Ludwigshafen Wenn Papa Lisa die Eier ausbrütet

Familie Zinser mag Tiere. Bei ihr tummeln sich Enten, Hühner, Truthähne, eine Katze, zwei Schlangen, die Dogge Cora – und vier Emus. Emus in Ruchheim? Da war auch Ortsvorsteherin Heike Scharfenberger überrascht. Dabei haben die eigentlich aus Australien stammenden Laufvögel schon vor vier Jahren im Ludwigshafener Stadtteil ein neues Zuhause gefunden.
Emu-Mama Hansi und Emu-Papa Lisa schauen sich neugierig um. Wer kommt denn da zu Besuch? Gäste sind für die Elterntiere und den Nachwuchs Blackbeard und Lino nichts Neues. Der zwölfjährige Julien und seine Schwester Celina (9) sind oft mit Vater Reiner Zinser im 3000 Quadratmeter großen Gehege. Auch Cousine Elisa (8) kommt gern mit, wenn die Vögel versorgt werden. Schulklassen und Kindergartengruppen waren ebenfalls schon zu Besuch. Zinser kaufte die nur wenige Wochen alten Tiere vor einigen Jahren bei einem Züchter aus Ladenburg. Die erste Zeit verbrachten die Emus in einem Stall bei seinem Haus. Bis sich Hansi und Lisa auch auf der großen Weide wohlfühlten, habe es fast ein Jahr gedauert. Vier Unterstände und abgetrennte Bereiche sorgen mittlerweile dafür, dass jeder Vogel sich zurückziehen kann. Außer frischem Wasser brauchen Emus nicht viel zum Leben, wie Celina zu berichten weiß: „Das sind Weidetiere, die fressen Gras, Kräuter und Insekten.“ In Ruchheim bekommen die Laufvögel außerdem noch Fertigfutter. „Wir machen das, um die Tiere zahm zu bekommen“, erklärt Zinser. Bei Hansi klappt das schon sehr gut. Sie frisst aus der Hand und lässt sich auch streicheln. Dass Lisa der Hahn und Hansi die Henne ist, stellten die Zinsers erst fest, als Lisa zu brüten begann. Diese Aufgabe übernimmt bei Emus nämlich das Männchen. Da beide zu dem Zeitpunkt schon gut auf ihre Namen hörten, blieb es dabei. Rund 15 Eier legt Hansi zwischen Dezember und Februar. Bei einem Gewicht von etwa 700 Gramm werde davon eine ganze Familie satt, erzählt Zinser und fügt hinzu: „Das schmeckt wie Hühnerei.“ Auf das bei Kennern geschätzte Fleisch der Tiere hat er es aber nicht abgesehen. Geschlachtet werden sollen die Emus nicht. Laufvögel sind für den 39-Jährigen nichts Neues. Vor einigen Jahren hielt er bereits die deutlich kleineren Nandus. „Die wurden aber auf der Weide gerissen. Das wollte ich nicht noch einmal erleben.“ Mit bis zu 50 Kilogramm Körpergewicht und starken Zehen sei ein Emu ein deutlich unbequemerer Gegner für jeden Eindringling. Das erfuhr Zinser bereits am eigenen Leib, als Männchen Lisa im vergangenen Jahr brütete und sich sehr aggressiv gegenüber jedem verhielt, der den Jungen nahe kam. „Ich wurde regelrecht aus dem Verschlag herausgetreten und hatte trotz einer langen Hose blutende Wunden an den Beinen“, schildert er die schmerzhafte Begegnung. Auch sein Sohn Julien musste sich in der Zeit einmal mit einem Sprung über einen Holzzaun vor Lisas Attacken in Sicherheit bringen. Ansonsten seien die Emus aber sehr lieb. Ein Spaziergänger, der mit seinem Hund am Gehege anhält, ist davon nicht ganz überzeugt: „Sie sehen goldig aus, aber ich habe Respekt.“ Dass seine Emus für Strauße gehalten werden, erlebt Zinser häufig. Auf einem Steckbrief am Zaun will er daher künftig die wichtigsten Informationen über die Laufvögel zusammenfassen. Spätestens dann wissen auch die Ruchheimer, mit welch exotischen Gästen sie es auf der Weide am Friedhof zu tun haben.