SPORTLER IM BLICK RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Horst Panzner seinen ersten 1000-Meter-Lauf auf Strümpfen absolvierte

Der 82-jährige Horst Panzner kräftigt an einem Gerät im Seniorenparcours nahe der Parkinsel regelmäßig seine Muskulatur. Trotz s
Der 82-jährige Horst Panzner kräftigt an einem Gerät im Seniorenparcours nahe der Parkinsel regelmäßig seine Muskulatur. Trotz seines Alters ist er in einer Top-Verfassung

Horst Panzner vom ABC Ludwigshafen war über Jahrzehnte ein bärenstarker Mittel- und Langstreckler. Mittlerweile ist er 82 Jahre alt und nach wie vor topfit. Ein Tag ohne Sport ist für ihn völlig undenkbar. Selbst eine schwere Herzmuskelentzündung warf ihn nicht aus der Bahn.

Wenn die meisten von uns noch schlafen, ist Horst Panzner schon hellwach. Eine Stunde Pilates in aller Herrgottsfrühe. Damit beginnt der Tag des 82-Jährigen. Von Montag bis Sonntag, Ausnahmen gibt es nicht. Wenn Teil eins seines sportlichen Pensums erledigt ist, dann geht es auf direktem Weg zum Seniorenparcours an der Schneckennudelbrücke. Sein Fahrrad steht in Sichtweite neben der Bank und Panzner nimmt auf dem „Pull Down Challenger“ Platz. Kräftig zieht er an den beiden Holmen, hebt sein eigenes Körpergewicht an. Eine kräftige Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur zeugen von regelmäßigen Training. „Zwei, drei Stationen mache ich jeden Tag“, erzählt er. Und das bei Wind und Wetter. Momentan hat er Glück, die Temperaturen steigen, der Frühling steht vor der Tür. Aber Panzner ist hart mit sich selbst. Sogar Minustemperaturen und Schnee halten ihn nicht ab. Wenn er fertig ist, folgen noch ein paar Runden mit dem Fahrrad über die Parkinsel. Wahrlich ein straffes Programm. Panzner ist mittlerweile 82, doch die sieht man ihm nicht an. Drahtig, sportlich, im Sommer braun gebrannt kommt der ehemalige Mittel- und Langstreckenläufer daher.

Disziplin, die hat er bei allem, was er gemacht hat, an den Tag gelegt: ob im Beruf oder im Sport. Mitte der 1950er Jahre absolvierte der Ludwigshafener seine Ausbildung zum Bierbrauer und Mälzer beim Bürgerbräu, schloss als Bester mit einem Notendurchschnitt von 1,1 ab. Ein Knochenjob. Wie viele tausend Fässer er durch die Gegend schleppte, Panzner weiß es nicht. Ganz nebenbei trainierte er intensiv und lieferte klasse Leistungen auf der Rundbahn ab. „Während die anderen studiert haben und sich erholen konnten, habe ich gearbeitet.“ Regeneration – Fehlanzeige! Er erinnert sich, wie er sich morgens um 4.30 Uhr auf seinen Drahtesel schwang, um nach Mutterstadt zu fahren. Den ganzen Tag über wendete er das Getreide, auf einer Fläche so groß wie ein Fußballfeld. „Das hat jedes Krafttraining ersetzt“, sagt er lachend. Abends stand er dann auf dem Sportplatz, bolzte Intervalle. Diese Konsequenz legt er auch noch heute an den Tag, wenn es um die Themen Gesundheit und Fitness geht.

