Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Was Archäologen in Oggersheim so alles entdeckt haben

So sah es Mitte Oktober bei den Grabungen aus.
So sah es Mitte Oktober bei den Grabungen aus.

Zwei römische Bestattungen hatten die Mitarbeiter der Landesarchäologie bereits im Oktober an der Adolf-Diesterweg-Straße entdeckt. Wo die GAG hinter dem Oggersheimer Friedhof bauen möchte, wird noch bis Mitte März gegraben. Und es gibt weitere Funde.

„Wir sind zwei bis drei Wochen vor unserem Zeitplan und mit dem Ablauf sehr zufrieden“, sagt David Hissnauer von der Landesarchäologie in Speyer über die Arbeiten in Oggersheim. Seit Anfang September 2020 ist ein Team, das überwiegend aus Archäologie-Studenten besteht, auf einer Fläche an der Adolf-Diesterweg-Straße mit Grabungen beschäftigt. Da es bereits dort interessante Funde gab, wo derzeit eine Kita gebaut wird, galt auch das benachbarte Areal als archäologische Verdachtsfläche. Dort plant die GAG fünf neue Mehrfamilienhäuser, zusätzlich wird eine Erschließungsstraße gebaut.

Skelett und Keramik

Im Oktober dann der spannende Fund: Hissnauers Kollegen stoßen auf zwei Bestattungen, die sie auf die Römerzeit datieren. In einem Fall ist ein noch gut erhaltenes Skelett sichtbar, direkt daneben liegen die Reste einer Brandbestattung. Damals ging Hissnauer noch davon aus, möglicherweise weitere Bestattungen zu finden, was ein Hinweis auf einen früheren Friedhof gewesen wäre. Dem war aber nicht so. Stattdessen habe es „eine ganze Reihe von Befunden gegeben, die auf eine neuzeitliche Bewirtschaftung hindeuten“, sagt er. So etwa Keramik aus dem 16. oder 17. Jahrhundert.

In der Nähe der Kita ist außerdem „eine Lage mehrerer Brennöfen“ unter der Erde aufgetaucht. Also viele dieser kleinen Schachtöfen nebeneinander. Aus welcher Zeit sie stammen, könne er noch nicht sagen. Diese Art von Öfen hätten über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende hinweg gleich ausgesehen, sagt der Experte. Auch warum sie an dieser Stelle standen, wissen die Archäologen noch nicht. Doch David Hissnauer hat eine Vermutung: „Es sieht danach aus, als sei es eine Produktionsstätte gewesen.“ Möglicherweise zur Herstellung von Keramik.

Funde werden in Abschlussarbeiten erforscht

Die Grabungs-Mitarbeiter dokumentieren genau, wo sie was gefunden haben. Studenten werden sich dann später tiefergehender mit den Funden auseinandersetzen. So etwas seien gute Themen für Abschlussarbeiten an der Universität, erklärt Hissnauer. Keramikfunde würden dann zum Beispiel gewaschen und in einer Werkstatt genauer untersucht. An der Art der Herstellung könne man erkennen, aus welcher Zeit die Stücke stammen.

Den Archäologen geht es bei ihrer Arbeit nicht darum, unbedingt möglichst viele Funde mitzunehmen. Wo das möglich ist, werden sie im Boden belassen. In Oggersheim ging das nicht, weil anschließend auf dem Gelände gebaut wird und es nicht genügend Puffer im Boden gegeben hätte, um die Funde dauerhaft ohne Beschädigungen dort zu erhalten, sagt Hissnauer. Seine Kollegen sind aktuell auf dem vorletzten von fünf Hausfeldern mit den Grabungen beschäftigt. Im letzten Feld werde bereits der Oberboden abgetragen. Wenn das Wetter es zulässt, sind sie in einigen Wochen fertig. Und ziehen weiter, zu neuen spannenden Funden.

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