Ludwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Luitpoldhafen entstand

Eine Postkarte aus Mundenheim von 1910 zeigt den neuen Hafen.
Eine Postkarte aus Mundenheim von 1910 zeigt den neuen Hafen.

In den kommenden Wochen pilgern zehntausende Filmfans auf die Parkinsel. Auf ihrem Weg in den Stadtpark werfen sie einen Blick auf den Luitpoldhafen. Ein Eisenbahner hat im 19. Jahrhundert dafür die Weichen gestellt.

Ein weitblickender Ingenieur der Pfälzischen Eisenbahnen trieb Ende des 19. Jahrhunderts die Entstehung des Luitpoldhafens und damit der Parkinsel voran: Karl Philipp Jolas (1846-1902). Der gebürtige Ludwigshafener, der mit nur 56 Jahren in seiner Heimatstadt starb, gehörte von 1890 bis 1899 dem Stadtrat an. Eine Sternstunde erlebte er bereits ein halbes Jahr vor seinem Ratsdebüt, als das Stadtparlament im Mai 1890 sein Projekt „Hafenkanal“ befürwortete.

Der Bahn-Bezirksingenieur und spätere Oberingenieur entwickelte im März 1890 den Plan zum Bau eines Hafenkanals. Als geeignetes Areal für ein Hafenbecken schlug der damals 44-jährige Jolas die Krümmung des Rheinufers im Süden oberhalb der Rheinbrücke vor. Damit löste er heftige Diskussionen aus. Denn der Plan ging über bestehende Stadtgrenzen hinaus: In dem Rheinbogen befand sich ein wildwucherndes Wäldchen und das gehörte zur damals noch selbstständigen Gemeinde Mundenheim. Doch Jolas hatte für seinen Plan mächtige Verbündete: Die Handels- und Gewerbekammer der Pfalz hatte bereits 1899 an die Landesregierung in München die „dringende Bitte“ gerichtet, die Frage einer Hafenanlage oberhalb der Rheinbrücke „in baldige Erwägung zu ziehen“.

Grundstücksfrage schwierig

Im fernen München bewertete man 1890 die pfälzischen Wünsche nach einem Rheinhafen positiv: Die königlich-bayerische Regierung, die Pfalz gehörte damals noch zu Bayern, beauftragte das Straßen- und Flussbauamt Speyer, Jolas Idee auszuarbeiten.

Doch dann kam das vorerst größte Problem: die Lösung der Grundstücksfrage. Die Gemeinderäte in Friesenheim und Mundenheim begannen heftig mitzumischen. Die Friesenheimer wollten ihren eigenen Hafen unterhalb des Hemshofes, der jedoch technisch nicht zu realisieren gewesen wäre. Am 9. Oktober 1891 lehnte der Ludwigshafener Stadtrat eine Friesenheimer Initiative ab. Die Grundstücksspekulanten im Ludwigshafener Süden witterten unterdessen ihre Chance und schraubten die Preise für die Abtretung von Land in ungeheure Höhen. Die Grundbesitzer wurden zwangsenteignet und dann konnte es endlich losgehen.

Fünf Jahre Bauzeit

Die Stadt Ludwigshafen machte für den Grunderwerb 260.000 Mark locker. Der Hafenbau begann nach dem ersten Spatenstich im August 1893. Es dauerte fünf Jahre, bis der rund 1250 Meter lange und 50 Meter breite, nach dem bayerischen Prinzregenten benannte Luitpoldhafen mit drei beweglichen Brücken Ende des Jahres 1898 fertiggestellt war. Kosten für den Staat Bayern: 3,8 Millionen Mark. Bereits am 29. Juli 1895 lief das erste Schiff in den noch unfertigen neuen Hafen ein. Doch nicht nur Gewerbe und Handel in der bayerischen Pfalz, auch die Eisenbahn profitierte vom Plan ihres Oberingenieurs Jolas: Die Pfälzischen Bahnen – neben der BASF damals größter Steuerzahler der Stadt – übernahmen den gesamten Eisenbahnbetrieb in dem neuen Hafengebiet, bauten Lande- und Lagerplätze, Werften und Krane, Lagerhäuser und ein Schienensystem mit Anschluss an die Hauptstränge nach Ost und Nord. Die Investitionen beliefen sich auf rund 4,1 Millionen Mark.

Der Luitpoldhafen ist zu einer begehrten Wohnlage geworden.
Der Luitpoldhafen ist zu einer begehrten Wohnlage geworden.
Wo früher Container gestapelt wurden, stehen heute Wohnhäuser.
Wo früher Container gestapelt wurden, stehen heute Wohnhäuser.
Für die Schifffahrt spielt das Hafenbecken keine Rolle mehr.
Für die Schifffahrt spielt das Hafenbecken keine Rolle mehr.
Die Ludwigshafener Ruderer nutzen das 1,2 Kilometer lange Hafenbecken fürs Training.
Die Ludwigshafener Ruderer nutzen das 1,2 Kilometer lange Hafenbecken fürs Training.
Die Uferbebauung gehört zu den teuersten Wohnlagen der Stadt.
Die Uferbebauung gehört zu den teuersten Wohnlagen der Stadt.
Aus der früheren Rhenus-Lagerhalle soll das »Haus der Stadtgeschichte« werden – Stadtmuseum und Stadtarchiv sollen dort einmal e
Aus der früheren Rhenus-Lagerhalle soll das „Haus der Stadtgeschichte“ werden – Stadtmuseum und Stadtarchiv sollen dort einmal einziehen.
Zankapfel: Die Bebauung des südlichen Teils des Luitpoldhafens sorgt für Konflikte zwischen Hafen und Stadt-
Zankapfel: Die Bebauung des südlichen Teils des Luitpoldhafens sorgt für Konflikte zwischen Hafen und Stadt-

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Mit dem Bau des Hafens, der Eingemeindung Mundenheims 1899 und dem Erhalt des Auenwalds am Rhein entstand schließlich die Parkinsel. Wäre es nach den Mundenheimern gegangen, wäre der Baumbestand abgeholzt worden. Der Ludwigshafener Oberbürgermeister Friedrich Krafft verhinderte das. 1900 beschloss der Stadtrat, das Wäldchen in einen Stadtpark umzuwandeln. Auch erste Wohnhäuser entstanden in der Folgezeit. Der Luitpoldhafen verlor im Laufe der Jahrzehnte an wirtschaftlicher Bedeutung. Nach der Jahrtausendwende entstand nördlich der Drehbrücke ein Neubaugebiet. Industriebetriebe wurden dafür umgesiedelt. Die Stadt würde die Wohnbebauung gerne entlang des südlichen Teils des Luitpoldhafens fortsetzen, doch der Hafen wollte bisher die Flächen weiter für Gewerbe nutzen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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