Ein Bild und seine Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Was es mit zwei bunten Containern in der Bayreuther Straße auf sich hat

Die beiden Container wurden von Mitgliedern des Mannheimer Kunst- und Kulturvereins Peer 23 sowie einigen Kindern des Emmi-Knaub
Die beiden Container wurden von Mitgliedern des Mannheimer Kunst- und Kulturvereins Peer 23 sowie einigen Kindern des Emmi-Knauber-Horts bunt bemalt und besprüht.

Zwei buntbemalte Container mit runtergelassenen Rollläden etwas abseits an einem Bolzplatz in der Bayreuther Straße. Was es damit wohl auf sich hat? Schon seit 2017 wird dort jede Woche eifrig gewerkelt, geplaudert und so manches alte Fahrrad repariert.

Angefangen hat das Ganze mit einem Upcycling-Projekt, wie David Sarro, Gemeinwesenarbeiter bei der Ökumenischen Fördergemeinschaft Ludwigshafen (ÖFG), erzählt. „Die ursprüngliche Idee war, den Mangel an Mobiliar, den die Leute haben, mit gebrauchten Sachen zu beseitigen, Fehlendes ohne Kosten anzuschaffen und mit den Leuten gemeinsam Sachen zu bauen“, erklärt der gelernte Arbeitserzieher.

Das Projekt, das gemeinsam vom Mannheimer Kunst- und Kulturverein Peer 23 und der ÖFG entwickelt wurde, ist Sarro zufolge 2017 in den Fördertopf des Projektwettbewerbs „Gemeinsam Neues Schaffen“ der BASF gekommen. Angelaufen sei das Projekt allerdings nur schleppend, sodass nach einem Jahr der Entschluss gefasst wurde, aus dem Upcycling-Projekt ein Repaircafé zu machen. „Das ist bis Corona gut gelaufen“, sagt Sarro und erklärt, dass hauptsächlich an Fahrrädern herumgeschraubt wurde. „Entweder haben die Leute kein Fahrrad und melden bei uns Bedarf an. Wir versuchen dann gemeinsam mit ihnen die Räder, die uns gespendet werden, wieder aufzubereiten und verkehrstauglich zu machen“, erzählt der Projektzuständige. „Oder aber die Leute haben einen Schaden oder Platten an ihrem Fahrrad. Wir reparieren dann gemeinsam und versuchen, Kenntnisse zu vermitteln, damit sie beim nächsten Mal wissen, wie man beispielsweise einen Schlauch wechselt.“ Zulauf erhalte das Repaircafé nicht nur von Anwohnern der Bayreuther Straße. Auch Menschen aus anderen Stadtteilen nehmen das Angebot an, wie Sarro sagt. Auf private Fahrradspenden ist das Repaircafé dabei angewiesen. Dies komme jedoch häufiger vor als man denkt, erklärt Sarro und ergänzt: „Gerade in der Zeit, in der die Leute ihren Keller ausgemistet haben, gab es sehr viele Spenden. Zurzeit herrscht zwar wieder Flaute, das schwankt aber immer mal wieder.“ Manche ausrangierten Fahrräder seien verwendbar, andere würden wiederum auseinandergeschraubt und die einzelnen Teile verwendet werden. „Wir haben in den drei Jahren bestimmt 60 bis 70 Räder rausgegeben, die wieder fahrtauglich sind“, so der Arbeitserzieher.

Zweimal die Woche für jeweils drei Stunden war das Repaircafé vor der Pandemie geöffnet, wie Sarro erzählt. Bei Kaffee und Kuchen wurden die Teilnehmer zudem zum Plaudern eingeladen. „Es war richtig was los. Das Repaircafé hat sich zu einem richtigen Treffpunkt entwickelt“, erzählt der Gemeinwesenarbeiter von der Zeit vor der Pandemie. „Corona hat uns leider genau wie so vielen anderen einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Zwar laufe der Betrieb so langsam wieder an, jedoch ohne Essen und Trinken und nur noch einzeln nach Bedarf und vorheriger Anmeldung. „Von Geselligkeit ist nichts mehr zu erkennen“, bedauert Sarro. „Wenn 15 Leute da sitzen und reden und fünf Leute werkeln, dann ist das was anderes. Momentan sind wir leider nur noch eine Anlaufstelle, wenn etwas kaputt ist“, sagt er. Der 35-Jährige hofft, dass das Repaircafé nach dem Winter wieder zum beliebten Treffpunkt werden kann.

Spektakuläre Malaktion

Die kleinen und großen Rad-Reperaturen werden von ehrenamtlichen Helfern, zumeist aus der Bewohnerschaft, vorgenommen, wie Sarro erzählt. Im ersten Jahr habe das Café außerdem Unterstützung von zwei Minijobbern erhalten, im zweiten Jahr von einem jungen Mann während seines Bundesfreiwilligendienstes. Über das Projekt habe sogar ein Bewohner angefangen, in einem Fahrradgeschäft zu arbeiten.

Die beiden bunten Container, vor und in denen kräftig gewerkelt wird, haben vor ihrem Anstrich schrecklich ausgesehen, wie Sarro sagt. „Das waren zwei uralte Container, die wir ganz günstig einer Firma abgekauft haben, die sie ausmustern wollte.“ Um dem Upcycling-Projekt eine schöne, bunte Basis zu verschaffen, haben daher einige Peer 23-Mitglieder die Container bemalt und besprüht. Auch einige Kinder aus dem benachbarten Emmi-Knauber-Hort, der zur ÖFG gehört, beteiligten sich an der Malaktion: „Die Kinder wurden eingeladen und haben zugeguckt und auch selbst mitgesprüht und mitgemalt“, erzählt Sarro und fügt hinzu: „Es war spektakulär zu sehen, wie die Profis sowas machen.“

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