Handball
Was der Eulen-Trainer privat bevorzugt und zur Hinrunde sagt
Herr Klatt, welcher Barsch schmeckt besser? Der Fränkische oder der Pfälzische?
Welcher Barsch? Ist das jetzt aufs Angeln bezogen? Hoffentlich nehmen sich beide nicht so viel vom Geschmack. Ich glaube, die schmecken deutschlandweit gleich. Im Pfälzischen bin ich noch nicht so viel dazu gekommen, tatsächlich welche zu fangen, muss ich sagen.
Warum?
Na, weil mir die Zeit fehlt.
Aber einen Angelweiher haben Sie hier schon gefunden?
Nee, nee, das meine ich ja. Ich bin bisher einmal am Rhein gewesen, war aber sonst noch nicht groß angeln.
Sind die Weiher hier anders als im Frankenland? Jede Region hat ja ihre Besonderheiten ...
Das stimmt. Aber künstlich angelegte Gewässer hängen ja immer von den Fachwirtschaften ab, die die besetzen. Ich mag es lieber, an natürlichen Flüssen und Seen zu angeln anstatt an Vereinsgewässern, die besetzt werden. Sprich lieber am Main oder am Rhein oder an natürlich gewachsenen Seen.
Warum?
Da ist es nicht so programmiert, was man fängt oder dass man überhaupt was fängt. Und man muss sich ein bisschen mehr mit dem Gewässer auseinandersetzen. Das finde ich einfach spannender.
Gab es schon Flecken in der Pfalz, die Sie mit der Familie, Ihrer Frau und den beiden Kindern erkunden konnten?
Ja (zögert). Die Familie war schon hier, auch bei Spielen. Aber das, was ich hier besser kennenlernte, ist alles recht nah an Ludwigshafen oder in Ludwigshafen gewesen. Wir haben es über die Pfalz hinaus mal mit einem Besuch von Heidelberg verbunden.
Haben Sie schon die Pfälzer Küche probiert?
Im Speziellen so was wie Saumagen nicht. Auch dazu hatte ich auch noch nicht so richtig die Gelegenheit.
Aber Sie sind dafür schon zugänglich?
Ja. Ich esse gerne und bin kein Veganer oder Vegetarier.
Das wievielte Handy haben Sie denn in diesem Jahr schon gebraucht? So viel, wie Sie im Auto telefonieren ...
Das wievielte Handy? Die nutzen sich ja Gott sei Dank nicht so sehr ab (schmunzelt). Ja, ich telefoniere viel, aber ich bin mit einem Handy bisher ausgekommen und damit zufrieden.
Wie viele Telefonate führen Sie während der Fahrt?
Das ist schwer zu pauschalisieren, meistens so zwei, drei, vier. Aber man kann schon sagen, dass ich jeden Tag so zwei Stunden im Auto telefoniere. (Anm. d. Red.: Ceven Klatt braucht mit dem Auto von seinem Heimatort Kitzingen rund eineinhalb Stunden nach Ludwigshafen).
Arbeiten Sie eine To-do-Liste ab?
Auch, aber manchmal ist es einfach ein Austausch, was so in der Handballwelt über die Pfalz hinaus passiert.
Wie vertreiben Sie sich sonst die Zeit im Auto, auch wenn es mal später abends nach Hause geht?
Ich höre auch Podcasts. Manchmal bin ich auch ganz froh, wenn ich nach so einem Tag nichts höre und denke dann noch übers Training oder über den Gegner nach. Was wir schon gemacht haben oder was wir noch machen müssen fürs Wochenende. Gerade abends, wenn ich später von den Spielen zurückkomme, tut mir diese Ruhe im Auto auch ganz gut. Früher war“s bei mir so, dass ich bei einer kurzen Wegstrecke nach Hause, wenn ich daheim angekommen bin, immer noch sehr aufgewühlt war und viel Adrenalin in mir drin hatte. Aber jetzt, wenn ich anderthalb Stunden im Auto gesessen habe, bin ich schon ein bisschen runtergekommen, wenn ich heim komme. Das ist eigentlich ganz schön.
Welche Podcasts hören Sie denn?
Angel-Podcasts (lacht), aus Interesse, den ein oder anderen kennt man da auch. Aber auch so diese klassischen Dinger wie „Baywatch Berlin“ oder „Gemischtes Hack“ oder „Hand aufs Harz“, verschiedene halt.
Also auch schon Handball?
Ja, klar.
HipHop und Rap hört Ceven Klatt gerne
Musik hören geht auch?
Musik geht auch, aber immer so phasenweise. Manchmal ist mir auch nach Musik, und dann gucke ich auch, was es Neues gibt oder manchmal auch alte Sachen.
