Vor der Saison
Wie der FC Arminia Ludwigshafen in der Oberliga bestehen will
Dieser Umbruch geht einher mit einer drastischen Verjüngung des Kaders. Die acht Akteure, die den Verein verlassen haben (Daniel Fichtner, Gianluca Giannetta, Laurenz Graf, Fabian Herchenhan, Felix Jung, Sebastian Lindner, Matteo Monetta und Markus Schmitt) sind im Schnitt 28,3 Jahre alt. Die acht, die verpflichtet wurden (Martin Amoako, Jannik Dörr, Philip Krischa, Peter Noe, Adnan Rizvanovic, Marvin Takpara, Nils Wannemacher und Hasan Yalcinkaya) sind alle zwischen 18 und 21 Jahre alt und kommen im Mittel auf 19,5 Jahre. Das sind Welten.
Einerseits büßt der FCA jede Menge Oberliga-Erfahrung ein, was sich in der einen oder anderen Partie auswirken dürfte. Andererseits sind die neu gekommenen Nachwuchsspieler unverbraucht und bringen ebenso Frische wie Begeisterung, Erfolgshunger und Neugier mit. Ganz wichtig: Der Schritt ist riskant, aber auch reizvoll und wird der Arminia einen neuen Anstrich verleihen. „Wir wollen wieder mehr junge, entwicklungsfähige Spieler in den Kader einbauen, unser Gesicht ein Stück weit verändern“, sagte Sportchef Markus Impertro nach Ablauf der vergangenen Runde, die trotz des namhaften Kaders fast mit einer Bruchlandung in Form eines Abstiegs geendet hätte.
Neuer Trainer
So aber geht die Arminia seit ihrem Debüt in der Serie 2011/12 in ihre 13. Oberligasaison. Nur in der Spielzeit 2017/18 gehörten die Schwarz-Weißen der Verbandsliga an. Eine solche Erfolgsserie weist in diesem Zeitraum sonst nur noch der TuS Mechtersheim auf, der ebenfalls in 13 der vergangenen 14 Runden in der Oberliga spielte und nur in der Serie 2015/16 Verbandsligist war.
Zu dieser jungen Mannschaft passt der neue Trainer Chris Chorrosch (35), der zuvor etliche Jahre die in der Regionalliga spielenden A-Junioren des LSC trainierte, ideal. „Anfangs hatte das Team im Training nicht die breiteste Brust, da war etwas Verunsicherung spürbar“, beschreibt der Coach den Auftakt. Die Kennenlernphase war von viel Laufarbeit begleitet, weil Fitness der Grundstock dafür ist, um das laufintensive Spiel, das Chorrosch vorschwebt, auf den Platz zu bekommen. „Die geringe Zeitspanne zwischen Saisonende und Vorbereitungsbeginn ist katastrophal, weil die Pause nach einer Runde mit 38 Spielen viel zu kurz war“, kritisiert der Coach, der für seine Aufgabe förmlich brennt.
Effektivität verbessern
Chorrosch will vieles spielerisch lösen, bevorzugt ein Aufbauspiel über das Zentrum, um mit Verlagerungen auf den Flügel möglichst viele Eins-gegen-eins-Situationen zu erzwingen. Weitere Eckpunkte sind eine gute Strafraumbesetzung und die Verringerung der viel zu hohen Gegentorzahl (81). „Dazu müssen wir die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen kleinhalten und eine Gier entwickeln, unser Tor mit aller Macht verteidigen zu wollen“, fordert der 35-Jährige. Bedeutsam sei auch, ein gutes Umschaltverhalten bei Ballverlust sowie das vertikale Spiel in die Spitze, dem im modernen Fußball eine große Bedeutung zukomme, zu forcieren. Auch an der Effektivität gelte es zu arbeiten.
„Wir haben alle Positionen mindestens doppelt besetzt“, freut sich der Übungsleiter, dem 23 Feldspieler und zwei Torhüter zur Verfügung stehen. 30 Jahre und älter sind nur noch vier Akteure: Der alte und neue Kapitän Nico Pantano (32), Wal Fall (31), Steffen Straub (30) und der neue Alterspräsident Tim Amberger (37). Sie sollen sinnbildlich die Jungen an die Hand nehmen und ihnen den Einstieg in die Oberliga erleichtern. „Die Nachwuchskräfte sollen behutsam an den erforderlichen Leistungsstand herangeführt werden. Vermutlich werden nicht sechs von ihnen auf Anhieb in der Startformation stehen“, prognostiziert Chorrosch.
Junge Neuzugänge
Die älteste Neuverpflichtung ist Philip Krischa (21), der Kapitän der U23 des SV Waldhof. „Philipp, der in Speyer ausgebildet wurde, wollte ich schon zu den A-Junioren des LSC holen. Er spielt im defensiven Mittelfeld, ist mit dem Ball stark und aggressiv im Zweikampf“, beschreibt Chorrosch den Mann mit der Rückennummer 15. Die 20-jährigen Martin Amoako (Flügel) und Marvin Takpara (zentrales Mittelfeld) haben beim ASV Fußgönheim in Verbands- und Landesliga gespielt. Sie wollen den nächsten Schritt machen und sich in der Oberliga beweisen. Genauso alt ist der im Mittelfeldzentrum einsetzbare Nils Wannemacher. „In Worms hat Nils Oberligaluft geschnuppert. Wenn er seine Rückstände aufgearbeitet hat, wird er uns helfen“, ist der Coach sicher.
Direkt aus der Jugend kommen Mittelstürmer Adnan Rizvanovic, Innenverteidiger Hasan Yalcinkaya und Außenbahnspieler Jannik Dörr, die der Trainer beim LSC geformt und von dort aus mitgebracht hat. Peter Noe, der vom FC Speyer 09 geholt wurde, vervollständigt die Gruppe. Nicht nur dieses Quartett ist hoch motiviert und will seine Chance beim Schopf packen.