LUDWIGSHAFEN / SPEYER RHEINPFALZ Plus Artikel Warum es für die zweigeteilte Fußball-Oberliga Kritik und Häme hagelt

Das Derby Arminia Ludwigshafen gegen Mechtersheim, wie hier 2018, wird kommende Saison wieder geben.
Das Derby Arminia Ludwigshafen gegen Mechtersheim, wie hier 2018, wird kommende Saison wieder geben.

Die Corona-Pandemie führt zu einer etwas anderen Saison in der Oberliga. Der Regionalverband Südwest hat nämlich die 24 Vereine abstimmen lassen, ob sie eine Runde in zwei Gruppen spielen wollen. Das führt zu vielen Derbys – nur mit oder ohne Zuschauer? Jedenfalls überrascht das klare Ja nicht. Doch nicht alle Vereine sind angetan von der Zweiteilung.

Nord und Süd – das sind die zwei Oberliga-Gruppen, in denen kommende Saison jeweils zwölf Mannschaften spielen werden. Der FC Arminia Ludwigshafen gehört der Süd-Gruppe an, wie auch Wormatia Worms, die TSG Pfeddersheim, der FV Dudenhofen, der TuS Mechtersheim, der FC Speyer 09, FSV Jägersburg, die SV Elversberg II, Hertha Wiesbach, FV Eppelborn, FV Diefflen, Röchling Völklingen. In der Nord-Gruppe sind: 1. FC Kaiserslautern II, Eintracht Trier, FSV Salmrohr, TuS Koblenz, SG Mülheim-Kärlich, Spfr. Eisbachtal, FV Engers, TSV Emmelshausen, BW Karbach, Alemannia Waldalgesheim, Hassia Bingen und der SV Gonsenheim.

Ralf Gimmy, der neue Coach des FC Arminia Ludwigshafen, der zuvor lange Mechtersheim trainierte und Speyer jetzt in die Oberliga führte, ist erleichtert. „Es gab im Vorfeld verschiedene Vorschläge, wie man die Teams auf zwei Gruppen verteilen könne. Bei einem wären Speyer und die Arminia getrennt gewesen. Doch das war zum Glück schnell vom Tisch“, atmet Gimmy auf. Er selbst habe sich zuvor Gedanken gemacht, wie man die 24 Vereine aufteilen könne und sei exakt zu dem Resultat gekommen, das jetzt umgesetzt wird. Der Trainer mahnt zwar, Rückschläge einzukalkulieren, weil das Virus immer noch präsent ist, glaubt aber an einen Saisonstart im September: „Ich bin ein optimistischer, positiv denkender Mensch. Deshalb habe ich auch schon einen Trainingsplan erarbeitet, der auf einen möglichen Beginn am 5. September ausgerichtet ist.“ Gimmy fordert Flexibilität und kann sich vorstellen, bis zum 19. Dezember zu spielen, um nach kurzer Winterpause im Februar die Runde fortzusetzen.

Nur zwei Vereine gegen die Variante

„Bei der Frage, ob die Liga ein- oder mehrgleisig spielen soll, haben wir uns enthalten. Aber wenn mehrgleisig gespielt wird, dann nur in zwei Zwölfergruppen wie es jetzt beschlossen wurde“, erklärt Arminia-Sportchef Markus Impertro. „Für das aktuelle Modell gab es eine 22:2-Mehrheit. Gut, dass der 1. FC Kaiserslautern II seiner Eingruppierung in die Nord-Gruppe zugestimmt hat“, geht der Dank Impertros an den FCK. Der Sportliche Leiter hat auch die Wirtschaftlichkeit im Auge und bedauert, dass die meisten Derbys vermutlich in den Wintermonaten gespielt würden. „In der Südgruppe dürfte die Breite größer und das Leistungsgefälle geringer sein“, spekuliert Impertro. Deshalb sei es wichtig, nach Abschluss der Vorrunde mindestens Sechster zu sein, um nicht in die Abstiegsrunde zu müssen.

Wie läuft die Auf- und Abstiegsrunde ab?

Ist die jetzige Lösung auch die beste? Rolf Emrich, langjähriger Spielleiter der TSG Pfeddersheim, verneint. „24 Klubs sind Wahnsinn. Man hätte nicht jeden Tabellenzweiten aufsteigen lassen dürfen. Das Rheinland stellt sogar drei Aufsteiger“, moniert Emrich. Wenn man aber so viele Mannschaften habe, dann sei die Zweiteilung sinnvoll. Dass die rheinhessischen Rivalen Bingen, Gonsenheim und Waldalgesheim der Nordgruppe zugeschlagen wurden, stört den Spielleiter nicht. „Man muss Kompromisse eingehen. Es gab auch ein Modell, das die rheinländischen Teams getrennt hätte, was großen Protest hervorgerufen hat“, gibt Emrich zu bedenken. Wichtig sei, schnell eine Lösung zu finden, wie die Punktemitnahme in die Auf- und Abstiegsrunden aussehe.

