Was Leser ärgert
Warum ein Ludwigshafener das Corona-Management kritisiert
Die Geschichte beginnt, als der 22-jährige Sohn der Familie Neumann Grippesymptome bemerkt und am 26. März ein Testcenter aufsucht, um einen PCR-Test machen zu lassen. Tags darauf bekommt er telefonisch die befürchtete Diagnose. Er ist „Corona positiv“. Für die vierköpfige Familie mit Vater, Mutter und Bruder bedeutet das: als Kontaktpersonen müssen alle 14 Tage in Quarantäne.
Auf seine Nachfrage beim Gesundheitsamt nach einer Krankmeldung oder Bescheinigung für seinen Arbeitgeber BASF habe der Gesprächspartner gesagt, eine solche „Absonderungsbescheinigung“ könne beim Gesundheitsamt abgeholt werden. Das könne aber zwei, drei Wochen dauern, berichtet der Familienvater. Für Neumann ein Unding, den Arbeitgeber so lange warten zu lassen und das Papier trotz Quarantäne abzuholen. „Die Lösung war, dass wir uns selbst online als Kontaktpersonen ersten Grades registriert haben“, schildert der 52-jährige.
Keine weitere Ansteckung
Zum Glück lebt die Familie nach eigenen Angaben nicht in beengten Wohnverhältnissen. So sei es gelungen, die Quarantänezeit zusammen zu verbringen, ohne dass sich ein weiteres Familienmitglied mit Corona angesteckt habe. Dann sei die Frage aufgekommen, ob zum Ende der Quarantäne noch einmal ein PCR-Test nötig sei. Eine Bundeshotline habe dies verneint. Vom Gesundheitsamt in Ludwigshafen habe es auf Nachfrage jedoch geheißen, dass ein Test nötig sei. Unterlagen würden dafür nicht gebraucht.
Also fuhr die Familie zum Klinikum, wo außerhalb des Hauses Corona-Tests vorgenommen werden. „Im Testzelt am Klinikum hieß es dann aber, ohne Unterlagen kein Test“, beklagt sich der Ludwigshafener. Immerhin sei es ihnen dort gelungen, ihre Unterlagen online ins Testzentrum weiterzuleiten. Im Testzelt habe Chaos geherrscht. „Es gab keine Hinweisschilder, ältere Menschen irrten orientierungslos herum. Der Mann hinter mir hat 2,5 Stunden gewartet und dann gemerkt, dass er an der falschen Stelle war. Er wurde wieder weggeschickt. Bei uns hat es vier Stunden gedauert, bis wir den PCR-Test hatten. Ältere und gebrechliche Menschen können nicht 2,5 Stunden am Stück stehen. Dort gibt es nicht einmal Stühle“, erzählt Neumann.
Virus-Mutation nachgewiesen
Am 8. April sei die Quarantänezeit beendet gewesen. Am 12. April habe das Gesundheitsamt angerufen. Beim Test des Sohnes am 26. März sei eine Virus-Mutation festgestellt worden, hieß es. Bei einer Mutation sei ein nochmaliger PCR-Test vor dem Ende der Quarantänezeit vorgeschrieben. „Der Anruf kam vier Tage zu spät“, stellt der Ludwigshafener fest. Für die Langsamkeit der Behörde hat er kein Verständnis angesichts der Pandemie.
Wie Yasemin Böhnke, Sprecherin des Klinikums, auf Nachfrage mitteilt, werden im Zelt der Infektionsambulanz täglich bis zu 800 Personen medizinisch betreut. Die vom Leser genannte Wartezeit sei nicht üblich, zu Stoßzeiten aufgrund des Aufkommens aber nicht auszuschließen. Für geschwächte Personen stünden jedoch im Wartezimmer Stühle zur Verfügung, auch würden diese bevorzugt behandelt.
Gesundheitsamt: Nur ein Einzelfall
Dass ein Patient für die Zweittestung Dokumente über seine Covid-Erkrankung und Quarantäne vom Gesundheitsamt mitbringen müsse, sei notwendig und werde täglich problemlos so gehandhabt. Es habe bei diesen Formalitäten bisher keine Beschwerden gegeben.
Nach Mitteilung von Kornelia Barnewald, Sprecherin des Gesundheitsamts beim Rhein-Pfalz-Kreis, könne es sich bei der verspäteten Benachrichtigung für einen weiteren PCR-Test nur um einen Einzelfall gehandelt haben.