Luwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Wie aus ein paar Häusern am Rhein eine Großstadt wurde

Vor der Stadtgründung gab es nur eine Handvoll Häuser an der Rheinschanze.
Vor der Stadtgründung gab es nur eine Handvoll Häuser an der Rheinschanze.

Die Stadt Ludwigshafen wurde einst in atemberaubenden Tempo konzipiert. Die Kaiser-Wilhelm-Straße war damals eine kleine Allee. Die modernen Mannheimer Quadrate dienten den Stadtplanern als Vorbild. Alle wichtigen Entscheidungen wurden in München getroffen. Ein König spielte auch eine Hauptrolle.

Der Stadtplaner und Gründer der Stadt Ludwigshafen, Paul Denis (1795-1872), hatte es einfach: Als ihm am 16. März 1843 der damalige Königliche Regierungspräsident Eugen von Wrede (1806-1845) den Auftrag für den ersten Bebauungsplan der noch nicht existierenden Stadt Ludwigshafen erteilte, gab es rund um das Gelände der früheren Rheinschanze keine Hindernisse – weder störende Bauten noch bemerkenswerte Straßen oder feste Wege. Nur zwischen dem Rheindamm (der heutigen Ludwigstraße) und nahe dem Fluss standen einige Häuser des Unternehmers Philipp Markus Lichtenberger.

Die einzigen Gebäude standen zwischen der späteren Wredestraße und der jetzigen Rhein-Galerie, wo sich damals der „Winterhafen“ befand. Westlich der Ludwigstraße störten nur der überwiegend landwirtschaftlich genutzte „Ankerhof“ – und noch weiter weg die Bauernhöfe Gräfenau und Hemshof.

Kein Wunder, dass der in Frankreich geborene spätere Eisenbahnpionier Denis bereits 24 Tage nach Auftragserteilung am 10. April 1843 dem Regierungspräsidenten von Wrede seine Entwürfe für einen amtlichen Plan für ein Straßennetz (Alignementplan) und dessen Höhe über dem Hochwasserdamm (Nivellementsplan) vorlegen konnte.

Auf der grünen Wiese

In diesem aus heutiger Sicht atemberaubenden Tempo ging es weiter: Bereits am 9. Mai 1843 lag für die technischen Unterlagen der Stadtplanung „auf der grünen Wiese“ die Genehmigung des bayerischen Königs Ludwig I. in München vor. Sie haben noch heute weitgehend Gültigkeit. In den allerersten Bebauungsplan aufgenommen waren als „Bestand“ nur zwei relativ bedeutungslose Straßen: Die heutige Kaiser-Wilhelm-Straße zwischen Bismarck- und Maxstraße – damals eine kleine Allee - sowie ein fester Weg, der von der aufgelassenen Straße nach Oggersheim vom Danziger Platz aus zur Gräfenau abzweigte.

Der Rhein im Osten und mit ihm der Rheindamm gaben die planerische Richtung vor: Denis empfahl breite Parallelstraßen in Nord-Süd-Richtung, die von etwas schmaleren Straßen geschnitten werden sollten, die in Ost-West-Richtung im rechten Winkel abzweigen und so gewissermaßen „Wohn-Rechtecke“ bilden – Vorbild dafür waren die „modernen“ Quadrate im gegenüberliegenden Mannheim. Das gesamte überplante Gebiet reichte also vom Rhein im Osten bis zur heutigen Heinigstraße und im Süden etwa von der Bleichstraße bis zum späteren Hauptbahnhof und Rathaus-Center. Für die Höhenlage der Straßen war die Höhe des Hochwasserdammes nach Entfernung der aufgebauten Brustwehr maßgebend – dieses Relikt aus der „militärischen Vergangenheit“ des Dammes war nicht mehr notwendig.

Sieben Wohnquartiere

Im fernen München waren die Mitglieder einer für die planfertige Stadt am Rhein zuständigen Kommission nur mit einem Aspekt generell nicht einverstanden: Weil südlich der künftigen Kaiser-Wilhelm-Straße der Damm einen leichten Knick machte, würden die geplanten Wohnquartiere „verschiedene Winkel bilden, durch die an denselben zu erbauende Häuser“ verunstaltet werden müssten. Deshalb wurden in diesem Bereich nur sieben statt acht Wohnquartiere zur Bebauung freigegeben. Auch die Ost-West-Querstraßen, für die eine Breite von zunächst nur 33 Fuß (zehn Meter) vorgesehen war, sollten wie die Längsstraßen 42 Fuß (12,5 Meter) breit werden. Als Marktplatz wurde ein Areal mitten in den Planungsbereichen an der zur Schiffsbrücke führenden damaligen Hauptstraße vorgesehen. Dort befindet sich heute das Wilhelm-Hack-Museum.

Für König Ludwig I. war die Planung der neuen Stadt am Rhein, die einmal seinen Namen tragen sollte, eine wichtige Angelegenheit. Am 12. Juni 1843 kam er noch in der frühen Planungsphase höchstpersönlich aus München in die Pfalz zur künftigen linksrheinischen bayerischen Hafen- und Handelsstadt, die in Zukunft „die commercielle Unabhängigkeit der Pfalz“ vermitteln sollte. Der Bayern-König erschien also zur endgültigen Genehmigung des ersten Bebauungsplanes für Ludwigshafen zum dritten Mal selber an Ort und Stelle. Zuvor war er 1829 zu einem offiziellen Pfalzbesuch an den Rhein und auch ins spätere Ludwigshafen gekommen, dann 1838 als Gast der Kaufmannsfamilie Lichtenberger.

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