleid in Größe 60 hing hier nur drei Tage“, erinnert sich Disqué an eine besondere Ware.

Bis 2019 durfte jeder hier einkaufen, seither muss man in einem Gespräch mit der Anleiterin erklären, warum man als Rentner, Alleinerziehende oder Arbeitsloser günstige Kleider braucht und bekommt dann eine Kundenkarte. Rund 12.500 Personen pro Jahr nutzen laut Stadt das Angebot.

Weiter tragen statt Reißwolf

„Meistens werde ich fündig“, sagt Kundin Jessica Tanner. Mit einem Korb in der Hand schiebt sie die Bügel mit den Oberteilen zur Seite. „Sie haben sehr gute Sachen und sind sehr freundlich“, sagt die Frau mit dem grünen Rock über das Team und das Angebot. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Sie gibt die Kleidung auch an andere Bedürftige weiter. Wer seinen heimischen Kleiderschrank aufräumt und hierher kommt weiß, dass seine Klamotten in den Second-Hand-Läden der Stadt nicht im Reißwolf landen. Ein gutes Gefühl. Die Kleidertreffs haben viele Stammkunden, ebenso wie Spender und Käufer.

Evelyn Ziolkowski an der Waschmaschine. Nach dem Waschen und Bügeln wird die Kleidung ansprechend präsentiert.
Evelyn Ziolkowski an der Waschmaschine. Nach dem Waschen und Bügeln wird die Kleidung ansprechend präsentiert.
Die blaue Puppe als Erkennungszeichen. Drumherum das zuständige Team bei der Stadt (von links nach rechts): Cornelia Disqué, Kar
Die blaue Puppe als Erkennungszeichen. Drumherum das zuständige Team bei der Stadt (von links nach rechts): Cornelia Disqué, Karlheinz Samstag und Dezernentin Beate Steeg.
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