In welche Richtung geht denn Ihr Musikgeschmack?
Deutschsprachige Musik, schon so Hip-Hop oder Rap. Aber manchmal dann auch so alte Sachen wie Udo Lindenberg oder Westernhagen.
Sie sitzen relativ lange Zeit im Auto, jeden Tag drei Stunden. Ist das für Sie verlorene Lebenszeit?
Nein, weil ich tatsächlich die Zeit zu den genannten Dingen auch nutze. Wenn ich zu Hause wäre, würde ich am Schreibtisch sitzen oder durchs Haus laufen und telefonieren. Und so sitze ich halt im Auto. Diese Zeit, um über bestimmte Trainingsabläufe, Spielabläufe oder Gespräche nachzudenken, ist gut und auch gut genutzt.
Aber Sie sind ja in der Zeit zu Hause nicht verfügbar. Sie haben zwei kleine Kinder. Hat sich Ihre Familie an diese Abwesenheit gewöhnt?
Die zwei Stunden, die ich mehr weg bin als Eulen-Trainer, sind ja zumindest mal vormittags zu einer Zeit, wo die Kinder in der Schule sind und gar nicht merken, ob ich zu Hause wäre oder nicht. Und abends ist es immer noch so, dass ich die Kinder ins Bett bringen und „Gute Nacht“ sagen kann, was mir wichtig ist. Morgens mache ich alles mit ihnen, bringe die beiden zur Schule. Da habe ich schon meinen geregelten Tagesablauf, und die Kinder haben mich auch immer in einer geregelten Zeit.
Wäre ein Umzug eine Option für Sie?
Das ist schon etwas, worüber ich mit meiner Frau immer wieder spreche. Aber wir uns ja jetzt in der ersten Zeit bewusst dafür entschieden, die Kinder nicht aus dem Umfeld rauszureißen. Das eine ist immer die Schule, das andere sind gewonnene Freundschaften über die Sportvereine, über die außerschulischen Aktivitäten, die man so betreibt. Das war jetzt gerade in der Corona-Zeit für uns Erwachsene ja schon schwer, aber für die Kinder noch schwieriger, diese sozialen Kontakte zu knüpfen. Da würde es schon ein Stück weit irgendwo weh tun, sie da wieder komplett rauszureißen. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, erst mal zu pendeln. Bis jetzt klappt das gut für mich und für uns, und deshalb soll das auch erst mal so bleiben.
Aber es wäre eine Option irgendwann, wenn die Verträge mit den Eulen auf absehbare Zeit verlängert würden?
Die Option, dass wir mit der kompletten Familie hierher ziehen, stünde weiter zur Diskussion. Ich könnte mir aber eher vorstellen, dass ich mir dann ein Zimmer oder so nehme und sich der Rhythmus verändert in der Art vom Pendeln. Dass man sagt, ich habe zwei Tage in der Woche, wo ich hier schlafe und hierbleibe, und an den anderen fünf Tagen schlafe ich zu Hause.
Wo kommen Sie denn dann unter, wenn es mal richtig spät wird?
Das plane ich dann schon so. Wenn ich weiß, heute Abend haben wir spät Training und ich habe eine Veranstaltung danach, Weihnachtsfeier oder solche Geschichten, dann buche ich mich vorab irgendwo ein.
Wie machen Sie es bei weiten Auswärtsfahrten wie zum Beispiel in Hagen und in Rostock?
Als wir aus Rostock zurückkamen, war es ja schon morgens. Sonst war es bisher eher so, dass ich schon am Abend davor hier geblieben bin, wenn wir am nächsten Morgen um 9 Uhr losfahren. Ich wäre ja sonst um 20 Uhr abends zu Hause und müsste um 6 Uhr morgens schon wieder weg. Aus Hagen war wir zwischen 0.30 und 1 Uhr zu Hause, und dann fahre ich noch heim und kann am nächsten Morgen bei meiner Familie sein.
Schafft man, wenn man pendelt, für sich selbst eine Identifikation mit der Gegend, der Stadt und dem Verein?
Ich finde schon, dass ich mich mit den Eulen, mit den Fans, mit der Mannschaft gut identifizieren kann. Da habe ich mich gut eingelebt und zurecht gefunden. Auch die Menschen, die ich kennenlernen durfte in der Zeit, das ist alles so in Ordnung. Dass ich dadurch kein Pfälzer bin, ist klar. Aber das würde ich auch nicht werden, wenn ich hier wohnen würde. Das wäre nicht viel anders.
Wo ist denn Ihre Heimat?
Meine Heimat ist in Brandenburg, da bin ich geboren. Aufgewachsen bin ich bei Düsseldorf, und zurzeit lebe ich in Franken.
