Bezirksliga intern
Warum der Ludwigshafener SC noch Luft nach oben hat
LUDWIGSHAFEN. Wenn der Spitzenreiter einen Abstiegskandidaten 4:0 schlägt, dann spricht man wohl von einem standesgemäßen Sieg. So war es im Derby der Fußball-Bezirksliga zwischen dem noch ungeschlagenen Ludwigshafener SC und dem ESV Ludwigshafen.
Längst hat der LSC seine Ziele offen formuliert. Meisterschaft und Aufstieg sollen es sein. Was auch sonst. „Wir haben bis jetzt 17 Punkte mehr geholt als der Tabellendritte“, sagt Trainer Nauwid Amiri und meint damit, dass den Hochfeldern nur noch die FG 08 Mutterstadt gefährlich werden kann. Absolut zufrieden war der Coach aber nicht mit dem Auftritt seines Teams gegen den Nachbarn. „Wer so viele Chancen herausspielt, der muss höher gewinnen als 4:0“, betont Amiri. Zumal das Endergebnis schon zur Halbzeit feststand und die Gastgeber danach in den Verwaltungsmodus schalteten.
Eingebaute Torgarantie
Es habe nur einen kritischen Moment gegeben, als der ESV beim Stand von 2:0 für die Rot-Weissen einen Elfmeter zugesprochen bekam, den LSC-Torwart Precious Ofosohene parierte. „Es hat mir gefallen, dass nach der Begegnung keiner zufrieden war oder gar lauthals einen Derbysieg bejubelt hat. Die Jungs sind sehr selbstkritisch mit der zweiten Hälfte umgegangen“, berichtet der Trainer. Gut sei gewesen, dass das Team mit Blick auf das 1:1 im Hinspiel von Beginn an sehr konzentriert und zielstrebig zu Werke gegangen sei. „Trotzdem können wir besser spielen und werden es auch, wenn unsere erkrankten und angeschlagenen Spieler zurück und im Rhythmus sind“, ist Amiri überzeugt.
Verlassen können sich die Hochfelder auf den Mann mit der eingebauten Torgarantie. Mittelstürmer Ibrahim Anli erzielte alle vier Tore und schraubte sein Trefferkonto auf 17 hoch. Dabei hat der 29-jährige Torjäger mit zehn von 21 Partien nicht mal die Hälfte der Spiele absolviert, weil er zu Saisonbeginn mit einer langwierigen Muskelverletzung wochenlang ausgefallen war, die noch aus dem Pokalspiel gegen den SV Südwest Ende Juli resultierte. „Sensationell, Ibo schießt Tore am Fließband“, schwärmt Amiri. Linksfuß Anli ist ein kompletter Stürmer, der eine unglaubliche Torgefahr verströmt, clever ist, ein Spiel lesen kann und extrem kaltschnäuzig agiert. Er dürfte den LSC zum Titel schießen.
Viele Ausfälle, lange Bank
Obwohl am Wochenende sieben Akteure fehlten, darunter etliche Stammkräfte sowie Leistungsträger, und Arif Buga nur für den Notfall auf der Bank saß, bot der LSC ein Team auf, dass auf allen Positionen stark besetzt war. „Da haben wir von unserem großen Kader profitiert. Wir brauchen jeden Mann“, erklärt der Coach und ist dennoch froh, wenn alle das gleiche Fitnesslevel haben. In der Endphase konnte er es sich sogar erlauben, mit Pergentino Ntutumu Abogo und Monir Uchqoon zwei Akteure aus dem Reserveteam Bezirksligaluft schnuppern zu lassen. Der mit großen Erwartungen verpflichtete Stürmer Eban Arslan sei allerdings noch nicht in der Mannschaft angekommen und habe „viel Luft nach oben“, erläutert der Übungsleiter.
Weil mit Leon Lorenz, Fabio Fleischer und Peter Hildebrandt drei mögliche Innenverteidiger fehlten, verteidigte Mikail Terzi zentral. „Es war das erste Mal in dieser Saison, dass Mika diese Position bekleidet hat. Er hat seine Aufgabe gut gelöst und nichts anbrennen lassen“, lobt Amiri, der mit seiner Mannschaft am Sonntag, 15 Uhr, beim Tabellenletzten SV Rülzheim antritt. Eine unangenehme Aufgabe, weil jeder einen ungefährdeten Sieg erwartet. „Rülzheim ist stärker als in der Hinrunde, das zeigt das 5:5 im Nachholspiel gegen Mechtersheim II. Ich werde die Jungs so vorbereiten wie wenn es gegen Mutterstadt ginge“, will der Coach die Sinne der Spieler schärfen.