Ludwigshafen Weinbars und Wassertaxis
„Was uns am Herzen liegt!“ So überschreibt die JU ihre auf acht DIN A4-Seiten gepackten Standpunkte gut ein halbes Jahr vor der Oberbürgermeisterwahl. Der Parteispitze und OB-Bewerber Peter Uebel hat JU-Kreisvorsitzender Maximilian Göbel das Konzept in der Vorwoche übergeben – basierend auf „vielen Gesprächen mit jungen Menschen aus Ludwigshafen“, wie er betont. Mit dem Papier will der CDU-Nachwuchs Verantwortung übernehmen und die Zukunft der Stadt mitgestalten. „Ein modernes Ludwigshafen mit einer bunten, engagierten und starken Zivilgesellschaft“ – das schwebt der JU vor. Digitalisierung, Mobilität, Integration und Innenstadtentwicklung – das sind Schlagworte, die immer wieder auftauchen. So fordert die JU mit Verweis auf den Hochstraßenabriss zusätzliche Express-Straßenbahn- und Buslinien, die Öffnung der unteren Bismarckstraße für den Autoverkehr sowie mehr Parkmöglichkeiten. Ein Strauß von Maßnahmen, der die Stadt während des achtjährigen Megaprojekts spürbar entlasten soll. Die JU setzt dabei auch auf unkonventionelle Ideen wie Wassertaxis oder Fähren, deren Einsatz geprüft werden müsse. Ohne eine weitere Rheinquerung bei Rheingönheim/Altrip sei das Aufkommen langfristig aber nicht zu stemmen, weshalb das Vorhaben wieder in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden müsse. Die Umbenennung des Hauptbahnhofs in „Ludwigshafen (Rhein) Bahnhof West“ ist ein anderes JU-Anliegen, da die bisherige Bezeichnung weder zweckmäßig noch zeitgemäß sei. Um den Knotenpunkt attraktiver zu gestalten und die Hochschule samt der benachbarten Technologiemeile besser anzubinden, sollte der Posttunnel geöffnet werden. Das würde auch die Parkprobleme entschärfen. Bus-Takte sollten künftig an Unterrichtszeiten gekoppelt sein. Logisch wären für die JU zudem weitere Nextbike-Stationen in den Stadtteilen, mehr Ladestellen für Elektroautos sowie der Ausbau von Car- und Bikesharing. Die City möchte die JU weiter zum Rhein öffnen, im Umfeld mehr Grünflächen schaffen, das Baugebiet Melm/Oggersheim besser an Edigheim anbinden und das Format der Bürgerbeteiligung beibehalten. Im Wettbewerb der Städte in der Metropolregion müsse Ludwigshafen seine Rolle präziser definieren: beispielsweise durch sogenannte Hotspots wie den Berliner Platz, die Rhein-Galerie oder die geplante City West. Diese sollten für bestimmte Angebote stehen, etwa Nahversorgung, Shopping oder Dienstleistung. Ludwigshafen brauche Freizeitangebote für alle Gesellschaftsschichten und mehr gastronomische Vielfalt im mittleren Preissegment. Ein möglicher Standort für Wein- oder Tapasbars sind für die JU die Lagerhallen an der Lagerhausstraße in Süd. Sehr reizvoll sei auch der Bereich am Luitpoldhafen, wo sich alter Industriecharme mit urbanem Lebensgefühl verbinde. Ludwigshafen sei eine junge Stadt, fast ein Drittel der 170.000 Einwohner sei 30 Jahre oder jünger. Hinzu kämen einpendelnde Studenten und die Nähe zur Mannheimer Universität. „Dennoch mangelt es derzeit am abendlichen Angebot für diese Klientel“, findet Göbel. Deshalb müsse es ein Ziel der Stadtspitze sein, trendige Ausgehmöglichkeiten etwa in der Bahnhofstraße zu etablieren, wo alle Zutaten für eine Kneipen – und Gastromeile vorhanden seien. Perspektivisch müssten Anbindungen zu solchen Fixpunkten verbessert und Tariferhöhungen vermieden werden. Nachttaxis seien eine mögliche Alternative. In den Fokus rücken müsse der Bau von Studentenwohnheimen, um junge Menschen anzulocken. Und für Berufseinsteiger müssten mehr Jobs als bisher geschaffen werden. Die JU plädiert ferner für ein schnelleres Internet, eine lückenlose Netzabdeckung sowie kostenfrei nutzbare Wifi-Hotspots für den Datentransfer an öffentlichen Plätzen. Behördengänge könnten durch einen effektiveren Online-Service reduziert werden. Zentral ist für die JU auch das Thema Sicherheit: Dunkle Ecken sollten besser ausgeleuchtet und eine punktuelle Videoüberwachung, etwa am Berliner Platz, in Betracht gezogen werden. „Falls es doch zu Straftaten kommt, erleichtern die Aufnahmen die Aufklärung“, argumentiert Göbel. Sinnvoll vor Ort ist für ihn eine Sicherheitswache der Polizei. Der Kommunale Vollzugsdienst müsse gestärkt, das Berufsbild aufgewertet werden. Was das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen aus über 150 Nationen angeht, spricht sich die JU dafür aus, das ehrenamtliche Engagement – etwa in Asylcafés für Flüchtlinge – zu fördern. Langfristig müsse ein koordinierter Integrationsplan für die Stadt erstellt werden. Die Sprache bleibe der Schlüssel zur Integration. Weshalb entsprechende Programme unterstützt und die Schulsozialarbeit ausgebaut werden müsse. Die Stadtverwaltung sollte hier die Rolle eines Brückenbauers übernehmen und konsequent dem Entstehen von Parallelgesellschaften entgegenwirken. Mit Blick auf die Verschuldung fordert die JU einen Ausgleich zwischen reichen und armen Kommunen. „Für kluge Köpfe“ müsse in die Bildung und in die Infrastruktur der Schulen investiert werden. Göbel: „Sie sind ein Schlüsselort für Integration.“ Termin Die Ludwigshafener Jungsozialisten (Jusos, 129 Mitglieder) erarbeiten derzeit mit Blick auf die Wahlen ein Programm für ein Themenforum, so ihr Vorsitzender Christoph Bätz (23). Darüber berichten wir, wenn es Anfang April vorgestellt wird.