Sportlich nicht ganz zufrieden
Wo ist denn der richtige Ursprung, wo kommen Sie her?
Aus Brandenburg. Ob ich da wieder hin will, ist was anderes. Ich habe in Brandenburg ein kleines Wochenend-Häuschen am See. Da bin ich auch immer wieder mal im Urlaub.
Zum Sportlichen: Läuft die Runde nach Ihren Vorstellungen?
Grundsätzlich hätte ich mir gewünscht, dass wir weniger Verletzte haben. Dann könnte ich sagen, dass läuft nach meinen Vorstellungen. Punktetechnisch haben wir drei, vier Punkte zu wenig. Mit der Entwicklung bin ich nicht unzufrieden, weil ich immer wieder Schritte nach vorne sehe. Es war ein relativ großer Umbruch im Sommer. Viele Spieler gingen, es wurde meist ohne Linkshänder im Rückraum gespielt, und es gab kein Tempospiel. Das sind alles Dinge, die wir jetzt verändert haben. Wir haben Linkshänder integriert in die Spielweise, Wagner spielt jetzt auf Halblinks. Tempospiel, neue Mittel-Leute, neue Konstellation – da entwickeln wir uns immer weiter. Einen kleinen Knick gab es durch die vielen Ausfälle. Meine Spielidee ist, dass wir variabel sind. Dass wir eine schussstarke Rückraum-Reihe mit Salger und Wagner haben. Wenn sich der Gegner auf diese Konstellation eingestellt hat, kommen wir über eine spielstarke Reihe mit Bührer, Klein, Neuhaus, Remmlinger. Dieser Wechsel ist uns bis zum Zeitpunkt der vielen Ausfälle gut gelungen. Wir haben unsere Gegner vor große Probleme gestellt. Aber das fällt uns nicht mehr so leicht. Da müssen wir die Pause nutzen, um uns noch mehr und andere Lösungen zu erarbeiten. Im Spiel gegen Lübeck haben wir vom Auftritt in der Abwehr, von der Bereitschaft und von der Mentalität eines unserer besten Spiele gezeigt.
Sprich: Sie ziehen ein positives Fazit des bisherigen Saisonverlaufs?
Ich hätte gerne eine kleinere Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsauftritten gehabt. Wir sind unserem Ziel, eine Heimmacht zu sein, ziemlich nahe gekommen. Wir hatten zu Hause viele gute Auftritte. Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass wir auch auswärts dieses Gesicht zeigen. Zu Hause entwickeln wir immer wieder Emotionen und Leidenschaft. Das müssen wir eben auch auswärts schaffen. Wenn uns das gelingt, dann punkten wir noch öfter.
Wie erklären Sie sich die Leistungsschwankungen?
Die vielen Verletzungen sollen keine Ausrede sein, aber wenn man ein gewisses System einstudiert, dann tun solche Verletzungen weh. Die Linkshänder beispielsweise haben wir sehr gut hinbekommen, was den Wert für die Mannschaft angeht. Das haben uns nicht viele zugetraut. Stefan Salger hat seine Stärken im Wurf, aber auch seine Schwächen – im Halbdistanzspiel. Das aber kann Jannek Klein sehr gut. Wenn er als Alternative kommt, haben wir eine andere Anlage im Spielsystem. Das ist uns etwas abgegangen, daher haben wir diese Schwankungen. Von den ersten vier Saisonspielen verlieren wir drei. Von Spiel fünf bis Hagen verlieren wir kein Spiel. In Hagen war ich unzufrieden mit der Art und Weise, wie wir verlieren. Positiv war unser Heimspiel gegen Gummersbach. Da waren wir über unseren 100 Prozent. Niemand hätte im Vorfeld gedacht, dass wir so souverän gewinnen. In Hagen vier Tage später, waren es 60 bis 70 Prozent. Ich wäre dann lieber jeweils bei 90 Prozent und würde beide Spiele gewinnen. Das müssen wir in die Waage bekommen.
Wie wollen Sie das hinbekommen?
Das geht über einen Auswärtserfolg, um uns zu beweisen, dass wir es können. Ich muss diese Mentalität in die Spieler bekommen, aber es muss ein stückweit von den Spielern kommen. Es dürfen nicht nur Lippenbekenntnisse sein. Die Spieler wollen es ja, aber sie müssen es eben auch mal zeigen. Gummersbach fehlten in Rimpar auch zehn Prozent, deshalb bekamen sie eins auf den Deckel. Das muss mittlerweile jeder verstanden haben. So funktioniert die Zweite Liga. Wir haben eine gute Mannschaft, aber wir müssen das auch zeigen. Da muss jeder alles in die 60 Minuten investieren, auch auswärts.
