Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der ESV Ludwigshafen ein besonderes „Double“ feiert

Der ESV Ludwigshafen steigt als Meister der A-Klasse Rhein-Pfalz indie Bezirksliga auf.
Der ESV Ludwigshafen steigt als Meister der A-Klasse Rhein-Pfalz indie Bezirksliga auf.

Der ESV Ludwigshafen wurde in der A-Klasse Rhein-Pfalz souverän Meister. Trainer Denis Rothweiler erzählt, warum er wenig zu kritisieren hat und benennt die Eckpfeiler.

Der ESV Ludwigshafen ist als Meister der Fußball-A-Klasse Rhein-Pfalz zum dritten Mal nach 2013 und 2018 in die Bezirksliga aufgestiegen. Trainer Denis Rothweiler ist damit nach Werner Schanne und Bernhard Grätz der dritte Übungsleiter, dem dieser Erfolg gelungen ist. Alle drei haben ihre Mannschaften nachhaltig geprägt, sind im Verein anerkannt und genießen bei den „Eisenbahnern“ so etwas wie Legendenstatus. Für die Blau-Schwarzen, die im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiern, ist es immer noch etwas Besonderes, in dieser Liga aufzulaufen. Höher spielte der ESV noch nie.

Eigentlich ist das Team auf dem Sofa aufgestiegen: Als die Punkte aus der abgebrochenen Partie gegen die TSG Eisenberg den Ludwigshafenern zugesprochen wurden, war gerade kein Spiel. „Wir haben schon am Sonntag zuvor gefeiert, weil nach unserer Ansicht kein anderes Urteil möglich war. Es war allerdings nicht so emotional, wie wenn der Titel direkt auf dem Platz perfekt gemacht wird“, sagt Rothweiler. Letztlich konnte sich der ESV am letzten Spieltag beim VfR Frankenthal sogar eine 1:2-Niederlage leisten und hatte dennoch drei Zähler Vorsprung auf den SV Ruchheim, den schärfsten Verfolger. Richtig gefährdet war die Meisterschaft nicht, auch wenn der ESV in der Rückserie ein schweres Programm hatte.

Drei Tage nach Köln

„Unsere Meisterfeier ging dennoch bis morgens 2 Uhr. Es gab Essen vom Büfett und Meister-Shirts von Marco Lapings Firma Absolute Teamsport“, berichtet der Übungsleiter. Schwarze Hemden mit hellblauer Schrift, also ganz in den Farben des Klubs. Und wenn man schon mal beim Feiern ist, dann kann man auch noch einmal an einen schon etwas älteren Titel erinnern. „Wir haben auch die überraschende Stadtmeisterschaft in der Halle mitgefeiert“, verdeutlicht Rothweiler und spricht lachend vom Double. Das ist allerdings noch nicht alles. Für drei Tage ging es nach Köln zu einer Abschlussfahrt der besonderen Sorte. Da wird manches Kölsch durch durstige Kehlen gelaufen sein.

„Dass wir direkt nach dem Abstieg nicht wieder aufsteigen werden, war klar. Es musste eine neue Mannschaft aufgebaut werden“, erklärt der Coach. Nach dem Abstieg 2024 hatten einige Akteure den Klub verlassen, sodass Rang fünf in der vorigen Saison in der A-Klasse das Leistungsvermögen gut abbildete. Die inzwischen eingespielte Mannschaft wurde mit vielversprechenden Neuverpflichtungen aufgepeppt. „Deshalb war unser Ziel vor der Runde klar: Wir wollen Meister werden“, erinnert Rothweiler an den vergangenen Sommer. Das gelang den „Eisenbahnern“ in beeindruckender Manier mit nur drei Niederlagen.

114 Tore in 28 Spielen

Der ESV traf in 26 der 28 Begegnungen mindestens doppelt und kam am Ende auf 114 Treffer. Das ist kein Wunder, denn viele Tore hat die Mannschaft schon immer geschossen, auch in Abstiegsjahren. Viel bemerkenswerter sind allerdings die nur 32 Gegentore, was den Bestwert bedeutet. Die einstige Schießbude hatte meist geschlossen, elfmal gab es ein „zu Null“. Das liegt an der generell guten Arbeit und zwei Spielern, die im Defensivbereich herausgeragt haben. „Da ist einmal Pero Zovko, der in den meisten Partien überzeugend aufgetreten ist“, lobt Rothweiler den Innenverteidiger und Abwehrchef. Exemplarisch für Zovkos gute Spieleröffnung steht der tolle, weil ideal getimte Pass auf Cedric Adner beim 3:3 in Ruchheim.

Nummer zwei ist Torwart Manuel Letzel. Der Schlussmann ist im Aufbauspiel gefordert, was nicht immer ohne Risiko abgeht. „In all den Partien gab es nur einen Gegentreffer, den er mit einem Ballverlust eingeleitet hat. Das lässt sich verschmerzen“, lässt der 41 Jahre alte Trainer Nachsicht walten. Rothweiler bezeichnet sich selbst als Perfektionist, einer, der oft unzufrieden und kritisch ist, immer noch etwas mehr von seinen Jungs fordert. Doch in dieser Saison sieht das etwas anders aus. „Eigentlich gibt es nichts zu meckern“, sagt der dreifache Familienvater. Eigentlich. Und tatsächlich findet er noch ein Haar in der Suppe: „Gegen die Topteams geben wir meistens Vollgas, gegen die schwächeren Mannschaften glauben wir, dass 80 Prozent reichen.“

Adner mit 39 Toren

Ohne den anderen Kadermitgliedern zu nahezutreten, muss festgehalten werden, dass Cedric Adner die Krone gebührt. Vor Jahren bekämpfte er als Abwehrrecke noch gegnerische Sturmspitzen, jetzt ist der 23-jährige Adner nach seiner Umschulung selbst eine. Der dynamische Tiefensprinter markierte 39 Treffer und wurde mit weitem Abstand Torschützenkönig der Liga. Da schnalzt auch der frühere Torjäger Rothweiler mit der Zunge. Adner ist auch ein Paradebeispiel für die Mentalität des ESV. Marco John (14) und Hasan Yüceer (13) folgen in der vereinsinternen Torschützenliste.

Weitere Schlüsselspieler sind der filigrane Techniker und Kapitän Timo Wollnik, eine Bank im zentralen Mittelfeld und nicht umsonst zum besten Spieler bei der Stadtmeisterschaft gekürt. Oder Yüceer, der sich vom egoistischen Torjäger der Marke „Hitzeblitz“ zur mitreißenden Führungsfigur mauserte. „Die beste Entwicklung hat Tim Ledwina gemacht“, lobt Rothweiler den beweglichen Sechser. Und auch einen „Trainingsweltmeister“ hat der künftige Bezirksligist: Damian Queva absolvierte 65 von 69 möglichen Einheiten. Vorbildlich.

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