Handball
Wer bei den Eulen Ludwigshafen das Kronjuwel ist
Vor dem Mittwochabend-Spiel beim ThSV Eisenach sind die Erinnerungen von Rückraumspieler Marc-Robin Eisel von den Eulen Ludwigshafen an den Osten Deutschlands eigentlich nicht ganz schlecht. Denn am zweiten Spieltag beim Dessau-Rosslauer HV betrat er zum ersten Mal in der Zweiten Handball-Bundesliga das Spielfeld. „Und ich hab’ dort auch mein erstes Zweitliga-Tor geworfen“, sagt der 22 Jahre alte gebürtige Homburger. Am Ende waren es zwei Treffer. Was ihn das kostete? „Eine Kiste Bier. Das kostet bei den Eulen alles was: erstes Spiel, erstes Tor, erste Karte“, zählt er lachend auf.
Woanders kommt der Spieler mit dem Doppelspielrecht für die Eulen und den Drittligisten HSG Friesenheim-Hochdorf dafür aber besser weg. „Ich bin nur Geburtstagswart. Dazu habe ich eine Liste mit allen Spielern, Gesellschaftern, Sponsoren und so weiter und muss dann was in die Gruppe schreiben“, erzählt er, dass die Spieler mit Zweitspielrecht bei den Aufgaben ein wenig glimpflicher davonkommen.
Im Sommer war Eisel von Drittligist SV 64 Zweibrücken nach Hochdorf und zu den Eulen gewechselt. „Ich war dann schon in der Vorbereitung viel bei den Eulen dabei, habe immer mittrainiert und auch gespielt“, sagt Eisel. In den ersten sechs bis acht Wochen hat er neun- bis zehnmal pro Woche mit beiden Mannschaften trainiert – auch, um besser bei beiden Teams reinzufinden. „Das Hin-und-Her-Switchen fühlte sich am Anfang komisch an“, sagt der Mittelmann. Bei den Eulen hat er bis auf die Partie in Würzburg gegen Rimpar alle Spiele mitgemacht.
Eisel will Profivertrag
Seit der schweren Verletzung von Pascal Bührer Mitte November gegen Coburg ist er jetzt fest bei den Eulen. „Wir trainieren hier siebenmal pro Woche, aber ich versuche immer, das Abschlusstraining in Hochdorf mitzumachen. Und dienstags, wenn das Team direkt nach den Eulen trainiert.“ Und wenn es terminlich geht, sei klar, dass er auf jeden Fall für die Hochdorfer spielt. „Das läuft gut dort. Ich brauche die Spielpraxis und habe dort eine ganz andere Rolle.“
Das sieht auch Eulen-Coach Ceven Klatt und ist zufrieden mit Eisel. „Er hat sich in der Vorbereitung die Chance bei uns erarbeitet. Es ist wichtig, dass er in Hochdorf eine Führungsrolle übernimmt, und dann bei uns versucht, in der Zweiten Liga seine Leistung abzurufen.“ Er sehe bei Eisel eine ständige gute Entwicklung und habe das Vertrauen, Eisel auch in den Eulen-Spielen zu bringen.
Derzeit liebäugelt Eisel, der im dritten Semester Betriebswirtschaftslehrer in Kaiserslautern studiert („Da ist jetzt alles wieder in Präsenz“), mit einem Berufswechsel, der sich besser mit dem Handball vereinbaren lässt. „Vielleicht fange ich eine Ausbildung bei einem Eulen-Sponsor an“, überlegt er und will das im Winter mit Geschäftsführerin Lisa Heßler genauer besprechen. Und auch, ob möglicherweise eine Profivertrag für ihn drin ist, wenn er jetzt dauerhaft bei den Eulen dabei ist. Mit Freundin Lucy Krein, die für den Pfalzliga-Tabellenführer TSG Haßloch spielt und in Landau gerade ihren Bachelor für das Grundschullehramt bestanden hat, fühlt er sich in der ersten eigenen gemeinsamen Wohnung in Mundenheim pudelwohl. Viele freie Tage hat er bei den Eulen nicht, war lange nicht zu Hause in Homburg (Eisel: „Weihnachten aber wieder“) oder um seinem kleinen Bruder Tim beim Handball in der B-Jugend des SV 64 zuzuschauen.
Eisel erwartet am Mittwoch in Eisenach (Anpfiff, 19.30 Uhr) „einen ziemlich unangenehmen Gegner, die fighten bis zum Ende und sind nach dem Derby-Sieg gut drauf“. Mit dem etwas älteren ThSV-Kreisläufer Peter Walz aus dem Saarland hat er in der Saarauswahl nicht mehr zusammen gespielt, aber man kennt sich. „In der Saarauswahl war ich zusammen mit seinem jüngeren Bruder Lars, der heute bei der HG Saarlouis spielt.“ In Ostdeutschland haben die Eulen in der bisherigen Saison in Dessau und Aue verloren. Wenn’s nach Eisel geht, soll sich dieser „Fluch des Ostens“ heute ändern.