Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Was Giuliano Cultrera zu einer Nervensäge für den Gegner macht

Hat noch ein Jahr Vertrag: Giuliano Cultrera vom FC Arminia.
Hat noch ein Jahr Vertrag: Giuliano Cultrera vom FC Arminia.

Oberligist Arminia Ludwigshafen tritt am Samstag bei den Sportfreunden Eisbachtal an. Das Polster schmilzt. Kann das Geburtstagskind vom Abwärtstrend profitieren?

Mit 15 Punkten Vorsprung auf Platz fünf, der möglicherweise den Abstieg bedeutet, ist der FC Arminia in die Abstiegsrunde gestartet. Eigentlich ein beruhigendes Polster. Nach drei der zwölf Begegnungen beträgt der Abstand nur noch neun Zähler. Das zeigt, dass die Rheingönheimer endlich einen Sieg einfahren sollten, um nicht noch in ernste Gefahr zu geraten. „Der Puffer wird geringer. Zu denken, es passiert schon nichts, kann fatale Folgen haben“, sagt Trainer Andreas Brill und fordert in Eisbachtal am Samstag (16 Uhr) drei Punkte. Kein leichtes Unterfangen, denn die Arminia hat von den vergangenen neun Pflichtspielen nur eines gewonnen. „Außerdem ist bei den Sportfreunden am Montag der Trainer zurückgetreten“, weiß Brill. Denkbar, dass sich die Spielweise verändert, sodass sämtliche eingeholte Informationen für die Tonne sind.

Der Übungsleiter brütet noch über der Aufstellung. Während es bei den gegen Pfeddersheim angeschlagenen Fabian Herchenhan und Daniel Fichtner wieder besser aussieht, meldet Brill zwei neue Ausfälle. „Jonas Schäfer hat sich gegen Ende der Partie einen Bänderriss im Knöchel zugezogen. Das gilt auch für Laurenz Graf, der sich in der letzten Minute des Montagstrainings verletzt hat“, klagt der Coach. Rik Hiemeleers laboriert weiter an einem Muskelfaserriss im Adduktorenbereich und David Braun musste die Übungseinheit am Montag nach wenigen Minuten abbrechen. Immerhin hat Markus Schmitt mit dem Lauftraining begonnen und vielleicht reicht es beim Japaner Norichika Nomiya (Fußverletzung) für Samstag.

Denkwürdiger Start für Cultrera

Keine Probleme hat Stürmer Giuliano Cultrera, der seit knapp zwei Jahren bei der Arminia ist. Rückblende: Sein Start beim FCA ist denkwürdig. Der wendige und flinke Angreifer ist ein Meister des Pressings, sein Stil beeindruckend. Der Torwart hat den Ball, Cultrera attackiert. Ein Abspiel zum Außenverteidiger, der damals 19-Jährige hetzt hinterher. Beim nächsten Spielaufbau bekommt der Innenverteidiger den Ball. Kaum hat er ihn, greift ihn Cultrera an. Der Mann mit der Rückennummer 9 presst, als gäbe es kein Morgen mehr. „Er hat ein gutes Timing beim Anlaufen, ist schnell beim Gegner und hat die nötige Aggressivität“, lobte ihn der damalige Trainer Marco Laping. Der Lohn: In den ersten zwölf Partien der vergangenen Runde stand Cultrera elfmal in der Startformation.

Der Halbitaliener, dessen Mutter Deutsche ist, während der Vater aus Italien stammt, nervt seine Gegner permanent. „Das ist mein Spiel, ich will den Gegenspieler stressen“, sagt der gebürtige Heidelberger. Sein Manko ist die fehlende Torgefährlichkeit. In der vergangenen Saison erzielte er in 28 Partien nur vier Treffer bereitete aber sechs vor. „Giuliano lebt von seinem Tempo und seinem Biss. Inzwischen macht er auch die Bälle sehr gut fest“, sagt Brill und hebt den Charakter des Stürmers hervor, den eine hohe Laufbereitschaft auszeichnet. „Ich mache auch gerne Wege für den Mitspieler, will den Gegner zu Fehlern zwingen. Aber klar, es wurmt mich, dass ich in dieser Runde noch nicht getroffen habe“, verdeutlicht der Immobilienkaufmann.

Formkurve zeigte zuletzt nach unten

Der beim SV Sandhausen ausgebildete Stürmer, der seit knapp zwei Jahren in Mannheim-Lindenhof wohnt, hat in dieser Runde an Stellenwert verloren. Lief er in der Serie 2021/22 noch in 82 Prozent der Oberligaspiele auf, so sank der Wert in dieser Saison auf 65 Prozent. Erlebte er zunächst den Anpfiff überwiegend auf dem Platz (in 18 von 28 Partien), so stand er in dieser Runde bislang nur bei fünf seiner 15 Einsätze in der Startelf. „Sein Abschluss ist verbesserungswürdig“, hat Brill erkannt. Das liegt vielleicht auch daran, dass dem heute 21 Jahre alten Cultrera wegen seines extrem aufwendigen Stils vor dem Tor Kraft, Konzentration und Kaltschnäuzigkeit verlorengehen.

„In erster Linie will ich gewinnen, aber auch Tore schießen“, betont Cultrera, der noch bis 2024 unter Vertrag steht. Eisbachtal wäre ein gutes Pflaster für seinen ersten Saisontreffer. Und noch eine Statistik gilt es zu verbessern. In seinen 43 Oberligaspielen für die Arminia stand der laufstarke Angreifer noch nie über 90 Minuten auf dem Platz. Brill verteilt natürlich keine Garantien, aber die zuletzt dürftigen Auftritte des FCA schreien geradezu nach Veränderungen. Vielleicht profitiert Giuliano Cultrera davon.

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