Ludwigshafen Wenn die Tupperschüssel zum Alltag wird

Ludwigshafen. Der BASF TC Ludwigshafen ist das Maß aller Dinge in Deutschland – was die Altersklasse 30 angeht. Denn die Deutschen Meister bei den Herren und Damen kommen vom BASF TC. Zweitligaspielerin Svenja Weidemann und Regionalligaakteur Steffen Neutert sind aktuell beste deutsche Spieler in dieser Altersklasse. Die beiden sind allerdings nicht nur begeisterte Mannschafts- und Turnierspieler.
Weidemann und Neutert arbeiten auch als Trainer. Svenja Weidemann betreibt gemeinsam mit Wolfgang Gimbel in Deidesheim eine Tennis-Akademie. Steffen Neutert ist für den Verband in der Vorderpfalz sowie für den BASF TC Ludwigshafen tätig. Bei den deutschen Meisterschaften in Worms im vergangenen Jahr hatte Svenja Weidemann in einem überschaubaren Starterfeld nur im Endspiel etwas Arbeit. Steffen Neutert hat sich mit dem Titel selbst überrascht, zumal er in den Wochen vor dem Turnier kein Tennis gespielt hatte, weil er – seine zweite große Leidenschaft – bei der Fußball-Golf-WM in Inzell und war. Da war der ehemalige WM-Zweite allerdings nicht so erfolgreich. Wenn Weidemann und Neutert auf ihre eigenen Anfänge zurückblicken, lässt sich schnell eine Gemeinsamkeit feststellen. Als Kinder haben sie wie oft die Autofahrt von der Schule zum Training fürs Mittagessen genutzt. Aus einer Tupperschüssel zu essen, das war für sie Alltag. Sie haben es nicht anders gekannt und auch nicht anders gewollt. Wenn es hieß, dann und dann ist Training, haben ihre Mütter es ihnen ermöglicht, auch pünktlich da zu sein. Und so können sie heute als Coaches – Svenja Weidemann hat den DTB-A-Schein, Steffen Neutert den DTB-B-Schein – vom veränderten Freizeitverhalten der Jugendlichen berichten. Die Trainingszeiten, die es früher einmal gab, sind kaum noch möglich. Vieles hat sich gegen späten Nachmittag und frühen Abend verlagert. Und die Inhalte? „Ich trainiere Vereinsspieler, die nur vereinzelt auch einmal für ein Turnier melden. Sie kommen ins Training, weil sie Spaß haben wollen“, erzählt Weidemann, die nicht nur mit den Filzbällen arbeitet. „Wir bieten auch Athletiktraining an, weil wir die Kräftigung wichtig finden“, sagt die Deidesheimerin, die hat feststellen müssen, dass Ganztagsschüler Haltungsschäden mitbringen. Athletik-Elemente werden deshalb ins Tennistraining eingebaut. Beide waren zu Jahresbeginn bei der Trainertagung (mit 450 Teilnehmern aus dem In- und Ausland) des deutschen Tennisbunds in Berlin. Dort hat als Gast auch Fran Martinez, der spanische Trainer von U14-Team-Weltmeister Nicola Kuhn, der in Spanien in der Juan-Carlos-Ferrero-Akademie trainiert, aber auch für den BASF TC antritt, referiert. Bei den Spaniern gehe es sehr viel um Konstanz. Da müsse man beispielsweise eine Serie von Bällen in eine Zielzone spielen. „Wenn man einen Fehler macht, geht es von vorne los“, sagt Neutert, der die Unterschiede im Ländervergleich so kommentiert: „Bei uns wird trainiert, dort gearbeitet. Sie wissen, dass es nur mit dieser Disziplin geht.“ Im Verbandstraining bei Steffen Neutert sind Talente, die öfters am Ball sind. Seit zwei Jahren arbeitet der Lambsheimer unter anderem mit einer Gruppe von rund zehn Kindern vom TC WR Speyer, die Vereinstraining in Form von Fördertraining haben, vier- bis fünfmal die Woche. Für beide Trainer gilt, nicht mit aller Gewalt eine Technik zu vermitteln. „Früher hat man eher einen Profi kopiert und dann sollten alle so spielen. Jetzt geht man dazu über zu sagen, wenn alles stimmt, kann er ausholen wie er will. Das Ergebnis ist wichtig“, sagt Svenja Weidemann. Für Neutert ist wichtig, seine Schüler komplett auszubilden. „Du musst einen Standardvolley spielen können“, sagt der 31-Jährige, für den einer taktisch „so vielfältig und variabel wie möglich“ spielen können sollte. (cka)