1978 der erste Marathon

Von Tschechien über das bayerische Straubing landete Panzner 1951 in Ludwigshafen. Beim Traditionsverein Phönix Ludwigshafen trat er gegen das runde Leder, stand auch mal als Torhüter zwischen den Pfosten. Doch Fußball war nie seine Leidenschaft, das merkte er tief im Innern. Seinerzeit veranstaltete Phönix ein Leichtathletiksportfest im Stadion. Schüchtern stand Panzner als Schüler in der Ecke, beobachtete die Szenerie. „Willste mitmachen?“, fragte die mittlerweile verstorbene Trainerlegende Helmut Hockenberger den jungen Kicker. Er musste nicht lange darüber nachdenken. Laufschuhe, die hatte er als 14-Jähriger nicht. Stattdessen lief er die 1000 Meter in Strümpfen. „Du gehst auf die Mittel- und Langstrecke“, meinte Hockenberger mit fachmännischem Blick. Der Trainerfuchs hatte das Talent des Ludwigshafeners direkt erkannt.

Mittelstreckencoach Fritz Handrich schliff den Rohdiamanten Panzner. 30, 40 Sportler trainierten damals gemeinsam in einer Gruppe, pushten sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Die 1000 Meter waren zu Beginn Panzners Strecke. „Da habe ich mich wohlgefühlt, irgendwo zwischen 800 und 3000 Meter.“ Als B-Jugendlicher lief er bereits 2:40 Minuten, als A-Jugendlicher dann 2:30 Minuten. Unter anderem gewann er in dieser Zeit die Bronzemedaille bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Schweinfurt, später sollten weitere Top-Platzierungen bei deutschen und süddeutschen Meisterschaften folgen. Panzner wechselte zum FSV Frankfurt. Henninger-Bräu war jetzt sein neuer Arbeitgeber und Leichtathletik-Ikonen, wie Sprint-Olympiasieger Armin Hary zählten zum Team.

Während seiner Bundeswehrzeit startete der Ludwigshafener für Göttingen, wurde Niedersachsen-Meister, ehe er in die Pfalz zurückkehrte. Aus Phönix wurde ABC Ludwigshafen, bis heute noch Panzners Heimat. Die Strecken wurden inzwischen länger, 1978 wagte er sich an seinen ersten Marathon. „Ich hatte etwa ein halbes Jahr vor dem Termin vom Marathon in Ludwigshafen gelesen und gedacht: Da kannst du mal mitjoggen.“ Ein paar 30-Kilometer-Läufe, das sollte ausreichen. Start und Ziel waren am Wilhelm-Hack-Museum. Wegen der großen Hitze gingen die Läufer bereits um 7 Uhr auf die Strecke. Nach 2:48 Stunden erreichte Panzner das Ziel. Eine gelungene Premiere.

Mit 70 Jahren noch Langstreckler

Mitte und Ende der 1970er Jahre gewann der heute 82-Jährige zahlreiche Volksläufe in der Region. Seine Bestzeit von knapp über 31 Minuten über 10.000 Meter lief er weit jenseits der 30 bei einem Abendsportfest in Bonn-Troisdorf. Dabei waren die Bedingungen alles andere als optimal. „Es gab insgesamt elf 10.000-Meter-Läufe. Ich war im letzten Lauf. Dreimal musste ich mich einlaufen, weil der Veranstalter den Zeitplan nicht einhalten konnte.“ 15:11 Minuten ging er die ersten fünf Kilometer an. Der Ludwigshafener fühlte sich frisch und zog durch. „In jungen Jahren waren die 10.000 Meter nichts für mich. Ich bin sie vielleicht mal notgedrungen gelaufen“, sagt er schmunzelnd.

Seiner spät entdeckten Liebe zu den Langstrecken frönte er noch bis zum 70. Lebensjahr. Die Strecke lief er damals noch unter 40 Minuten. Vermutlich ein Lauf bei der Winterlaufserie in Rheinzabern wurde ihm zum Verhängnis. Bei eiskalten Temperaturen, sein Bart war seinerzeit gefroren, zog er sich eine Herzmuskelentzündung zu. Vorhofflimmern, weitere Herzbeschwerden waren die Folge – das Aus als Läufer. Doch Panzner ließ sich nicht hängen. Sein frühmorgendliches Sportprogramm ist mehr als nur eine Alternative und hält ihn fit.

Durchtrainiert: Panzner in jungen Jahren.
Durchtrainiert: Panzner in jungen Jahren.
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