Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Warum sich der Mutterstadter Nils Röller nicht über Platz zwei bei der Handball-U19-WM freut

Der Mutterstadter Nils Röller (Nummer 30) hat klare Ziele, was er nächster Zeit erreichen will.  Foto: IHF
Der Mutterstadter Nils Röller (Nummer 30) hat klare Ziele, was er nächster Zeit erreichen will.

Erstmals stand eine U19-Auswahl des Deutschen Handball-Bundes in einem WM-Finale. Zur Mannschaft gehörte auch der 17 Jahre alte Nils Röller aus Mutterstadt. Der Schüler des Paul-von-Denis-Gymnasiums in Schifferstadt freute sich zunächst aber nicht über den zweiten Platz nach dem 28:32 (19:16). Er verrät auch, warum.

Herr Röller, wie schmerzhaft war die Niederlage gegen Ägypten?
Die Enttäuschung war nach dem Abpfiff schon sehr groß. Wir waren so nah dran. Wenn man im Endspiel ist, dann will man natürlich auch den Titel holen. Das haben wir nicht geschafft und deshalb überwog nach dem Abpfiff die Enttäuschung. Eine Niederlage in einem WM-Finale tut eben besonders weh.

Mit etwas Abstand dürfte aber die Freude über WM-Silber dennoch überwiegen. Oder?
Freude ist aktuell noch das falsche Wort. Wir wollten ehrlich gesagt schon mehr als nur die Silbermedaille. Eine Feier gab es daher nicht nach der Niederlage. Wir haben stattdessen bei einem Empfang der deutschen Botschaft den Abend gemütlich ausklingen lassen.

Im vergangenen Jahr mussten Sie wegen eines Nasenbeinbruchs auf die EM verzichten. Diesmal feierten Sie Ihre erste große Turnierteilnahme. Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?
Mein Ziel war es, unbedingt bei der WM dabei zu sein, das habe ich geschafft. Bei der WM hätte ich mir gewünscht, mehr Spielanteile zu bekommen. Da hatte ich höhere Erwartungen an mich. Aber Tom Bergner, mein Zimmerkollege, hat auch eine sehr gute WM gespielt und wurde sogar ins All-Star Team berufen. Das muss man einfach akzeptieren.

Warum waren Sie nicht immer mit Ihren eigenen Leistungen zufrieden?
Ich bin schon kritisch zu mir selbst. Ich versuche stets meine beste Leistung abzurufen. Wichtig war mir in diesen Situationen, dass meine Eltern vor Ort waren und ich dann nach den Spielen mit ihnen offen darüber reden konnte. Das gab mir immer wieder Mut und Zuversicht, an mich zu glauben. Und den Vize-WM-Titel haben wir als Mannschaft gemeinsam gewonnen.

Konnte man nach der Auftaktniederlage gegen Portugal mit solch einer Siegesserie noch rechnen?
Die Niederlage gegen Portugal tat uns sehr weh, aber unsere Trainer haben uns immer wieder Mut gemacht und an uns geglaubt. Wir wussten dann, wenn wir zusammenhalten und jeder seine Leistung abruft, dass wir dann noch weit kommen können. Schade, dass es dann gegen Ägypten nicht gereicht hat.

Sie waren mit 17 Jahren noch einer der jüngsten Akteure. Wie geht es weiter?
Die WM war jetzt mein letztes großes internationales Turnier bei den U19, aber ich hoffe, es war aber noch lange nicht das letzte große Turnier mit der Nationalmannschaft. Ich werde alles geben, um auch bei den U21 eine Chance zu bekommen.

Am Montag ging es direkt mit dem Flugzeug von Skopje nach Hannover und dann am Abend wieder in die Pfalz. Kommt jetzt eine kurze Pause?
Nein, am Dienstag bin ich schon wieder in Haßloch im Training, denn am kommenden Samstag steht das erste Spiel gegen HBW Balingen-Weilstetten II an und da will ich unbedingt dabei sein, denn mein Bruder Lars trägt ja inzwischen das Trikot der HBW.

Welche Ziele verfolgen Sie nach der Weltmeisterschaft?
Neben dem Abitur im kommenden Frühjahr will ich bei der TSG Haßloch noch mehr Spielanteile bekommen und mich in der Dritten Liga durchsetzen. Dazu möchte ich weiter regelmäßig bei den Eulen Ludwigshafen mittrainieren, um dann auch eine Chance für einen Bundesliga-Einsatz zu bekommen. Ich werde am 2. September 18 Jahre alt, so dass ich dann auch in zwei Vereinen ein Erwachsenen-Spielrecht haben kann.

An eine kurze Regeneration denken Sie nicht?
Nein, meine Belastung war bei der Weltmeisterschaft nicht allzu hoch, da ich nicht alle Partien über die volle Spielzeit bestritten habe. Ich fühle mich einfach fit und habe nicht das Gefühl, dass ich müde von der WM in Ägypten bin.

Interview: Jochen Willner

Zur Person

Nils Röller

Der Nachwuchshandballer ist 17 Jahre alt und wohnt in Mutterstadt. Er ist Schüler der 13. Klasse des Paul-von-Denis-Gymnasiums in Schifferstadt. Röller lernte mit vier Jahren das Handball spielen bei der TSG Mutterstadt, ehe er sich 2014 der TSG Friesenheim anschloss. Der Kreisläufer gehört dem Kader der U-19-Nationalmannschaft an, bestritt bisher 26 Länderspiele und warf 43 Tore. Seit dem 1. Juli 2018 hat Röller ein Doppelspielrecht bei der TSG Haßloch in der Dritten Liga. Mit Vollendung seines 18. Lebensjahres kann er auch ein weiteres Erwachsenenspielrecht bei den Eulen Ludwigshafen erhalten. Er ist der jüngere Bruder von Lars Röller (19), der ebenfalls als Kreisläufer das Trikot der U-19-Nationalmannschaft trug, in der Dritten Liga bei den Rhein-Neckar-Löwen II spielte und seit 1. Juni 2019 das Trikot der HSG Balingen-Weilstetten II trägt. wij

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