Reiten
Warum Paul Löcher ein Talent mit Weitblick ist
„Ich freue mich, dass ich gut habe mithalten können“, sagt Paul Löcher. Der 18 Jahre alte Reiter aus Maxdorf war am Wochenende der einzige Rheinland-Pfälzer, der beim Preis der Besten in Warendorf in der Dressurkonkurrenz am Start war. Mit seinem zehnjährigen Hannoveraner Limoncelli verpasste er am Sonntag die erhoffte Platzierung knapp.
Löcher traf bei der Leistungsschau des Reiternachwuchses auf starke Konkurrenz. Denn für den Nachwuchs-Bundeskader ist der Preis der Besten ein Sichtungsturnier für die Europameisterschaft. Coronabedingt fand das Turnier, das 2020 abgesagt worden war, in einer kleineren Version statt. Die Teilnehmer wurden von Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen berufen, und der hatte offensichtlich Gefallen an den jüngsten Leistungen des Pfälzers vom Fahr- und Reitverein Fußgönheim gefunden. Mit Limoncelli reitet Paul Löcher seit dem Sommer 2020 auf einer kleinen Erfolgswelle und feierte einige Siege in der mittelschweren Klasse.
Zuletzt hatte er Mitte April mit dem dunkelbraunen Wallach in Darmstadt-Kranichstein die 70-Prozent-Marke in einer mittelschweren Zwei-Sterne-Prüfung überboten – ein tolles Resultat. Vor zwei Jahren startete Paul Löcher noch in der Ponyklasse, wo er mit Timberlake SH, dem Pony seiner Schwester Laura, Erfolge bis zur L-Klasse feierte. Erst seit 2020 ist er auf Großpferden unterwegs.
Familie hat eigene Reitanlage
„Natürlich war ich vor dem ersten Start aufgeregt“, erzählte er, nachdem er in Warendorf am Samstagmorgen mit Limoncelli den Auftakt bestritten hatte. „Es geht schon noch ein bisschen besser“, bemerkte er mit Blick auf die Leistung im Viereck, die nicht ganz fehlerfrei war. Mit 66,9 Prozent aller Punkte rangierte er am Ende auf Platz 19. „Ich habe mir vorgenommen, mit beiden Pferden an beiden Tagen saubere Runden zu zeigen. Eine Platzierung wäre natürlich schön“, sagte Löcher. Neben Limoncelli sattelte er den neunjährigen Amaro T, den er seit dem Frühjahr reitet und mit dem er zum Auftakt auf 65 Prozent kam.
Weil die Löchers eine eigene Reitanlage besitzen und der 18-Jährige dem Landeskader Rheinland-Pfalz angehört, konnte er seinen Sport während der Corona-Einschränkungen ausüben. „Was das Training betrifft, war es unproblematisch. Schwieriger ist es wegen der Turniere“, räumte er ein. Die Anzahl der Turniere ist seit Corona drastisch gesunken. Deshalb standen Starts in Hessen und Baden-Württemberg an. Als Kader-Reiter darf Löcher bei einigen Profiturnieren wie zuletzt in Darmstadt-Kranichstein reiten, dort ist die Konkurrenz jedoch stärker.
Löcher ist ehrgeizig. Er nimmt diese Herausforderung an. Und er investiert in seine reiterliche Ausbildung. „Ich trainiere in Bruchsal bei Katrin Burger und Joachim Neubert“, erzählt er. Burger betreute ihn auch in Warendorf.
Nun zu den Deutschen Jugendmeisterschaften
Der Sonntag lief dann deutlich besser. „Ich habe alles gegeben, die Pferde auch“, fasste er zusammen. Mit Limoncelli kam er auf 68,5 Prozent aller Punkte und belegte Platz neun. Auch mit Amaro T legte er zu, verbuchte 66,4 Prozent. In der Gesamtwertung lag Löcher mit Limoncelli als 15. im guten Mittelfeld. „Es war nicht ganz fehlerfrei. Es gab ein paar Sachen, die noch gefehlt haben“, räumte er ein. Die Leistung sei eine gute Basis für die Ziele, die er sich gesetzt habe. „Ich will mich wieder für die Deutsche Jugendmeisterschaft qualifizieren“, sagt Löcher. Die findet im September in Darmstadt-Kranichstein statt. „Wenn es Corona zulässt, würde ich gerne einmal international starten.“
Zunächst ist aber Pause. In knapp zwei Wochen steht dann das nächste Turnier im bayerischen Illertissen auf dem Programm. Für Löcher ist 2021 das letzte Jahr in der Junioren-Altersklasse. Ab 2022 ist er ein Junger Reiter. Dann steigen auch die Herausforderungen. Die Unter-21-Jährigen starten in der schweren Klasse. „Meine Pferde haben die Qualität dafür“, ist sich Löcher sicher. „Ich will in diesem Jahr meine erste S-Dressur reiten. Und dann in der Winterpause viel arbeiten“, sagt er. 2022 steht allerdings auch das Abitur auf dem Programm. „Ich bin ein fleißiger und guter Schüler“, sagt Paul Löcher über sich. Corona und die damit verbundenen Einschränkungen im Schulbetrieb erschwerten jedoch die Vorbereitungen auf das Abitur.