Adventskalender RHEINPFALZ Plus Artikel Werner Appel über seine Erinnerungsstücke an das Rathaus-Center

Werner Appel
Werner Appel

Der Countdown läuft: Am Jahresende schließt das Rathaus-Center – 42 Jahre nach seiner Eröffnung. Ab 2022 wird der Abriss des 72 Meter hohen Rathausturms eingeleitet. Das schafft Planungssicherheit für den Rückbau der Hochstraße Nord, spart Zeit, Geld und vereinfacht die Entwicklung des Quartiers City West. Wie bewegt Ludwigshafener der Abschied? Heute öffnen wir das Türchen noch einmal für Werner Appel, stellvertretender Leiter des Bereichs Stadtentwicklung.

Werner Appel hat eine Leidenschaft. Er sammelt. Und das für sein Leben gerne. Ansichtskarten, Münzen, historische Zeitungsartikel – sein reichhaltiger Fundus würde getrost für einen kleinen Ableger des Stadtarchivs reichen. Der gebürtige Friesenheimer, stellvertretender Leiter des Bereichs Stadtentwicklung, hat unzählige Stücke von seinem Vater vererbt bekommen. Darunter auch Raritäten rund ums Rathaus-Center, wie beispielsweise ein Eröffnungsschmuckblatt mit Briefmarke und Sonderstempel.

Einige seiner Exponate hat Appel auf dem Esstisch ausgebreitet: Ansichtskarten mit beschriebener Vorderseite, Stempel und Briefmarke. Sie sind „gelaufen“, was in der philatelistischen Fachsprache so viel bedeutet wie „sie wurden gestempelt und waren auf dem Weg von A nach B“. Es kann schon mal passieren, dass Appel eine Kollegin bittet, die Karte frankiert an ihn zu senden, um den Status „gelaufen“ zu erhalten. Erst vor Kurzem ist das wieder passiert. Allerdings hat der Friesenheimer auch jede Menge „nicht gelaufener“ Ansichtskarten, die allesamt schön sortiert in Postkarten-Sammelalben abgelegt sind. Eine Kunstpostkarte mit dem von Alfred Koch in Öl gemalten Rathaus-Center nennt er beispielsweise ebenso sein Eigen wie eine Ansichtskarte mit dem Rathaus-Center in der Dämmerung, die künstlicher kaum sein kann. Der modernen Bildbearbeitung sei Dank.

Sonderpostamt zur Eröffnung

Rund 2800 Ansichtskarten – allesamt aus Ludwigshafen – hat er archiviert, darunter eben viele vom Rathaus. Der 56-Jährige – gerngesehener und gehörter Referent, wenn es um seine Heimat geht – war übrigens auch der Hauptleihgeber der Sonderausstellung „Grüße aus Ludwigshafen – Ansichtskarten und Souvenirs aus 160 Jahren Stadtgeschichte“, die bis zur Schließung des Stadtmuseums im Rathaus-Center am 2. Oktober zu betrachten war.

Auch die geerbte Münzsammlung des Diplom-Geographen kann sich sehen lassen. Wie zum Beweis legt er einige Münzkassetten auf dem Esstisch aus. Darin: Medaillen zu jedwedem Anlass, den es in Ludwigshafen zu feiern gab: Jubiläen, Feste und natürlich auch die Eröffnung des Rathaus-Centers. Dazu hat er gleich mehrere Exemplare; ein ganz besonderes ist die sogenannte Silberklippe, eine eckige Münze, säuberlich verpackt in einer Kunststoffhülle. Appels außergewöhnliche Klippe aus 1000er Silber trägt die Nummer 38, denn es gibt tatsächlich nur wenige Exemplare von ihr. Prägen lassen und verkauft hatte sie die damalige Stadtsparkasse Ludwigshafen. Der historisch versierte Ludwigshafener, aufgewachsen in Friesenheim und noch heute dort wohnhaft, erinnert sich an den großen Rummel rund um die Einweihung des Rathaus-Centers. „Hinter der Drehtür wurde eigens zur Eröffnung ein Sonderpostamt eingerichtet.“

Fernsicht in Pfälzerwald

Das Rathaus-Center – es war das neue Herzstück der Stadt, der Stolz der Bürger, und sollte es über Jahrzehnte bleiben. Oberbürgermeister Werner Ludwig hatte am 5. und 6. Mai 1979 zum Tag der offenen Tür geladen; die Ludwigshafener durften „ihr“ Objekt der Begierde in all seinen Facetten bewundern. Die Stadtverwaltung hatte eigens eine Broschüre erstellt, in der jedes einzelne Stockwerk vorgestellt wurde. Klar, dass auch sein Vater ein Exemplar ergattert hat. Ganz oben im 15. Obergeschoss des 72 Meter hohen Rathausturms befand sich von jeher das Büro des Oberbürgermeisters, von dem man eine phänomenale Fernsicht in den Pfälzerwald und Odenwald hat.

Das Rathaus-Center – es war allgegenwärtig: Wer einen von der Stadtverwaltung frankierten Brief bekam, durfte sich über einen Absender-Freistempel mit dem neuen Wahrzeichen der Stadt freuen. Auch die Post hatte eigens einen Werbezusatz zur Eröffnung für den Tagesstempel kreiert, der vom 2. April bis 20. Mai 1979 auf Briefen und Postkarten zu bewundern war. Das markante Gebäude – es war der Mittelpunkt der Stadt, die Verbindungsachse zwischen der Innenstadt und dem Hemshof.

Von der außergewöhnlichen Silberklippe (Sammlung Appel) aus 1000er Silber gibt es nur wenige Exemplare.
Von der außergewöhnlichen Silberklippe (Sammlung Appel) aus 1000er Silber gibt es nur wenige Exemplare.
Eröffnungsschmuckblatt des Rathaus-Centers (Sammlung Appel).
Eröffnungsschmuckblatt des Rathaus-Centers (Sammlung Appel).
Ansichtskarte, Ölbild (Sammlung Appel), Quelle: Verlag M. Meliset, Friesenheim.
Ansichtskarte, Ölbild (Sammlung Appel), Quelle: Verlag M. Meliset, Friesenheim.
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