Das spontane Interview
Warum Christa W. München gegen Ludwigshafen eingetauscht hat
Wie erleben Sie Ludwigshafen nach Ihrer Zeit in München?
Um ehrlich zu sein, war ich ziemlich entsetzt. Ich habe damals in den 1970ern schon in Süd gelebt, und dort hat sich so viel nicht verändert. Aber die Veränderungen in der Innenstadt sind tatsächlich gravierend. Als ich hier weggezogen bin, gab es dort noch jede Menge kleiner Geschäfte zum Einkaufen. Heute wüsste ich nicht mehr, wo ich dort schnell noch etwas erledigen könnte. Deshalb zieht es mich dort natürlich auch nicht mehr hin.
Was hat Sie nach der Zeit in München wieder hierher zurückgezogen?
Nachdem ich in Rente gegangen bin, wollte ich wieder in der Nähe meiner Tochter sein, und die lebte nach wie vor hier in der Region. Ich habe zunächst außerhalb Ludwigshafens gelebt, bin aber mittlerweile in der neuen Christian-Weiß-Siedlung zu Hause.
Aber Sie sind kein Mitglied der „Damen-Wohngemeinschaft“ im obersten Stockwerk, oder?
Nein. Dort wollte ich nicht hin. Ich führe gerne mein eigenes Leben. Ich treffe mich zwar schon auch gerne mit Leuten, aber ich möchte mich auch zurückziehen können.
Gibt es denn auch gute Seiten an Ludwigshafen?
Aber natürlich! Das kulturelle Angebot ist noch immer sehenswert! Egal ob Theater, Konzerte oder Ballett. Besonders zum Schauspiel hatte ich schon immer einen Bezug. In meiner Jugend habe ich sogar auf der Laienebene selbst ein wenig geschauspielert. Allerdings gefallen mir die modernen Inszenierungen nicht so sehr. Die sind sicher auch gut, aber ich kann halt nichts damit anfangen.
In der Nähe von Würzburg gibt es auch das Schauspiel in Jagsthausen. Dort haben Sie aber nicht mitgespielt, oder?
Um Gottes willen, nein! Das war viel kleiner. Wir haben aus der Jugendgruppe heraus auf einer sehr laienhaften Ebene gespielt. Das waren meistens Komödien, damit die Leute nach dem Krieg ein bisschen was zum Lachen hatten. Dabei hat mir das Erarbeiten der Stücke immer viel besser gefallen als die eigentliche Aufführung vor Publikum.
Im Pfalzbau fanden ja nach langer Pause wieder die ersten Aufführungen statt. Waren Sie schon dort?
Ja, gerade jetzt am Samstag im Ballett. Und Konzerte gibt es ja jetzt auch wieder. Darauf freue ich mich.
Hier auf der Parkinsel findet ja gerade das Filmfestival statt. Ist das auch etwas für Sie?
Ich bin eigentlich kein so großer Kinogänger, aber seit ich wieder in der Region lebe, war ich dort schon regelmäßig zu Gast. Allerdings finde ich, dass sich die Atmosphäre in den letzten zwei, drei Jahren sehr negativ verändert hat. Man geht auch bei den Filmen mittlerweile mehr nach dem Massengeschmack. Dafür vermisse ich das Flair der Nische. Außerdem konnte man sich früher tatsächlich an den Inhaltsbeschreibungen orientieren. Das geht mittlerweile nicht mehr. Ich hätte das Festival aber trotzdem auch in diesem Jahr besucht. Leider war das mit den Karten ein wenig kompliziert. Da habe ich es lieber gleich gelassen.
Auch um Würzburg gibt es ein Weinbaugebiet. Mögen Sie lieber einen Frankenwein oder einen Pfälzer?
Das ist ein heikles Thema. Als ich vor rund 50 Jahren in die Region gekommen bin, waren die Pfälzer Weine wirklich schrecklich süß! Ich glaube, das hat sich mittlerweile deutlich gebessert. Leider kann ich es selbst nicht mehr beurteilen, weil sich Alkohol nicht mit meinen Medikamenten verträgt.