Mannheim
Wenn stumme Denkmäler sprechen: Neue Webseite Kiorma führt zu öffentlicher Kunst
„Kiorma“ steht für „Kunst im öffentlichen Raum Mannheim“ und geht auf eine gemeinsame Initiative der lokalen Stiftung Künstlernachlässe, des Vereins Stadtbild Mannheim, des Port25, der Mannheimer Kunsthalle sowie des Stadtarchivs Marchivum zurück. Mit der Webseite entsteht erstmals eine zentrale digitale Plattform, die Kunstwerke im gesamten Stadtgebiet, von den Quadraten bis in die Stadtteile, sichtbar macht und kontextualisiert.
Die Denkmäler der Kurfürsten Karl Ludwig und Karl Friedrich, gleich vor dem Schloss, wie das Carl-Benz-Denkmal in der Augusta-Anlage, die bunten, verwitterten Röhrenplastiken auf der Vogelstang oder die „Flensburger Venus“ im Herzogenriedpark sind hier einträchtig nebeneinander zu finden.
Was ist hinter den Punkten?
Man muss im Internet nur die Hauptseite öffnen, um auf einen mit schwarzen Punkten versehenen, interaktiven Stadtplan zu blicken, der ausgehend von den innerstädtischen Quadraten bis nach Sandhofen, Wallstadt und Friedrichsfeld führt. Mobil am Handy oder zu Hause am Computer kann man Kunstwerke entdecken und auf weiterführende Inhalte zugreifen. Hinter den schwarzen Punkten verbergen sich jeweils mehrere Werke, die sich nach einem Klick offenbaren, hinter den übrigen Symbolen jeweils einzelne Arbeiten wie Skulpturen, Plastiken, Denkmäler, Wandobjekte, Brunnen oder auch Grabmale.
Selbst abgegangene Objekte sind hier verzeichnet, wie Gottfried Gruners beliebtes kinetisches „Aquamobil“, der sogenannte „Schwipp-Schwapp-Brunnen“ an der Breiten Straße, der 2004 leider abgebaut wurde, weil er durchfahrenden Transportern im Weg war. Oder: Wer erinnert sich noch an die Figur, die bis vor gut einem Jahrzehnt hoch oben auf einem spitzen Metallträger über den Platz vor der Kunsthalle balancierte? Im Stadtbild ist die Aluminium-Plastik, die „Aus dem Nichts“ hieß, spurlos ins Nichts verschwunden, aber auf der neuen Webseite taucht sie nun wieder auf. Wie alle anderen Objekte mit verschiedenen, teilweise alten, teilweise jungen Fotoaufnahmen und informativen Texten über den Künstler, Hubertus von der Goltz in diesem Fall, und die jeweilige Arbeit. Sie beleuchten sowohl kultur- und kunsthistorische als auch politische oder gesellschaftliche Hintergründe, berichten von der Entstehung, der öffentlichen Wahrnehmung oder auch Kontroversen.
„Auf dieser Webseite wollen wir genau diese Geschichte und die Geschichten dazu“, auch Erinnerungen und Erlebnisse, die die Mannheimer ganz konkret mit den Werken verbinden, „in die Öffentlichkeit und in das Bewusstsein der Stadtgesellschaft zurückbringen“, erläutert Silvia Köhler von den Künstlernachlässen Mannheim, die treibende Kraft hinter Kiorma. „Denn, wenn sie zum kulturellen Selbstverständnis einer Stadt beitragen sollen, müssen sie auch im kollektiven Bewusstsein verankert werden. Ohne dieses bleiben sie ein „stummes Denkmal“.
Hoffnung auf Erhalt
103 Objekte seien bereits verzeichnet, 130 weitere vorgesehen, ergänzt Köhler. Ihre Basis und die ihrer Mitstreiter bildeten Quellenrecherchen im Marchivum sowie in den Unterlagen der Kunsthalle und des Vereins Stadtbild Mannheim. Dabei ahnt die Geschäftsführerin der Künstlernachlässe, mit den genannten rund 230 Objekten wird es nicht getan sein, sondern es werden sich sicherlich noch mehr finden lassen, es werden neue hinzukommen und es werden gewiss auch welche verschwinden. Dabei ist Kiorma mit der Hoffnung verbunden, dass die Webseite Anstoß für den langfristigen Erhalt und die Pflege der Werke wird. Denn so einige Objekte befinden sich in einem verbesserungsfähigen Zustand, auch das dokumentiert die verdienstvolle neue Webseite. Online auf www.kiorma.de.