Ludwigshafen
Wasserball: Warum es trotz der WSV-Niederlage Spaß gemacht hat, den jungen Spielern zuzuschauen
Auf welcher Position spielen Sie lieber: Im Tor, wo es gegen München jede Menge zu tun gab, oder doch im Feld?
Sieger: Das spielt für mich eigentlich keine Rolle. Ich spiele dort, wo die Mannschaft mich braucht. Allerdings weiß ich gerne im Vorfeld, auf welcher Position ich am Wochenende spiele, damit ich mich in der Trainingswoche entsprechend darauf vorbereiten kann. Das war jetzt gegen München leider nicht so. Ich habe die ganze Woche im Tor trainiert. Dadurch haben mir am Ende ein bisschen die Körner im Feld gefehlt.
Sie haben sich am Samstag gegen die Spitzenmannschaft aus München deutlich besser verkauft als noch im Pokalspiel, obwohl einige Stammkräfte gefehlt haben. Was hat die Mannschaft dieses Mal besser gemacht?
Wir hatten eine viel bessere Einstellung. Gerade unsere jungen Spieler haben in der Verteidigung brutal gut gearbeitet. Da hat es teilweise Spaß gemacht, den Jungs zuzusehen. Joost Christoffels war in der Abwehr super. Marcel Beck hat im Angriff Verantwortung übernommen als Martin Görge im dritten Viertel mit seiner dritten persönlichen Strafe aus dem Wasser musste. Marcel war mit vier Toren unser bester Torschütze, Johannes Sommer war richtig stark. Ich finde, wir können heute gerade mit den jungen Spielern zufrieden sein. Außerdem war das Pokalspiel unser erstes Pflichtspiel mit der neuen Regelauslegung. Da haben wir gerade gegen unseren ehemaligen Spieler Ahmed Mohamed einige Strafen zu viel gezogen. Es waren damals allein vier oder fünf Strafwürfe. Das haben wir heute viel cleverer gelöst.
Sie haben das Spiel sehr lange relativ offen gehalten, obwohl es in der Mitte des zweiten Viertels schon 3:8 für München stand. Das spricht für die Moral, oder?
Insgesamt haben wir sehr ordentlich gespielt gegen München. Das Einzige, was mal wieder nicht so gut war, war unsere Quote in Überzahl. Ich habe da vorne als Center zwar einige Hinausstellungen beim Gegner provoziert, aber wir konnten daraus keine Tore erzielen. Ich habe keine wirkliche Erklärung, woran das liegen könnte. Wenn wir solche Situationen trainieren, dann läuft der Ball flüssig und ich sehe den Ball erst, wenn er hinter mir im Netz einschlägt. Aber im Spiel läuft das dann irgendwie nicht so. Am Ende finde ich, dass wir am Samstag gegen München um ein paar Tore zu deutlich verloren haben, weil wir einige leichte Fehler zu viel gemacht haben. Aber uns haben gegen München eben auch einige wichtige Spieler gefehlt. Ein Johannes Schmitz, ein Oliver Görge, Fabian Härtel und auch Srdjan Rajcic sind für uns nun einmal nicht so leicht zu ersetzen. Aber wir haben heute gesehen, was die Spieler aus dem Jahrgang 2001 schon drauf haben. Da kommen noch einige andere nach. Wir werden unsere Punkte diese Saison noch holen, auch wenn Spitzenmannschaften wie beispielsweise München eben im Moment nicht in Reichweite sind.
Interview: Volker Endres
Zur Person
Tom Sieger
Multitalent Tom Sieger ist 29 Jahre alt und spielt seit 2011 Wasserball beim WSV Vorwärts Ludwigshafen. Gelernt hat er den Sport bei seinem Heimatverein TSG Backnang, wo er 2002 mit dem Schwimmsport begonnen hat und 2006 zum Wasserball wechselte. Sieger studierte Ingenieurwesen und fand eine Anstellung als Ingenieur für Fahrzeugtechnik in Ludwigshafen, wo er seit 2011 im Stadtteil Mitte lebt. Neben dem Wasserballsport pflegt er noch die Kampfkunst, betreibt seit 2017 Wing Tzun und Jiu Jitsu und hat seit 2019 seine eigene Wing-Tzun-Schule. Beim WSV spielt er, je nach Bedarf, im Tor oder auf dem Feld.