Ludwigshafen
Wenn Chemiker musizieren: Die Geschichte der Lufoniker beginnt schon vor 100 Jahren
Es war 1913, als engagierte Freizeitmusiker die „Orchestervereinigung Philharmonie der Bad. Anilin- u. Soda-Fabrik“ gründeten. Die Chronik berichtet von Konzerten, musikalischen Gestaltungen von Betriebsfeiern und Jubiläen und Wohltätigkeitsveranstaltungen. 1920 löste sich der Verein auf – denn viele der Musiker wechselten zum 1919 gegründeten Pfalzorchester – dem Vorläufer der heutigen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Schon drei Jahre später gründeten musizierende Aniliner aber das „Orchester der Musikfreunde“, das immerhin bis 1934 bestand und dann, die Chronik ist hier etwas vage, sich aufgrund politischer Umstände auflöste. Ein Jahr später gründete der Leiter des BASF-Gesangsvereins, Alfred Wassermann, wieder ein Orchester, dass zusammen mit den Chören, aber auch eigenständig musizieren sollte. Die Werksleitung förderte die kulturellen Aktivitäten, bezahlte die Dirigenten, Noten und teils auch benötigte Instrumente und zahlte den Musikern sogar eine Aufwandsentschädigung bei regelmäßiger Teilnahme. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs löste sich das Orchester auf.
Starker BASF-Stamm
Erst 1980 entstand wieder ein Ensemble aus BASF-Mitarbeitern. Ernst Prappbacher, Fagottist des Nationaltheater-Orchesters übernahm die musikalische Leitung und machte aus dem Ensemble ein veritables Kammerorchester, das Rundfunkaufnahmen machte, Chöre begleitete und junge Talente förderte. Das Orchester firmierte jetzt unter dem neuen Namen Collegium Musicum Ludwigshafen. Seit 2017 leitet Dirigent Robert Weis-Banaszcyzk das Orchester, das ein eingetragener Verein ist und sich seit 2018 „Die Lufoniker“ nennt.
„Wir haben immer noch einen starken Stamm von BASF-Mitarbeitern, einige sind sogar seit der Wiedergründung mit dabei“, sagt der Dirigent. Geprobt wird mittwochs ab 20 Uhr im Sankt Gallus Heim in Friesenheim. Die Pandemie unterbrach den Proben- und Konzertbetrieb. Doch jetzt freuen sich alle auf das Frühlingskonzert am Samstag. „Wir sind sehr glücklich, dass alle wieder dabei sind, tatsächlich hat niemand das Orchester verlassen“, freut sich der Dirigent.
Die Gruppe der Fünf
Das Programm beginnt mit dem Werk eines Chemikers, der 3. Sinfonie von Alexander Borodin. 1833 in Sankt Petersburg geboren, war Borodin vielseitig begabt, promovierte in Medizin und war auch geachteter Chemiker. Er ging nach Heidelberg, wo er berühmte Wissenschaftler traf und besuchte gerne das Nationaltheater in Mannheim und musizierte so oft es ging. Als Komponist erwarb er noch größeren Ruhm und wurde sogar Teil der Gruppe der Fünf, das waren große russische Komponisten ihrer Zeit, Modest Mussorgski, Nikolai Rimski-Korsakow, César Cui und Mili Balakirew.
Spanisch gewürzt
Zweiter Programmpunkt sind Höhepunkte aus Georges Bizets zwei Carmen-Suiten, die der Dirigent ausgewählt und neu geordnet hat. Dabei werden mehrere Solisten aus den eigenen Reihen zum Zuge kommen und das hohe Niveau des Orchesters beweisen. Zum Schluss wird Gaststar Ludwig Balser besondere Glanzlichter setzen. Die „Symphonie Espagnole“ von Édouard Lalo ist eher ein Violinkonzert und natürlich ist sie stark mit spanischen Klängen und virtuosen Geigenparts gewürzt.
Balser wurde 1999 in Heidelberg geboren und studierte in Mannheim und Lugano. Ausgezeichnet mit unzähligen Preisen und Sieger vieler Wettbewerbe hat er schon unter der Leitung von Simon Rattle in Baden-Baden gespielt, er ist Mitglied der Akademie des Opernhauses Zürich und war Mitglied der Akademie des Elbphilharmonie Orchesters Hamburg.
Termin
Frühjahrskonzert der Lufoniker, Samstag, 25. März, 19 Uhr, in der Friedenskirche, Ludwigshafen-Friesenheim, Leuschnerstraße.