„Liga wurde unnötig aufgebläht“

„Wir haben es ungern gesehen, dass die Liga aufgestockt und ohne Ende aufgebläht wurde. Deshalb ist eine Teilung alternativlos“, verdeutlicht Ibrahim Kurt, der designierte neue Sportvorstand von Wormatia Worms. Zwei Zwölfergruppen mit 22 Vorrundenspielen sei die bestmögliche Lösung. Inklusive der zwölf Partien in der Auf- und Abstiegsrunde käme jeder Verein auf 34 Begegnungen – der gewohnte Umfang. „Ob das so durchgezogen werden kann, ist fraglich, denn wir sind vom Gesetzgeber und der Entwicklung des Infektionsgeschehens abhängig“, betont Kurt. Geisterspiele sind für ihn unvorstellbar, weil ohne die Zuschauereinnahmen die Kosten nicht zu stemmen seien. „Keine Zuschauer wäre auch ein schlechtes Signal an die Sponsoren. Selbst wenn man 250 Besucher zulässt, hilft uns das nicht. Wir würden drauflegen“, erklärt Kurt.

„Bundesligisten gingen auf die Barrikaden“

Kritisch sieht Steffen Litzel, künftiger Trainer beim FV Dudenhofen, das Geschehen: „Sieben Aufsteiger zuzulassen finde ich fatal. Es wäre gerechter gewesen, wie in all den Jahren zuvor, nur die drei Meister und den besten Zweiten hoch zu nehmen. Bei 21 Mannschaften hätten wir mit einigen englischen Wochen durchaus die Chance gehabt, eine komplette, eingleisige Runde zu spielen.“ Mit 24 Teams, 46 Punkt- plus Pokalspielen sei dies aber unmöglich. „In den drei Bundesligen wäre so etwas unmöglich. Die Vereine gingen auf die Barrikaden“ vermutet Litzel. Da nun keine andere Möglichkeit bestehe, finde er die Aufteilung und den Spielmodus in Ordnung. „Zentrale Bedeutung haben für uns die Derbys sowie die Begegnungen mit Worms und Pfeddersheim“, sagt Litzel.

„Sieben Aufsteiger sind eine Farce“

Auch Ralf Schmitt, Trainer des TuS Mechtersheim, kann sich mit den Festlegungen nicht so recht anfreunden: „Sicherlich haben wir letzten Endes, wie viele andere Vereine auch, von der Entscheidung, dass es keine Absteiger gibt, profitiert. Dem begegnen wir mit der entsprechenden Demut, auch wenn wir sicher sind, dass wir den Klassenverbleib auch auf sportlichen Weg erreicht hätten. Aber einfach mal schnell sieben Mannschaften in diese Liga aufsteigen zu lassen ist eine Farce, was zwingend dazu führte, die Liga zu teilen.“ Leider sei nun der Eindruck entstanden, dass manche Vereine diese schwere Krise genutzt hätten, um mit Nachdruck und durchs Hintertürchen Eigeninteressen durchzudrücken, was sehr schade sei und einen faden Beigeschmack hinterlasse. Als Verfechter einer eingleisigen Liga werde er sich zum jetzigen Modus nicht weiter äußern und nehme es wie es kommt. „Ich konzentriere mich auf die Dinge, die ich als Trainer beeinflussen kann. Wichtig ist nur, dass wir so schnell wie möglich wieder Fußball spielen.“

FC Speyer kann mit aktuellem Modus gut leben

Dennis Will, Neu-Trainer des FC Speyer 09, kann mit dem jetzigen Spielmodus „ganz gut leben“. Auch er habe die eingleisige Liga favorisiert und als die fairste sportliche Lösung gesehen. „Bei verspätetem Start und begrenztem Zeitfenster wäre dies aber nur mit vielen englischen Wochen realisierbar gewesen“, erklärte er und verweist auf die Überlastung der Spieler, die Amateure und keine Profis seien. Positiv sieht Will den regionalen Gedanken, der viele spannende Derbys erwarten lässt: „Der jetzige Modus macht Sinn, Vor- und Nachteile hätte es auch bei jeder anderen Variante gegeben.“ Mit Interesse blicke er der Entscheidung entgegen, wie mit den „Vorrunden-Punkten“ verfahren wird. Mitnehmen oder teilweise streichen? Will: „Wir sind zwar alle heiß auf’s Kicken, doch die Gesundheit ist das Wichtigste. Wir müssen uns in Geduld üben.“

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