Mutterstadt
Weil der Mensch ein Mensch ist: Neues von Uli Valnion
Eigentlich sind es ganz einfache und selbstverständliche Sachen, von denen Uli Valnion singt: Jeder Mensch will leben, lieben, lachen – ganz egal, wo er herkommt, wie seine Hautfarbe ist, welche Sprache er spricht. Auch wenn die Menschen gerade nicht gleich sind, ihre Bedürfnisse sind überall dieselben. „Jeder ist anders, auch ich und Du, doch wer anders ist, gehört auch dazu“, singt Valnion und meint damit, dass alle zur Gemeinschaft der Menschen gehören.
Davon singt er im Eröffnungsstück „Jeder Mensch“. Es ist ein Lied, das Valnion zur Gitarre singt, wie er es schon seit Jahrzehnten macht. Es hat den typischen Liedermacher-Sound. „Was macht ihr hier“ ist ein Lied, das sich gegen Nazis richtet, die typische Gelegenheit es zu singen, wäre eine Gegendemo gegen einen braunen Aufmarsch. „Nazis verzieht euch, unsre Stadt bleibt bunt“, heißt es da und „packt eure Brocken und fahrt endlich heim“.
In der Tradition der Arbeiterlieder
Einer der Liedermacher, die Valnion beeinflusst haben, Woody Guthrie, hat auf seiner Gitarre stehen „This Machine Kills Fascists“ – was natürlich nur metaphorisch zu verstehen war und ist. Es gibt keine Aufrufe zu Gewalt, das wäre auch nicht im Sinne Valnions, aber einen deutlichen Standpunkt gegen Nazis, der klar macht, dass sie hier, bei Demo oder Kundgebung, nicht willkommen sind.
Valnion ist bekannt als linker Liedermacher, der auch die Tradition von Arbeiterliedern und Arbeiterbewegung pflegt. Das macht er unter anderem mit dem Singkreis Demokratisches Volkslied, bei dem jeder und jede mitmachen kann. Die Tradition der linken Lieder kennt Valnion und so hat er auch einen Klassiker auf der Platte, den er neu getextet hat: Das „Einheitsfrontlied“ hat Bertolt Brecht getextet und Hans Eisler die Musik geschrieben. „Und weil der Mensch ein Mensch ist“, beginnt es jede Strophe. Es wurde 1935 erstmals öffentlich von 3000 Arbeitern bei der Musikolympiade in Straßburg gesungen. Das Lied ist bewusst schlicht, so dass es leicht nachzusingen ist.
Sieben Lieder in 23 Minuten
Valnion hat die Idee des Liedes weiter geführt und daraus „Und weil die Frau ’ne Frau ist“ gemacht. Gleiche Rechte und gleiche Bezahlung müssen immer noch erstritten werden, Valnion fordert sie jetzt und sofort. Auch seine Fassung lässt sich leicht mitsingen und lädt auch dazu ein. Gastmusiker ist hier Sascha Leicht auf dem Klavier.
Es sind sieben Lieder auf dem Album, das mit 23 Minuten Musik eher EP-Format hat. Die Gitarrenbegleitung ist teils Fingerpickung, teils Akkorde schlagen, teils auch in Mischformen. Auch für lernende Gitarrenspieler sind die Lieder reizvoll und mit etwas Übung machbar. Dieses Weitergeben der Fackel an die nächste Generation praktiziert Valnion seit Jahrzehnten. Aus seiner Schule gingen schon so bekannte Pfalzmusiker hervor wie Dubbeglasbruder Willi Brausch oder Thomas „Edsel“ März von den Anonymen Gitarristen. Die Lieder im Kreis am Lagerfeuer oder bei Demonstrationen für Menschenrechte und Gleichberechtigung zu singen, ist ganz sicher in Valnions Sinn.
Das Album
Das Album kann wie weitere seiner Platten beim Künstler direkt über ugitar@t-online.de bestellt werden.