Sportler im BLICK
Warum der Handball-Jugendtrainer Philip Baier als Talentförderer gilt
Die Aufgabe ist nicht leicht. Aber Philip Baier ließ sich nicht zweimal bitten, als Präsident Ulf Meyhöfer und seine Vorgängerin Christl Laubersheimer ihn gebeten haben, das verwaiste Amt des Vize-Präsidenten Nachwuchsentwicklung beim Pfälzischen Handballverband zu übernehmen. Der 27 Jahre alte Systeminformatiker, der aus Ludwigshafen stammt und seit drei Jahren in Rödersheim-Gronau lebt, gehört zu den jüngeren Mitarbeitern im Verband und ist für die Arbeit mit dem Nachwuchs geradezu prädestiniert. Zunächst war er als Trainer am Stützpunkt für die Talentförderung zuständig, dann Trainer der männlichen Pfalzauswahl. So hat Baier in den vergangenen sieben Jahren die Strukturen im Verband kennengelernt und auch so manchen Vorschlag eingebracht.
Beim Verbandstag haben ihm die Delegierten das Vertrauen für die neue Aufgabe geschenkt. Baier ist einer, der anpacken, der etwas verändern und etwas im Sinne des pfälzischen Handballs bewegen möchte. Nicht nur als Trainer der männlichen Pfalzauswahl, die er aktuell noch betreut, sondern auch im Präsidium. Er dämpft aber die Erwartungen. „Was wir wegen der Pandemie erleben, kann keiner allein reparieren“, sagte Baier. Er spricht den drastischen Mitgliederschwund im Nachwuchsbereich an. „Es ist traurig, dass einige Mannschaften sich vom Spielbetrieb abmelden mussten, weil sie nicht mehr genügend Spieler haben“, so Baier. „Jetzt sind alle gefordert. Der deutsche Handball-Bund, wir als regionaler Verband, aber auch die vielen Mitstreiter in den Vereinen.“
Kooperationen mit Schulen
Dabei unterscheidet Baier nicht zwischen dem weiblichen und männlichen Nachwuchs, aber auch nicht zwischen dem Leistungs- und Breitensport. Es geht um die Mitgliedergewinnung. „Es gibt leider auch bei uns weiße Flecken wie in der Westpfalz.“ Der erste Schritt: Der Stützpunkt Westpfalz soll wieder aktiviert werden, als Anlaufstelle für Handball-interessierte Kinder. Er will die Türen für die Vereine öffnen. Baier, der frühzeitig seine aktive Laufbahn bei den VTV Mundenheim, wo er bei den Minis mit dem Handball begann, beendet hatte und sich danach dem Trainer- und Schiedsrichterjob widmete, hat Ideen. „Wir müssen mehr in die Schulen, dort mit Unterstützung der Lehrer den Ballsport attraktiver machen“, betont Baier. Er spricht ausdrücklich vom Ballsport. Denn auch die übrigen Ballsportverbände haben mit Ausnahme des Fußballs ähnliche Probleme. Außerdem hat er beobachtet, dass der Handballsport für manche Schüler nicht attraktiv genug ist. Stichwort: Körperkontakt. „Diejenigen, die Handball spielen, finden das cool, andere, die noch nie Handball gespielt haben, eben nicht“, verdeutlicht Baier.
Er erinnert er sich an seine Schulzeit, als der frühere Jugendkoordinator der TSG Friesenheim, Martin Röhrig, in den Schulen den Sportunterricht gestaltete. Baier plädierte für den Schulterschluss zwischen Schule, Lehrkräften und Vereinen, um langfristig wieder Kinder und Jugendliche für die Clubs und damit für den Verband zu gewinnen. Er spricht trotz seines jungen Alters aus Erfahrung. Als Trainer beim TV Hochdorf und als Co-Trainer der männlichen A-Jugend bei der TSG Friesenheim, habe er Einblick in ganzheitliche Handballkonzepte gewonnen. „Diejenigen, die wir verloren haben, können wir zwar kurzfristig zurückholen, aber unsere Strategie sollte langfristig angelegt sein“, erklärt Baier.
Er schließt nicht aus, zugunsten seiner Funktion als Vize-Präsident in naher Zukunft seine Aufgabe als Trainer der Pfalzauswahl aufzugeben. Einen Schub erhofft er sich von der vom DHB ausgerufenen Kampagne „Jahrzehnt des Handballs“ mit der Durchführung von Europa- und Weltmeisterschaften bei den Männern, Frauen und dem Nachwuchs im eigenen Land. „Ich bin zuversichtlich, dass der deutsche Handball sich erfolgreich präsentieren wird, wenn wir es schaffen, mit flankierenden Maßnahmen für diese Großereignisse zu werben. Damit können wir auch den Nachwuchs ansprechen.“ Auf Baier wartet eine Herkulesaufgabe.