Sie sprachen die Mentalität an. Vergangene Saison rissen die Eulen Spiele damit herum. Warum gelingt das nun in der Zweiten Bundesliga nicht?
In der Bundesliga waren wir immer der krasse Außenseiter. Jetzt müssen wir uns fast schon entschuldigen, wenn wir „nur“ mit drei Toren gegen Lübeck-Schwartau gewinnen, weil wir nicht so schön gespielt haben. Das ist ein Riesenunterschied, der in den Köpfen der Spieler drin ist. Das kommt von außen. Die Jungs haben viel mehr zu verlieren. Jetzt sind wir der Depp, wenn wir in Aue oder Dessau verlieren, ohne despektierlich zu sein. Die Erwartungshaltung ist sehr hoch.
Vor der Runde sagten Sie, dass Sie eine aggressive Abwehr spielen wollen. Ist Ihnen das gelungen?
Wir entwickeln uns dahin. Zu Saisonbeginn war ich nicht so zufrieden damit. Da haben wir auch zu wenig Aggressivität und grundsätzliche Bereitschaft zu helfen in der Abwehr gehabt. Wir haben noch zu viel auf Block verschoben und mit typischen Erstliga-Mustern gespielt. Bis wir diese Zweitliga-Erfahrung gesammelt haben und mit den anderen Spielweisen zurechtkamen, dauerte es. Aber wir sind auch da vorangekommen. Zu Hause gelingt es uns, über unser Tempospiel erfolgreich zu sein.
Soll es im Winter Neuverpflichtungen geben?
Werden Sie die EM-Pause nutzen, um nachzujustieren?
Wir haben in den letzten Spielen häufiger mit der 5:1-Variante gespielt. Dadurch erzwingen wir mehr Zweikämpfe und höhere Aggressivität. Das ist ein Ansatz, um so besser in die Zweikämpfe zu kommen. Das wird ein Schwerpunkt in der Winterpause sein.
Pochen Sie in der Winterpause auf Neuverpflichtungen?
Nein, ich bin wirklich zufrieden mit der Mannschaft. Ich hätte gerne den einen oder anderen verletzten Spieler weniger. Aber es ist mir wichtig zu betonen, dass Verletzungen eben leider auch zum Sport dazugehören. Die anderen Spieler haben auch ihre Qualitäten und sie gezeigt. Ich denke da an Yessine Meddeb, Marc-Robin Eisel oder auch Torwart Leon Hoblaj. Sie alle haben Impulse ins Spiel gebracht. Man darf von ihnen jetzt nicht die Konstanz erwarten, und es gibt manchmal Wellen. Aber es macht Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten.
Der Jahresbeginn ist häufig auch die Zeit der Neuverpflichtungen, der Kaderplanung. Haben Sie der Geschäftsführerin der Eulen, Lisa Heßler, denn schon Ihre Wunschliste abgegeben?
(Lacht). Wir sind immer im Austausch. Wir schauen genau hin, wer sich wie entwickelt. Wir haben aber ein hohes Vertrauen und Loyalität zu unseren Spielern. Wir wollen schauen, ob ein Spieler Redebedarf hat.
Gibt es aus Ihrer Sicht Redebedarf?
Gab es. Uns ist es ja gelungen, Ersatz für Hendrik Wagner zu verpflichten, der im Sommer geht. Mit Julius Meyer-Siebert kommt ein Spieler mit Perspektive aus Leipzig. Er ist schon ab Januar da, wir haben ein halbes Jahr Zeit ihn zu integrieren, er kann lernen und entlasten. Und wir haben mit ihm, einem 2,06 Meter großen Spieler, der einen guten Wurf hat, auf den Innen-Abwehrpositionen mehr Möglichkeiten.
Zur Person
Ceven Klatt
Der leidenschaftliche Angler ist in Brandenburg geboren. Klatt spielte früher unter anderem für den Zweitligisten TuS Ferndorf. Der nun 38 Jahre alte Familienvater war Kreisläufer. Später trainierte er verschiedene Vereine. Er führte den HC Rhein Vikings 2018 in die Zweite Bundesliga. 2019 wechselte der in Düsseldorf aufgewachsene Klatt zu den Rimpar Wölfen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder: Erik (8) und Ronja (7). Seine Frau Anja spielte bis vor ein paar Jahren in der Dritten Liga Handball. Klatt hat eine Vorliebe für die Natur und das Wasser. Fischen, Wake Boarden und Schwimmen sind seine Hobbys. Die Natur und das Wasser genießt er gerne in seinem kleinen Häuschen in Kirchmöser in Brandenburg.mne