Ludwigshafen
Warum Griechen Probleme bei der Paketabholung haben
Die Geschichte beginnt damit, dass Angeliki Kourtesi für ihre in Ludwigshafen wohnende 94-jährige Großmutter ein Girokonto bei der Sparkasse Vorderpfalz eröffnen wollte. Doch die Sparkassenmitarbeiterin weigerte sich zunächst, den Antrag auf Kontoeröffnung zu akzeptieren. Der Grund war offenbar ihre Legitimation mit dem griechischen Personalausweis, der nicht überall anerkannt wird. Nach einigem Hin und Her ist die Kontoeröffnung inzwischen geglückt.
„Meine Oma ist aus Griechenland zurückgekommen, hat aber lange Zeit bis vor vier Jahren in Ludwigshafen gelebt. Mein verstorbener Opa hat zeitlebens in der BASF gearbeitet“, erzählt Enkelin Angeliki Kourtesi im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Um an die monatliche Rentenzahlung zu kommen, benötigt die Großmutter ein Girokonto in Ludwigshafen. Ihre Oma sei pflegebedürftig und nicht mehr mobil. Der Weg zur Sparkasse sei ihr nicht leicht gefallen. Doch bei der Vertragsunterschrift habe die Kundenbetreuerin auf einmal gesagt, mit dem griechischen Ausweis könne sie kein Konto eröffnen, sie solle sich mit einem Reisepass ausweisen, erzählt die 35-Jährige. Dies hatte erhebliche Folgen.
Besuch im Konsulat
„Den Reisepass müssten wir beim Konsulat in Frankfurt beantragen. Dort einen Termin zu bekommen, ist schon schwierig. Dann geht der Antrag nach Griechenland, der Pass kann fünf Monate dauern. Und das Ganze kostet über 120 Euro“, beschreibt Kourtesi die bürokratischen Hürden. Sie habe dann im Ludwigshafener Rathaus angerufen, wo man ihr gesagt habe, dass die Sparkasse jedem Menschen ein Konto geben müsse. Schließlich sei es dann vorige Woche gelungen, ein Sparkassenkonto zu eröffnen, berichtet die in Neu-Ulm lebende Enkelin vom letztlich positiven Ausgang.
Wie ein Sprecher der Sparkasse Vorderpfalz auf eine Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt, seien alle Geldhäuser gesetzlich zur Kontrolle der Identität ihrer Kunden verpflichtet. Einschränkungen für griechische Staatsbürger bei der Legitimation mit einem gültigen Personalausweis seien ihm nicht bekannt. Ende gut, alles gut? Nicht ganz.
Auch bei der Post Probleme
Denn so einfach ist die Sache mit den griechischen Personalausweisen offenbar nicht. Sie fühle sich als Griechin in Deutschland manchmal schon etwas schlecht behandelt, sagt Angeliki Kourtesi. Denn Probleme gebe es öfter auch bei der Post, wenn sie sich zum Abholen eines Pakets ausweisen müsse, berichtet sie. Ein Blick ins Internet bestätigt ihre Angaben. Dort findet sich die Warnung eines Finanzdienstleisters, seit 1. Januar 2021 erfüllten italienische und griechische Personalausweise die von der EU geforderten Kriterien nicht mehr. Als Problem bei griechischen Ausweisen wird genannt, dass einzelne Angaben im griechischen und nicht im lateinischen Alphabet geschrieben seien. Dazu hätten griechische Personalausweise kein Ablaufdatum.
Wie der griechisch-stämmige CDU-Stadtrat Joannis Chorosis und aktueller Vorsitzender des Beirates für Migration und Integration auf Nachfrage mitteilt, seien die Schwierigkeiten mit dem griechischen Ausweis allgemein bekannt, die Sache mit der Sparkasse auch kein Einzelfall gewesen.
Neuer Ausweis soll kommen
„Es ist einfach nicht überall bekannt und durchgedrungen, dass der griechische Ausweis auch in Deutschland mittlerweile seine volle Anerkennung hat“, meint Chorosis. So würden die Bürgerbüros der Ludwigshafener Stadtverwaltung die Ausweise anerkennen, obwohl dies früher keine Selbstverständlichkeit gewesen sei. Die griechischen Ausweise seien mittlerweile nicht nur in griechischer, sondern in griechischer und lateinischer Schrift ausgestellt und die Gültigkeit auf zwölf Jahre begrenzt, teilt Chorosis mit.
Allerdings gebe es keine besonderen Sicherheitsmerkmale wie bei deutschen Ausweisen, es fehlten Sicherheitszeichen, das Gültigkeitsdatum sowie Prüfziffern in maschinell lesbarer Form, räumt er ein. Die griechische Regierung habe schon vor Jahren versprochen, bald einen neuen Ausweis mit den europäischen Standardmerkmalen auszustellen. Wann dies eingeführt werde, stehe leider in den Sternen. „Ich kann behaupten, dass sich wohl fast alle Griechen nach den neuen Sicherheitsausweisen sehnen und auf eine baldige Einführung hoffen“, beschreibt Chorosis die aktuelle Lage.